Typisch Greven: Die Rote Mühle
„Fatty“ beschallte das gesamte Münsterland

Greven -

Greven war mal ein Diskotheken-Eldorado. Ganz besonders bekannt war die Rote Mühle.

Freitag, 22.02.2019, 22:04 Uhr aktualisiert: 22.02.2019, 22:30 Uhr
Die „Rote Mühle“ an der Konradstraße war legendär, nicht nur in Greven sondern im gesamten Münsterland.
Die „Rote Mühle“ an der Konradstraße war legendär, nicht nur in Greven sondern im gesamten Münsterland. Foto: Stadtarchiv

In den 1960er und 1970er Jahren war Greven ein zentraler Ort für Disco-Liebhaber. Im Jahre 1968 entstand die Disco „Sound 68“ in der Gaststätte Sahle („Friedrichsburg“, Saerbecker Straße), die wechselweise auch im Kolpinghaus stattfand. Ebenfalls zu dieser Zeit befand sich die Diskothek „Niagara“ in der Friedrich-Ebert-Straße. Danach wurde das Haus genutzt von den „Free Eagles“ und seit 2002 ist es das Clubhaus der „Bandidos“. Und zu nennen ist an dieser Straße auch die Diskothek Renger , hernach „Old Forester“ genannt, die mehr zu Schlagern hin orientiert war. Betreiber war Willy Renger, sein Disc-Jockey hieß Hansfried. Und schließlich befand sich auf der Bismarckstraße gegenüber vom K+K-Markt die Diskothek „London Pub“.

Aber größter Anziehungspunkt und schon bald auch Kult für Liebhaber in Sachen Disco-Musik war in jener Zeit zweifellos die „Rote Mühle“. Sie wurde als Abendlokal am 13. August 1971 an der Konradstraße eröffnet. In den WN hieß es damals: „Gastronom Conny Ernst schuf hier eine stilvolle Gaststätte mit über hundert Plätzen. Eine überlange Theke durchzieht den gesamten Raum, dessen Sitz-Nischen und Decke mit Holz gestaltet wurden.“

Diese Diskothek war an jedem Wochentag bis ein Uhr nachts, an jedem Wochenende bis drei Uhr morgens geöffnet. Von 1972 bis 1976 war der Student Werner Heiring – von allen „Fatty“ genannt – hier der Discjockey. An sechs Abenden in der Woche wechselte er jeden Abend von Soul über Disco-Musik zum Rock.

Bald war die Diskothek auch in Münster, schließlich sogar im ganzen Münsterland für ihre gute Musik bekannt und beliebt. Spieler des „SC Preußen Münster“ kamen ebenso regelmäßig wie die Mitglieder des „Porsche Club Monasteria“.

Ende November 1976, Werner Heiring war nicht mehr als DJ dabei, weil er sein Studium beendet hatte, hieß es in den WN: „Jazzwelle rollt auch durch ‚Die Mühle‘“, angekündigt wurde „Roy Pellet and his Jazzband“. „Die Stimmung war zu Fattys Zeiten immer gut, besonders nach 22 Uhr“, berichtet ein Zeitzeuge. „Dann war es immer rappelvoll, halbdunkel, und es wurde viel getanzt.“ Fattys Nachfolger war Josef Beike („JoBi“). Er wechselte später in den „Country Club“.

1978 verkaufte Conny Ernst die Diskothek an Maggie und Margret. Ende Februar 1985 wurde die Mühle im Rahmen der Stadtkernsanierung abgerissen.

Aber die Disco-Abende mit dem DJ Fatty blieben weiterhin bei allen in liebevoller Erinnerung, in Gesprächen schwärmte man von den Abenden und Nächten dort, sie waren ein wichtiger Teil der eigenen Jugendzeit. Und so war es kein Wunder, dass im Jahre 2004 die Veranstaltung „Rote-Mühle-Party“ im Rahmen der Kulturinitiative (KI) durch die Initiative des damaligen Vorsitzenden Willi Meibeck höchst erfolgreich ins Leben gerufen wurde. Discjockey war natürlich wieder Werner Heiring, der noch immer über seine alten Platten verfügte.

Werner Heiring verstarb unerwartet am 12. Februar 2018. Und das war gleichbedeutend mit dem Ende der Rote-Mühle-Partys.

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