Interview mit Greven Marketing-Chef Peter Hamelmann
„Personell auf Kante genäht“

Greven -

Seit über 20 Jahren ist Peter Hamelmann das Gesicht von Greven Marketing. Zahlreiche Stadtfeste hat er organisiert, mit Ausstellern verhandelt und viel gegeben, um die Stadt bekannt zu machen. Im Interview berichtet der geschäftsführende Vorstand des Vereins von seinen Erfahrungen und von dem, was vielen Vereinen Sorgen macht: die Finanzen.

Samstag, 30.03.2019, 08:25 Uhr aktualisiert: 30.03.2019, 08:30 Uhr
Peter Hamelmann ist geschäftsführender Vorstand von Greven Marketing und hat vielfältige Aufgaben.
Peter Hamelmann ist geschäftsführender Vorstand von Greven Marketing und hat vielfältige Aufgaben. Foto: Günter Benning

Wie oft am Tag hören sie eigentlich noch das Wort Verkehrsverein?

Peter Hamelmann : Das kommt noch häufig vor. Ich finde das aber auch nicht dramatisch. Greven Marketing ist nun mal der Nachfolger vom Verkehrsverein. Ich sage immer im Scherz, wir sind ein Verkehrsverein, der eben verstärkt Stadtmarketing macht. Aber unsere Aufgaben sind im Grunde nicht viel anders als zu Zeiten des Verkehrsvereins.

Allerdings hört sich Greven Marketing auch ein bisschen gekünstelt an . . .

Hamelmann: Ja, das ist eben ein mehr technischer Begriff der klar machen soll, dass ein großer Schwerpunkt auch auf der Innenstadt liegt und nicht nur auf dem Thema Heimatpflege und Tourismus. Aber das sind natürlich auch Bausteine.

Was macht der Chef von Greven Marketing eigentlich den ganzen Tag?

Hamelmann: Das ist eine sehr vielfältige Aufgabe. Der Tourismus ist nach wie vor ein Thema, besonders die konzeptionelle Entwicklung. Dann ist da das Thema Stadtinformationen. Da müssen Broschüren herausgegeben werden, Infotafeln und Plakathalter werden bestückt. Unsere Aufgabe ist auch die Werbung für Veranstaltungen. Und ein ganz besonders großer Baustein sind die Veranstaltungen wie Stadtfeste und Greven an die Ems. Das alles muss organisiert werden.

Sie sind Veranstalter der vier Stadtfeste an einem verkaufsoffenen Sonntag. Wieso ist das in Greven möglich, in vielen anderen Städten aber gerichtlich verboten?

Hamelmann: Bei uns haben die Stadtfeste eine sehr lange Tradition. Sie haben ein Programm. Und wir konnten auch deutlich machen, dass das Konzept dieser Sonntage deutlich über die reine Öffnung der Geschäfte hinaus geht. Und wir konnten auch anhand von Befragungen und Zählungen nachweisen, dass die Leute hauptsächlich aufgrund des Programms an diesen Sonntagen in die Stadt kommen und nicht nur wegen der Öffnung der Geschäfte. Das eine ergänzt dabei das andere.

Wie kann man das mit Zählungen nachweisen?

Hamelmann: Indem man die Zahl der Innenstadtbesucher an einem Samstagvormittag mit denen an einen verkaufsoffenen Sonntag vergleicht. An diesen Sonntagen kommt ein Mehrfaches an Besuchern in die Stadt, was dann mit den zusätzlichen Anreizen, dem gebotenen Programm zusammenhängt. Das ist ein ganz starker Magnet.

Am Sonntag ist Frühlingsfest angesagt. Früher war da mal der Marktplatz mit Rollrasen ausgelegt, dort standen bunte Blumen, es sah eben nach Frühling aus. Davon ist nichts mehr zu sehen. Warum?

Hamelmann: Da hatten wir einfach irgendwann auch finanzielle Restriktionen. Wir wollten dieses Frühlingsfest in den ersten Jahren anschieben, hatten Sponsorengelder, mit denen wir den grünen Marktplatz finanzieren konnten. Der Landschaftsbaubetrieb hat das in den ersten Jahren sehr günstig gemacht, hat sich Werbung für sein Unternehmen versprochen. Aber das konnte er auf Dauer nicht so leisten, das war jedes Mal ein Riesenaufwand. Wir haben andere Schwerpunkte wie zum Beispiel die Autoschau und den Flohmarkt in der Alten Münsterstraße gesetzt.

