Ein Besuch bei den Bestattern Detlef Venschott und Bernhard Dechering
Der Tod gehört zum Leben

Greven -

Bernhard Dechering ist Bestatter und sich seiner immensen Verantwortung bewusst. Der Beruf des Bestatters ist vielseitig. Heute gleicht der Beruf auch einer Koordinierungsstelle zwischen den verschiedensten Institutionen

Samstag, 16.03.2019, 15:08 Uhr aktualisiert: 16.03.2019, 16:00 Uhr
Bernhard Dechering gestaltet eine Traueranzeige.
Bernhard Dechering gestaltet eine Traueranzeige. Foto: Felicia klinger

„Wir bekommen einen enorm großen Vertrauensvorschuss von den Menschen“, sagt Bernhard Dechering , „sie vertrauen uns ihr Wertvollstes an. Einen geliebten Menschen.“ Bernhard Dechering ist Bestatter und sich seiner immensen Verantwortung bewusst.

Hinter einer Trauerfeier steckt viel Detailarbeit. Nichts darf vergessen werden. Ständig klingelt das Telefon. Die Gärtnerei wegen der Blumen, das Standesamts wegen der Unterlagen oder der Pfarrer, um einen Termin zu finden. Zwischendurch flitzt Dechering noch schnell zur Post, um passende Briefmarken zu besorgen. „85 Prozent unserer Tätigkeit ist Hintergrundarbeit“, erklärt Dechering.

Im hellen Büro des Hauses Venschott gestaltet der Bestatter eine Traueranzeige für die Zeitung. Währenddessen kommen und gehen seine Kollegen und klären die Aufgaben untereinander ab. „Ohne ein gutes Team, das einen auch mal auffängt, kann man diesen Job nicht machen“, beschreibt Dechering sein Arbeitsumfeld. Besonders schwierig sei der Tod eines Kindes. In diesem Fall arbeitet das Haus Venschott kostenlos. „Ich will an verstorbenen Kindern kein Geld verdienen“, erklärt der Inhaber Detlef Venschott.

Ein Betrieb befindet sich in seinem Elternhaus. „Als das Unternehmen größer geworden ist, bin ich dann irgendwann ausgezogen“, sagt Venschott. „Ganz früher war der Bestatter nur der Sarglieferant mit dem schwarzen Anzug, der mit der Kutsche zum Friedhof gefahren ist“, erklärt er. Im Laufe der Zeit hat sich auch die Bestattungskultur geändert. Lange waren im Ort die Kirchen Orientierungsinstanz. „Inzwischen wünschen sich immer mehr Menschen eine Feuerbestattung und in vielen Fällen auch einen Trauerredner, erklärt Detlef Venschott. Die Kirche habe an Einfluss verloren und zudem verändere sich auch gesellschaftlich die Art zu trauern. „Viele jüngere Menschen sind beruflich sehr mobil und haben keine Kapazitäten für eine aufwendige Grabpflege“, erklärt der Bestatter, „sie suchen sich andere Formen des Abschieds aus.“

Heute gleicht der Beruf einer Koordinierungsstelle zwischen den verschiedensten Institutionen – mit dem Anspruch, den verstorbenen Menschen und seine Angehörigen in den Mittelpunkt zu stellen. „ Wir sind die ersten Ansprechpartner bei einem Trauerfall“, so Bernhard Dechering, „und auch per Handy immer erreichbar.“

Bestatter sind aufmerksame Gesprächspartner. Das bestätigt auch Bernhard Dechering: „Mit der Zeit lernt man, den Angehörigen ihre Wünsche von den Lippen abzulesen, ohne sie durch forsches Nachfragen zusätzlich zu belasten.“ Respekt und Ruhe statt Hektik.

„Auch die Entscheidung für einen weißen Leichenwagen haben meine Frau und ich ganz bewusst getroffen“, erklärt Venschott, „weiß ist die Farbe der Auferstehung.“

Doch nicht nur mit den christlichen Glaubensinhalten müsse man vertraut sein, sondern auch mit anderen Religionen. Dieses Wissen ist genauso Bestandteil der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft wie Kosmetik, medizinische Kenntnisse, Hygiene, Trauerpsychologie und Rechtsvorschriften. Zu seinem Beruf sei er wegen dieser Vielfältigkeit gekommen, erklärt Bernhard Dechering.

In seiner Ausbildung wurde ihm seine Aufgabe so erklärt: „Ein Bestatter ist immer da und nicht da.“ Man dürfe sich nicht in den Mittelpunkt stellen oder bei einer Beerdigung im Weg stehen, sondern im Hintergrund immer ansprechbar sein und lösungsorientiert arbeiten.

„Natürlich verändert sich die eigene Einstellung zum Leben“, sagt Detlef Venschott, „ich lebe sehr bewusst im Hier und Jetzt.“ Sein Mitarbeiter fügt hinzu: „Genau deshalb gehen wir zum Lachen aber auch nicht in den Keller.“

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