Von Biogasanlage zum WM-Stadion
Ein Besuch bei Günter Heckmann und Muhamed Maljoku

Greven -

Der Beruf des technischen Konfektionärs kann bei der Firma Ceno Tec erlernt werden. Ein technischer Konfektionär näht und schneidet alles, was nicht Bekleidung ist.

Dienstag, 19.03.2019, 20:16 Uhr aktualisiert: 19.03.2019, 20:20 Uhr
Günter Heckmann (l.) schaut dem Azubi Muhamed Maljoku (r.) an der Schweißmaschine über die Schulter.
Günter Heckmann (l.) schaut dem Azubi Muhamed Maljoku (r.) an der Schweißmaschine über die Schulter. Foto: Felicia Klinger

Auf dem Boden liegen Planen in dunkelgrün und grau ausgebreitet. Maschinen summen. Es riecht nach Autoreifen und Bastelkleber. „Das ist das PVC, das wir hier verarbeiten“, erklärt Günter Heckmann .

Der Mann mit dem Schnurrbart zeigt auf eine überdimensionierte Nähmaschine. „Die arbeiten eigentlich gar nicht mehr mit Nadeln“, sagt er, „das sind eher Nägel.“ Günter Heckmann ist technischer Konfektionär bei der Firma Ceno Tec.

Man könnte auch sagen, er ist Industrieschneider. Ursprünglich sei das ein klassischer Handwerksberuf gewesen. „Das ist hervorgegangen aus dem Sattler, der Pferdegeschirre gemacht hat und dem Segelmacher“, erläutert Heckmann. Mit fortschreitender Industrialisierung wurde der Beruf von einem Handwerk zu einer Industrieausbildung.

„Ein technischer Konfektionär näht und schneidet alles, was nicht Bekleidung ist“, so Heckmann, „Markisen, Zelte, Lkw-Planen.“ In seinem Fall hauptsächlich Gewebe für textile Architektur. Der gelernte Schlosser kam über die Montage zur Arbeit mit Geweben.

An einer Wand hängen Fotos der Projekte von Ceno Tec. Die brasilianischen WM-Arena in Manaus, die Veltins-Arena in Gelsenkirchen, die Formel 1-Rennbahn Istanbuls, und der Salzburger Flughafen. Allen Gebäuden ist eines gemeinsam. Die Dächer bestehen aus einer weiß-durchsichtigen Membran oder die Gebäude werden von ihr umhüllt.

Umhüllt ist das richtige Stichwort. „Als ich selbstständig war, habe ich viel mit dem Verpackungskünstler Christo zusammengearbeitet“, sagt Günter Heckmann, „eine interessante Persönlichkeit.“ Den Reichstag und 178 Bäume hat Heckmann im Auftrag des Künstlers verhüllt. „Meine Aufgabe war es, die Gewebe zuzuschneiden und zu vernähen“, sagt er. Die künstlerische und architektonische Arbeit mit den Geweben sei anspruchsvoll, aber gerade deshalb reizend. „Es gibt nicht viele, die das können“, stellt der Konfektionär fest, „man braucht viel Erfahrung. Mit allein der Ausbildung ist es noch nicht getan.“

Mitten in dieser steckt Muhamed Maljoku . Seine Nähmaschine sieht aus wie aus einem Miniaturland – angesichts des riesigen, weißen Gewebes, das er mit ihr traktiert. „Die großen Maschinen finde ich aber spannender“, meint Maljoku und tritt an ein Gerät, dass auf einer zehn Meter langen Werkbank steht.

„Schwangere und Menschen mit Herzschrittmachern sollten sich nicht hier aufhalten“, warnt Günter Heckmann, „die arbeitet mit Hochfrequenzstrahlung.“ Man könne sich das vorstellen wie bei einer Mikrowelle, erklärt er. Die Moleküle werden in Bewegung gesetzt und erzeugen dadurch Reibungswärme. „Das Gewebe erhitzt sich und wir können die Planen verschweißen“, so Heckmann.

Zum Beispiel das Material für die kugelförmigen Biogasanlagen oder Abdeckungen von Güllespeichern. Diese wiegen locker mal mehrere Hundert Kilogramm und müssen im Fertigungsprozess von A nach B transportiert werden. „Körperlich fit sollte man sein“, meint Heckmann. Aber hier in der Halle bedienen sich die Konfektionäre eines technischen Kniffs. „In den Boden sind kleine Löcher eingelassen“, erklärt Muhamed Maljoku, „aus denen strömt Luft, sodass sich ein Luftkissen bildet und man die Planen leichter bewegen kann.“

Im oberen Stockwerk wuseln Näher zwischen halbfertigen Zelten hin und her. „Die sind für eine Jugendfeuerwehrgruppe aus Österreich – werden auch oft von Schützenvereinen oder Pfadfindergruppen bestellt“, so Heckmann.

Zwischen den weißen Stoffen und Rollen lugt ein gelber Handhubwagen hervor. Auf den Fuß hat jemand mit schwarzem Filzstift „Ute“ gekritzelt. „Ja, unsere Azubis sind manchmal Witzbolde“, sagt Günter Heckmann und dreht sich zu seinem Azubi um. „Ich war das bestimmt nicht“, erwidert Muhamed Maljoku. „UT steht bei uns für die Abteilung Umwelttechnik, da gehört der Wagen eigentlich hin“, lacht Günter Heckmann.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6482777?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Mehran Moradi lebte neun Monate unter dem Schutz des Kirchenasyls im Haus Liudger
Kirchenasyl-Fall in Greven (von links): Kaplan Ralf Meyer, Flüchtling Mehran Moradi und Helfer Erich Döring.
Nachrichten-Ticker