Das Rathaus wird modernisiert und mit Wärme aus der Emsaue versorgt
Umbau am lebenden Körper

Greven -

Über 20 Millionen werden ins Rathaus investiert. Mario Huslage koordiniert die Baumaßnahme.

Donnerstag, 07.03.2019, 06:32 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 15:43 Uhr
Mario Huslage, Fachdienstleiter Allgemeiner Service, koordiniert das Renovierungsprojekt rund um das Rathaus.
Mario Huslage, Fachdienstleiter Allgemeiner Service, koordiniert das Renovierungsprojekt rund um das Rathaus. Foto: Günter Benning

Mario Huslage lehnt locker am Treppengeländer des Rathauses. Unten das Foyer, oben das freischwebende Treppenhaus. Beton-Architektur der 70er Jahre. „Aber, wenn Sie sich mal ein Wärmebild von dem Gebäude ansehen“, sagt er, „schlagen Sie die Hände überm Kopf zusammen.“ Energiesparen spielte beim Bau keine Rolle.

Das wird anders. Und zwar schnell. Huslage, Fachdienstleiter Allgemeiner Service, hat die Zügel für die Komplettsanierung des Rathauses im Griff. Ein Prozess, der ab Juni genau 36 Monaten dauern darf, der 145 Mitarbeiter zumindest zeitweise aus ihren Büros vertreiben wird. Und der – alles in allem – über 20 Millionen Euro verschlingen wird. Rund 14 Millionen fließt dafür aus dem Zuschusstopf des Landes NRW für kommunalen Klimaschutz.

Der Rathausumbau geht Hand in Hand mit einer energetischen Pilotanlage. Am Emsufer werden Wärmekollektoren am Ufer verbuddelt, die für Rathaus, Augustinianum und Emssporthalle die Wärme produzieren soll. Im Bereich des Hallenbades wird eine Heizzentrale entstehen. Wärmenetz, Verteilstation und Erdkollektoren kosten allein 8,6 Millionen Euro, die auch zu 80 Prozent gefördert werden.

Das Riesenprojekt ist in vielen Gesprächen vorbereitet worden. In diesem Monat muss die Stadtverwaltung den Projektantrag bei der Bezirksregierung abgeben. Im Juni rechnet Mario Huslage dann mit der Genehmigung. Ab dann läuft die Zeit: „Wir haben genau 36 Monate Zeit, um die energetischen Maßnahmen durchzuführen.“ Wenn überzogen wird, verfällt der Zuschuss.

Wobei die Bauarbeiter durchaus länger arbeiten dürfen. Denn außer der energetischen Sanierung des Rathauses stehen noch andere Arbeiten an. Die Sanitäranlagen aus den 70er Jahren müssen saniert werden, die Fußböden sind abgewetzt, der Spack von fünf Jahrzehnten muss aufgefrischt werden.

„Wir gehen davon aus, dass nach dem Umbau kaum ein Mitarbeiter noch in dem gleichen Büro sitzen wird wie heute“, sagt Huslage. Denn die Arbeitsbereiche werden neu strukturiert. Wobei man besonders auf den Datenschutz achten muss.

Derzeit läuft noch die Ausschreibung für den Generalplaner für die Umbaumaßnahme. „Anders als beim Reckenfelder Ortskern“, sagt Huslage, „sind keine ausländischen Anbieter dabei.“ Wer die umfangreichen Arbeiten kontrollieren will, sollte schon nahe am Geschehen sein. In diesem Monat soll der Generalplanerauftrag vergeben werden. Danach geht Huslage davon aus, dass mehrere Monate lang geplant wird.

Da das Gebäude aus vier Teilen besteht, dürfte die Sanierung in diesen Abschnitten durchgeführt werden. Mitarbeiter werden dafür ausgelagert: „Das war ja auch der Zustand vor dem Bau unseres Rathauses“, sagt Huslage, „damals war die Verwaltung in der Stadt verstreut.“

Schon jetzt hat man die Fühler ausgestreckt, um Abteilungen auslagern zu können. Passend dazu denkt Huslages Fachdienst auch über eine Ausweitung der Homeoffice-Arbeit nach. Der Kreis Steinfurt ist dabei schon weiter fortgeschritten. „Weil wir viel Publikumsverkehr haben“, so Huslage, „denken wir eher über wechselnde Arbeitsplätze nach.“ Mal im Rathaus, mal im Heimbüro.

Das Großprojekt gliedert sich in verschiedene Maßnahmen.

► 9,1 Millionen Euro kostet die energetische Sanierung des Rathauses (8,3 Mio) zusammen mit einer neuen Heizungsanlage für die Martinischule, Nahwärmenetz und Hausübergabestationen.

► 4,6 Millionen Euro sind für die Erdkollektoren und die Übergabestation in der Emsaue eingeplant.

► 4 Millionen Euro wird die Heizzentrale, ein Blockheizkraftwerk und das Wärmenetz kosten.

► Für diese drei energetischen Maßnahmen fallen 17 744 600 Euro an, 80 Prozent davon werden bezuschusst.

► Die Gesamtkosten der Maßnahmen werden aber darüber liegen. Insgesamt rechnet die Verwaltung mit Kosten von 16 Millionen Euro nur für das Rathaus (8,3 Millionen davon sind energetische Maßnahmen). Die gesamte Maßnahme wird also deutlich über 20 Millionen Euro kosten.

►Parallel will die Verwaltung auch die Umgestaltung der Rathausstraße in Angriff nehmen. Das macht Sinn, weil wegen des Bau eines Wärmenetzes die Straße sowieso aufgerissen werden muss. Auch hier rechnet die Stadt mit Zuschüssen.

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