Ausprobiert: Beim Kampfsport-Training
„Kickboxen ist ein Balanceakt“

Greven -

Wir laufen. Und das schon eine ganze Weile. Immer im Kreis und durch die Halle – ganz ausfüllen – wie der Trainer sagt. Aber wie soll ich noch weiter am Rand laufen, dabei mit meinen Händen Deckung halten und immer dann, wenn Trainer Freddy „Hep!“ ruft, einen Jap, dann eine Hook und schließlich einen Roundhousekick ausführen?

Donnerstag, 25.04.2019, 11:20 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 16:38 Uhr
Hoch das Bein. Beim Training geht es richtig zur Sache. Die Anstrengung lohnt sich allerdings und sorgt für eine Portion Selbstvertrauen.
Hoch das Bein. Beim Training geht es richtig zur Sache. Die Anstrengung lohnt sich allerdings und sorgt für eine Portion Selbstvertrauen. Foto: Hannah Schrand

Ich bin heute beim Kickboxkurs im Impuls Fitness- und Gesundheitspark an der Heinrich-Hertz-Straße. Obwohl das Fitnessstudio mehr für sein Sportprogramm im Rehabereich bekannt ist, werden auch andere Kurse angeboten: Kickboxen, Zumba und Pilates. Und im eigens dafür hergerichteten Raum Spinning, Tanzen und HIT-Training.

Die letzten Sprints durch die Halle sind vorüber, alle holen sich Stepper und Hanteln und reihen sich damit vor dem Trainer auf. Warum wir die Techniken auf einem Stepper ausführen, wird mir Ferudun Ciftci, kurz Freddy, später erklären: „Kickboxen ist ein Balanceakt.“ Es werden nicht umsonst Kinder mit Gleichgewichtsstörungen von Ärzten zu ihm geschickt, um ihre Balance zu finden. Ausgerechnet beim Boxen.

Und nicht nur Kindern mit Gleichgewichtsstörungen wird der Kickboxsport verschrieben, auch solche, die an Angststörungen oder an einem geringen Selbstbewusstsein leiden, kommen zu Ferudun Ciftci. „Wenn man diese Sportart richtig beherrscht, bringt einem das weitaus mehr als nur die Sportlichkeit“, so Ciftci.

Kampfsport ist Gehirnarbeit. Körperbeherrschung, Disziplin und Respekt müssen gegeben sein.

Zwischen den verschiedenen Übungen, die die Techniken der richtigen Fußtritte und Faustschläge trainieren, gibt es auch Krafteinheiten, wie Situps auf dem Stepper. Und Liegestütze, wenn man von diesem herunterfällt.

Und dann, nach einer guten Dreiviertelstunde Schwitzen, geht es zur eigentlichen Trainingseinheit: dem Boxen. Immer zwei gegeneinander, im ganzen Raum verteilt und mit Boxhandschuhen ausgestattet, treten die Gegner an.

Anders als ich dachte, gibt es keine blauen Flecken, auch nicht am Tag danach. Trainer Freddy meint: „Beim Fußball habe ich mich mehr verletzt als beim Kampfsport.“

Danach geht es zur letzten Einheit: der Selbstverteidigung. Wir stehen alle in einem Kreis, der Trainer erklärt die Schritte, und dann geht es los: ich trete gegen einen circa 1,80 Meter großen Mann an. Mit meinen nicht mal 1,60 Metern und einer Gestalt, die einer noch nicht ganz ausgewachsenen Zwölfjährigen ähnelt, natürlich nichts leichter als das.

Und dann doch, nach ersten Verwirrungen bei der Koordination der Abläufe konnte ich Freddy in den Schwitzkasten nehmen und ihn durch den Druck meiner Arme in die Knie zwingen. Ein toller Moment.

Noch immer wird der Kampfsport in den Medien stigmatisiert, man denkt an Brutalität und blaue Flecke. Mir hat das Kickboxen an diesem Abend viel mehr gegeben – tatsächlich fühle ich mich nach dem Training mit Freddy selbstbewusster. Irgendwie stärker, wenn auch ziemlich müde. . .

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