Stefan Deimann über die digitale Herausforderung
Digital und lokal – es geht um die Zukunft der Stadt

Greven -

Digitalisierung ist das große Thema für Grevens Wirtschaftsförderung. In den nächsten Jahren werden in diesem Bereich Millionen investiert. Stefan Deimann, Wirtschaftsförderer der Stadt Greven, spricht mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning auch über die Herausforderungen für den Innenstadthandel.

Freitag, 22.03.2019, 19:01 Uhr aktualisiert: 22.03.2019, 19:10 Uhr
Stefan Deimann, Geschäftsführer der Grevener Wirtschaftsförderung.
Stefan Deimann, Geschäftsführer der Grevener Wirtschaftsförderung. Foto: Günter Benning

Digitalisierung ist überall ein Thema. Wie weit ist Greven bei der Versorgung der Außenbereiche?

Deimann : Wir haben das Ausschreibungsverfahren abgeschlossen. Bis jetzt waren wir sehr schnell, jetzt müssen noch zwei Ministerien unsere EU-weite Ausschreibung prüfen. Wir hoffen, dass wir im September starten können.

Es geht um wie viele Haushalte?

Deimann: 1600, die in den Außenbereichen von Greven erschlossen werden, mit 100 MBit-Glasfaseranschlüssen.

Es geht um wie viel Geld?

Deimann: Die Gesamtsumme der Förderung lieg bei 22 Millionen. Eventuell steigert sie sich noch, denn die Tiefbaukosten sind in der letzten Zeit sehr gestiegen. Aber die Förderung wird angepasst.

Die Gemeinde Saerbeck wird 75 Kilometer Leitung in den nächsten vier Jahren erschließen. Wie lange dauert das in Greven?

Deimann: Das kann ich noch nicht sagen. Wir haben 450 Kilometer auszubauen mit 900 Kilometern Glasfaserkabel und hoffen, einen schnellen Ausbau hinzubekommen.

Innerstädtisch greift dieses Programm nicht, außer bei Schulen?

Deimann: Ja, die Bundesregierung hat gesagt, wir wollen bei den Schulen nachlegen. Wir konnten alle Grevener Schulen in dem Förderprogramm unterbringen, alle bekommen einen Glasfaseranschluss gelegt.

Digitalisierung spielt im Handel eine Rolle. Die einen halten sie für den Einzelhandelskiller. Wie gehen Sie damit um?

Deimann: Wir haben zusammen mit der Grevener Werbegemeinschaft und der IHK mehrere Veranstaltung geplant, um für das Thema zu sensibilisieren. Da geht es auch darum, welche Möglichkeit Händler auf regionalen Online-Märkten haben. Was kann der Händler vor Ort bespielen? Und wir machen mit der IHK zusammen ein Projekt: das digitale City-Monitoring. Das ist schon in Ibbenbüren und Lüdenscheid durchgeführt worden, um festzustellen, wie digital die Innenstadt ist.

Wie digital ist die GFW

Deimann: Wir haben eine eigene Internetseite, die auch Tablett-fähig ist. Wir führen für den Einzelhandel eine Seite, auf der man sehen kann, wo welche Geschäfte sind. Das wird in diesem Jahr alles noch mal aktualisiert.

Bei der GfW kommen regelmäßig Nachfragen nach Gewerbeflächen an. Welche Rolle spielt die digitale Versorgung dabei?

Deimann: Die digitale Versorgung wird immer wichtiger. Bei uns kann man sie an jeder Stelle bekommen, es ist nur die Frage, was man dafür ausgeben will. Wenn wir zukünftig Gewerbeflächen erschließen werden, gehört das zur normalen Infrastruktur wie Gas, Wasser oder Strom. Wir werden in den nächsten drei Jahren etwa 200 000 Quadratmeter Fläche erschließen könne, vor allem in Reckenfeld. Wir haben Anfrage aus dem Bereich Logistik, produzierendes Gewerbe, Dienstleistung, Einzelhandel, querbeet. Dabei geht es im Jahr so um die 500 000 Quadratmeter.

Sie müssen da oft nein sagen?

Deimann: Ja, wir haben im letzten Jahr auch 22000 Quadratmeter an zwei neue Unternehmen aus Greven vergeben können, die 30 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt haben wir rund 500 Arbeitsplätze durch die Unterstützung von Unternehmen bei Erweiterungen sichern können.

Deutschland boomt. Aber wer auf dem Gipfel steht, fürchtet den Abstieg. Sie auch?

Deimann: Dies Gefühl haben wir Deutschen ja besonders. Aber bisher ging es stets aufwärts. Ich glaube, es wird Veränderungen geben, aber wir sind im Münsterland mit vielen mittelständischen Betrieben gut mitgekommen. Jeder Strukturwandel bietet neue Chancen. Die Firma LIS am Hansaring – Software für die Logistikbranche – baut gerade ein neues Gebäude. WIR Solution hat sich auch ein neues Gebäude zugelegt. Insgesamt sehen wir auch demografisch einem wachsenden Greven und einem wachsenden Arbeitsmarkt entgegen. In den nächsten zwei Jahren werden wir zwischen 1000 und 2000 neue Arbeitsplätze bekommen.

An zwei Punkten in der Stadt sieht man innerstädtischen Wandel. Die ehemalige Tanzschule am Niederort wird zur Gastronomie. Ebenso die Fläche von Schlüter an der Alten Münsterstraße, die als Verkaufsfläche geplant war. Ist das ein Trend?

Deimann: In der Innenstadt ist ein Wandel abzusehen. Der Handel wird zukünftig nicht mehr der alleinige Magnet für die Innenstadt sein. Allerdings bleibt der Modebereich sehr wichtig, und da sind wir gut aufgestellt. Gastronomie bringt Aufenthaltsqualität. Jetzt kommt das Extrablatt, das wir immer haben wollten. Es heißt nur anders. Das ist das, was die Leute haben wollen. Außerdem arbeiten wir noch mit den Stadtwerken an kostenlosem WLAN in der Stadt, auch das ist wichtig, vor allem für junge Leute.

Im letzten Planungsausschuss ist diskutiert worden, für die neue Gastronomie die Zahl der Pflichtparkplätze zu verringern. Die Stadt verzichtet da auf viel Geld. Ist das der richtige Weg?

Deimann: Ich sage immer, wir geben ganz viel Geld aus für Frei- und Hallenbäder und Öffentlichen Nahverkehr, aber beim Kernthema, der Innenstadt, da sind wir vorsichtig. Wenn wir wollen, dass die Innenstadt attraktiv ist, dass die Leute sich mit Greven identifizieren, dann muss man auch die Möglichkeit dazu geben. Und da finde ich, das ist eine ganz kleine Investition. Das Gleiche erkennen deutschlandweit viele andere Städte auch.

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