Treff im Hansaviertel wird von Besuchern gestaltet
Jetzt fehlen noch Gardinen

Greven -

Sesampaste, Kichererbsen, Kohl, Radieschen, Hummus und Geflügelsalami. Marmelade und Nutella sucht man vergeblich in der Küche im Hansaviertel-Zentrum. Es ist Frühstückszeit. Drei syrische Frauen haben Tee und Kaffee gekocht, aber am Tisch sitzen die vereinten Nationen des Viertels.

Mittwoch, 13.03.2019, 06:04 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 06:10 Uhr
Internationaler Frühstückstreff im neuen Treff am Hansaviertel.
Internationaler Frühstückstreff im neuen Treff am Hansaviertel. Foto: Günter Benning

„62 verschiedene Nationalitäten gibt es hier“, sagt Irmgard Hellmann de Manrique. Und das renovierte Stadtteilzentrum, in dem sie ihr Büro hat, wird immer mehr zu einem internationalen Anlaufpunkt.

Dienstagsmorgens ab 10.30 Uhr bietet sie eine offene Sprechstunde an. Für alle Grevener. Häufig kommen Migranten mit dem alltäglichen Formularkram. „Da kommt auch schon mal einer mit der Steuererklärung“, sagt die Mitarbeiterin der Stadt, „ich kann natürlich nicht alles beantworten.“

Das Viertelzentrum baut auf Eigeninitiative. Darum sahen die Räume vor einigen Monaten auch noch recht kahl aus. Die Einrichtung bestimmen die Besucher mit. Manches kann auch selbst gemacht werden, zum Beispiel von der Nähgruppe, die sich ebenfalls dienstags trifft. Irmgard Hellmann de Manrique sitzt in einem der Gruppenräume: „Ich hoffe, dass sie uns hier auch noch die Gardinen nähen.“

Christa Kriete ist neu in der Verwaltung. Sie war früher in der Migrationsberatung der Caritas tätig. Jetzt hat sie die Aufgabe von Ulrike Penselin übernommen: Förderung von Ehrenamt in der Stadt. „Die Begegnungsstätte“, sagt sie, „ist richtig gut besucht.“

Die Bandbreite der Angebote ist groß. Einmal in der Woche singt der russische Chor „Harmonie“ Weisen aus dem Osten. Regelmäßig trifft sich eine Frauengruppe von „Lernen fördern“. Ein ehemalige Mädchengruppe mit muslimischen Jugendlichen hat sich weiterentwickelt: „Seit neuestem haben zwei von ihnen eine Mutter-Kind-Gruppe organisiert.“

Wichtig für Kriete ist auch die Zwar-Gruppe: „Die sind sehr aktiv.“ „Zwar“ heißt „Zwischen Arbeit und Ruhestand“, in Greven treffen sich über 35 Teilnehmer regelmäßig zu Basistreffen, bei denen Aktionen geplant werden. Vom Spieleabend bis zum Wandertreff. „Wichtig ist, dass es offen ist – für alle.“ „Zwar“ kommt ohne die üblichen Vereinsstrukturen aus – auch ein Beispiel dafür, wie sich heutzutage Initiativen treffen. Kommuniziert wird unter den Teilnehmern per Whatsapp.

Künftig wird auch die türkische Gemeinde Jugendarbeit im Hansaviertel anbieten. „Die sind total interessiert daran, sich zu öffnen“, sagt Irmgard Hellmann de Manrique.

Derzeit nutzen vor allem Frauen die Angebote für Migranten im Zentrum. Männer, so die städtische Mitarbeiterin, „holen sich Rat in den Sprechstunden“.

Drei Jahre nach dem Beginn der Flüchtlingsbewegung, während derer das Hansaviertel-Zentrum als Unterkunft genutzt wurde, ist auch in Greven Normalität eingekehrt.

„Es geht nicht mehr um Notversorgung“, sagt Christa Kriete, „es geht jetzt wirklich um Integrationsaufgaben.“ Für viele Neubürger in Greven steht die Arbeitssuche im Vordergrund.

„Es gibt“, sagt Kriete, „ein Rieseninteresse daran, an der Gesellschaft teilzuhaben.“

Beim Frühstück am Dienstag wird das Geben und Nehmen deutlich. Am Tisch sitzt auch Christian Riemer, der hier seine Freiwilliges soziales Jahr absolviert: „Anfangs war es schwer, sich anzupassen“, sagt er, „aber es ist eine schöne Zeit, ich habe sehr viel gelernt.“

Dann springt er auf und begrüßt eine Besucherin fließend auf russisch. Der FSJler hat selbst russische und spanische Eltern.

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