Die Stadtfeste gibt es ja seit über 40 Jahren in Greven. Gehen einem da nicht irgendwann die Ideen aus?

Hamelmann: Nein, die Ideen gehen uns nicht aus. Man muss natürlich kreativ sein, wenn man die finanziellen Ressourcen sieht. Aber es gibt immer wieder Neues, zum Beispiel „Greven malt bunt“ beim Maifest. Es wird da nichts gänzlich Neues erfunden. Das sind immer wieder neue Angebote, die sich dann weiter entwickeln.

Wie wichtig sind solche Stadtfeste für eine Stadt?

Hamelmann: Äußerst wichtig. Stadtfeste bieten die Möglichkeit die Trümpfe, die eine Stadt hat, nach außen darzustellen. Wir führen die Leute in den Rundlauf, zeigen, wie schön der Marktplatz, der Niederort jetzt aussehen. Natürlich wird das aktive Vereinsleben in der Stadt in den Fokus gesetzt. Man muss einen Anreiz schaffen, auch für Leute aus den Nachbarstädten, nach Greven reinzukommen, denen zeigen was hier geboten wird, damit sie dann auch abseits der Veranstaltungen in die Stadt kommen.

Aber wird das nicht immer schwieriger? Jedes Kuhdorf veranstaltet doch solche Dorf- oder Stadtfeste.

Hamelmann: Im Gegenteil, unsere Statistiken weisen aus, dass die Zahlen eher ansteigen. Die Stadtfeste mit ihrem Programm und die Geschäftsöffnung sind nach wie vor eine Attraktion.

Welchen finanziellen Stellenwert haben Stadtfeste bei den Einzelhändlern?

Hamelmann: Einen sehr hohen. Das sieht man allein an der Beteiligung des Einzelhandels. Da gibt es fast keinen, der nicht mitmacht. Und es geht auch nicht nur um die Einnahmen an diesen Tagen. Das ist eine Schaufensterveranstaltung, die Einzelhändler können ihr Angebot präsentieren in der Erwartung, dass über den Tag hinaus eine positive Wirkung erzielt wird, die Menschen auch an anderen Tagen wieder kommen.

Wie werden die Stadtfeste eigentlich finanziert?

Hamelmann: Wir haben Sponsoren, wir erlösen Standgebühren von den Ausstellern, die Imbissstände zahlen Gebühren, die Werbegemeinschaft beteiligt sich auch finanziell. Und natürlich sind wir selbst mit unserem Budget über den städtischen Zuschuss an Greven Marketing beteiligt.

Neben den Stadtfesten betreuen und organisieren Sie viele andere Veranstaltungen wie Greven an die Ems, wie Weihnachtsmärkte oder Kreativmärkte in Gimbte oder im Ballenlager. Ist das personell noch zu leisten?

Hamelmann: Das ist sehr auf Kante genäht. Die Entwicklung unseres Budgets hält nicht unbedingt Schritt mit den Aufgaben, die wir haben. Wir müssen da sehr effizient an die Organisation von Veranstaltungen herangehen. Da muss man den Mitarbeitern leider sehr viel zumuten. Wir stoßen häufiger an Grenzen. Und da stellt sich für die ein oder andere Veranstaltung die Existenzfrage, weil wir das personell und finanziell nicht mehr stemmen können.

Ganz aktuell wird über das Thema Urheberrechte diskutiert. Auch Sie müssen sich mit den Ansprüchen von Urheberechtsvertretern beschäftigen. Wie kommen Sie mit der Gema klar?

Hamelmann: Das ist nicht immer einfach, man muss genau schauen, wie Veranstaltungen strukturiert sind. Da muss man Rücksicht auf die Gema-Tarifbedingungen nehmen. Ein straßenfüllendes Musikprogramm über zwei Tage ist aufgrund der Gema-Gebühren absolut nicht finanzierbar. Wir haben sogar schon auf eine Laufkapelle verzichtet, weil die Gema-Kosten sehr hoch sind. Die Gema-Gebühr ist manchmal höher als die Gage. Vieles ist Auslegungssache, da haben wir schon einige Schriftwechsel mit der Gema gehabt. Die Gebühren gegen teilweise ans Eingemachte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6505047?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Nachrichten-Ticker