ADAC-Luftrettung
Ärger um nächtliche Trainingsflüge

Westerkappeln/Greven -

Die nächtlichen Übungsflüge des ADAC-Rettungshubschraubers „Christoph Westfalen“ im Bereich des Segelflugplatzes Achmer/Seeste werden kein Nachspiel haben. Und das ist im doppelten Sinne gemeint. Eine Wiederholung, wie angekündigt, wird es nicht geben, weil es für das Training offenbar keine Genehmigung gab. Rechtliche Konsequenzen sind aber deshalb wohl nicht zu erwarten.

Samstag, 30.03.2019, 11:29 Uhr

Anfang März hatten Piloten des in Greven stationierten ADAC-Rettungshubschraubers auf dem Flugplatz Anflüge in unbekanntem Terrain bei Dunkelheit und unter Einsatz von speziellen Nachtsichtbrillen geübt. Für April und Mai hatte Jochen Oesterle , Pressesprecher der ADAC-Luftrettung, gegenüber den WN weitere Trainingseinheiten angekündigt.

Der Segelflugplatz liegt in der DBU-Naturerbefläche „Wersener Heide“, zu der wiederum das besonders geschützte FFH-Gebiet „Vogelpohl“ gehört. „Die sind da nachts mit grellem Scheinwerferlicht drüber geflogen, obwohl die Brutzeit schon begonnen hat. So geht das nicht“, ärgert sich Bundesförster Rainer Schmidt , der die „Wersener Heide“ im Auftrag der DBU Naturerbe GmbH – eine Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt – betreut. Die DBU als Eigentümerin habe keine Erlaubnis erteilt.

Bundesförster Rainer Schmidt war über die ADAC-Übungsflüge nicht informiert.

Bundesförster Rainer Schmidt war über die ADAC-Übungsflüge nicht informiert. Foto: Bundesforst Rhein-Weser

Offenbar gab es gewaltige Kommunikationsstörungen. Oesterle erklärt auf Anfrage schriftlich, dass die ADAC-Luftrettung im Vorfeld der Flüge eine luftrechtliche Erlaubnis der jeweils zuständigen Luftfahrtbehörden zum Unterschreiten der Sicherheitsmindesthöhe und für die Anflüge eingeholt habe.

Zuständig ist die Bezirksregierung in Münster. „Wir waren informiert“, bestätigt Behördensprecherin Ulla Lütkehermölle. Solche Manöver seien durch eine Allgemeinerlaubnis auch gedeckt. „Das bedeutet aber nicht, dass damit Übungsflüge im Naturschutzgebiet genehmigt waren.“ Zuständig dafür sei die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Steinfurt.

Dieser ist durch vertragliche Vereinbarungen mit dem ADAC Träger des Luftrettungsdienstes. In den regelmäßigen Gesprächen mit dem ADAC sei der Kreis darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die Hubschrauber für nicht erkundetes Gelände nachttauglich gemacht und die Piloten dafür ausgebildet werden sollen, berichtet Helmut Heuing, Leiter des Kreisordnungsamtes. Über das Wo wurde aber anscheinend nicht gesprochen. „Die Flugaufsicht liegt bei der Bezirksregierung“, schießt Heuing den Ball zurück nach Münster.

Jochen Oesterle verweist darauf, „dass wir zusätzlich vorab die Zustimmung des Platzbetreibers eingeholt haben.“ Dieser habe seine Genehmigung der ADAC-Luftrettung gegenüber am 9. März widerrufen.

Platzbetreiber ist der Osnabrücker Verein für Luftfahrt (OVFL). Von einer Genehmigung weiß Dr. Joachim Jeska, seit vier Wochen Vorsitzender, allerdings nichts. „Wir haben das an die DBU weitergeleitet.“

Die ADAC-Luftrettung habe eine Entscheidung gar nicht abgewartet, sondern sei einfach losgeflogen, erklärt Revierleiter Schmidt. Nachdem der OVFL seine Genehmigung – Oesterle bleibt dabei – am 9. März zurückgezogen habe, seien die Trainingsflüge sofort eingestellt worden.

„Bis auf Weiteres werden dort keine nächtlichen Anflüge mehr stattfinden“, kündigt Schmidt an und meint damit wohl nie mehr. Den Übungsflugbetrieb einstellen wird die ADAC-Luftrettung deshalb nicht. Weitere Trainingseinheiten seien geplant, der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, erklärt Oesterle.

Schmidt empfiehlt dem ADAC den früher von den Heeresfliegern genutzten Flugplatz in Rheine-Bentlage als Alternative: „Da kann man so etwas machen. Es gibt die gleichen Bedingungen wie hier, aber das Gelände ist aus naturschutzfachlicher Sicht nicht so sensibel.“

Dass die DBU dem OVFL die Fliegerei über der „Wersener Heide“ gestattet, liegt daran, dass der mit Segelflugzeugen in die Luft geht. „Wir haben nur eine motorisierte Maschine zum Anschleppen“, sagt Jeska. Dem Verein sei es sehr wichtig, „die Fliegerei und den Naturschutz in Einklang zu bringen.“

Einig sind sich alle Beteiligten, dass der ADAC-Rettungshubschrauber auch nachts fliegen soll und dies trainieren muss. Es gehe um die Verbesserung des öffentlichen Rettungsdienstes in der Region, stellt Osterle dazu fest. „Auch in der Dunkelheit soll Bürgern, die sich durch eine akute Erkrankung oder einen Unfall in einer Gefahr für Leib und Leben befinden, schnell qualifizierte Hilfe zuteil werden. Ohne ausreichende Übung der Piloten sind solche Einsätze nicht möglich.“

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