Roland Böckmanns letzter Hilfstransport nach Polen
„Irgendwann reicht es auch“

Reckenfeld -

Für Roland Böckmann war es das letzte Mal. Er hat seine allerletzte Tour nach Polen absolviert, um Sach- und Geldspenden aus Greven und Reckenfeld zu Schwester Bertrada zu bringen.

Sonntag, 14.04.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 14.04.2019, 15:30 Uhr
Roland Böckmann hat seine allerletzte Tour nach Polen absolviert. Künftig wird er keine Kisten mehr schleppen. Die Hilfe aber soll weitergehen, er will zweimal jährlich Geldspenden einsammeln.
Roland Böckmann hat seine allerletzte Tour nach Polen absolviert. Künftig wird er keine Kisten mehr schleppen. Die Hilfe aber soll weitergehen, er will zweimal jährlich Geldspenden einsammeln. Foto: Oliver Hengst

Tränen – nein, die hat es nicht gegeben. Aber eine herzliche Umarmung natürlich. „Ich bin ja der einzige Mann, den sie gedrückt hat“, sagt Roland Böckmann . Er war kürzlich wieder in Polen, um Sach- und Geldspenden zu Schwester Bertrada zu bringen. Zum letzten Mal. Eine fast 40 Jahre währende Kooperation – sie endet nun. Na ja, fast. Denn Geldspenden will Böckmann auch weiter zusammentragen. Aber eben keine Hilfstransporte mehr organisieren, keine Kartons und Säcke mehr entgegen nehmen, keinen Lkw und Beifahrer mehr organisieren müssen. Auf der letzten Fahrt begleitete ihn übrigens Ulrich Habekost , der erstmals als Fahrer fungierte.

Die Franziskaner-Schwester Bertrada wusste vor dieser Fahrt noch nicht, dass es die letzte Begegnung mit Böckmann werden würde. Der Reckenfelder teilte ihr seinen Entschluss vor Ort mit. „Sie sagte sofort: Ich habe Verständnis dafür“, berichtet Böckmann. Ganz überraschend kam das für die Ordensschwester offenbar nicht. Sie selbst ist 90 Jahre alt, Böckmann 85. „Deshalb war sie sofort einverstanden. Wahrscheinlich hat sie selbst auch schon darüber nachgedacht.“

Bevor die Spenden (vor allem Kleidung und medizinische Hilfsmittel wie Rollstühle) überreicht werden konnten, brachten Böckmann und Habekost eine nächtliche Irrfahrt hinter sich, aus logistischen Gründen fuhren sie einen großen Umweg. Außerplanmäßig kamen sie daher erst am Sonntagmorgen an ihrem Ziel an, dass sonst immer am Samstagabend erreicht war.

Strapazen, die sich Böckmann künftig ersparen wird. Er zieht im Sommer in eine kleinere Wohnung um und hat dann auch keine Lagerkapazitäten mehr. „Irgendwann reicht es auch“, sagt er, äußerlich gelassen, doch man sieht: Es fällt ihm nicht leicht, sich von diesem Projekt zu trennen, das 1981 seinen Anfang nahm.

„Ich habe nie geklagt“, sagt er. Nicht als die Fahrten bedingt durch das damalige Kriegsrecht viel komplizierter waren als im heutigen Europa der freien Grenzen. Nicht als Eis und Schnee den Transport zur Tortur machten. Nicht als Fahrzeugdefekte, fehlende Dokumente, Polizeikontrollen und Sorgen über Autobahngebühren die Transporte erschwerten. „Alles eine Willensfrage“, sagt Böckmann dann stets.

Nun aber weicht der Willen der Einsicht, dass es vernünftiger ist, das Kapitel zu beenden. Auch wenn es schwer fällt. Aber die Tränen – die verkneift er sich.

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