Stellungnahme der „Energielenker Beratungs GmbH“ zum Grevener Emsauen-Energie-Projekt
Naturschutz trotz Erdwärme-Anlage

Greven -

Die „Energielenker Beratungs GmbH“, die im Auftrag der Stadt das Machbarkeitsgutachten für das Energieprojekt in der Emsaue erstellt und kann die Kritik des BUND an dem Projekt nicht verstehen.

Freitag, 26.04.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 23:14 Uhr
Ems mit dem Feld für die mögliche Energiegewinnung und -Renaturierung, gegen die der BUND nach der Genehmigung durch das Regierungspräsidium Klage eingelegt hat.
Ems mit dem Feld für die mögliche Energiegewinnung und -Renaturierung, gegen die der BUND nach der Genehmigung durch das Regierungspräsidium Klage eingelegt hat. Foto: Günter Benning

Tobias Dollberg ist Grevener und Geschäftsführer der „Energielenker Beratungs GmbH “, die im Auftrag der Stadt das Machbarkeitsgutachten für das Energieprojekt in der Emsaue erstellt hat. „Als Grevener Bürger wollte ich natürlich auch nicht, dass die Emsauen Schaden durch dieses Versorgungskonzept nehmen“, sagt er in einer Stellungnahme zu den aktuellen Vorwürfen des Naturschutzbundes BUND . „Ich sehe in dem Emsauen-Projekt ein hohes Potenzial im Bereich des Klimaschutzes.“ Dollberg nimmt in einem Schreiben Stellung zu vier Kritikpunkten der Umweltschützer.

 Kritikpunkt 1: Nachträgliche Schäden an den Kollektoren werden nicht bedacht

Erdwärmekollektoren überzeugten durch robuste Beständigkeit und eine sehr hohe Lebenserwartung. Dennoch habe sich die „Energielenker Beratungs GmbH“ im Vorfeld mit dem Fall des Auftretens von Leckagen beschäftigt. Zum ersten werde Wasser als Wärmeträgermedium eingesetzt. Dies sei bei solchen Projekten eher unüblich, weil normalerweise als Trägermedium eine Sole eingesetzt werde, deren Gefrierpunkt unterhalb dem des Wassers liege.

Aufgrund der besonderen Anforderungen des Naturschutzes aber auch der Rahmenbedingungen innerhalb der Projektumgebung könne Wasser als ungefährliches Trägermedium verwendet werden. Ebenso relevant in dieser Sache sei auch, dass das geplante System es zulasse, Leckagen von zentraler Stelle zu lokalisieren und den betroffenen Kollektorenbereich außer Betrieb zu setzen, ohne die Funktionsfähigkeit der Wärmeversorgung zu beeinträchtigen. Leckagen können dann zu gegebener Zeit und unter Absprache mit den Umweltverbänden behoben werden.

Kritikpunkt 2: Der Stadt Greven geht es nur ums Geld.

Bei dem Emsauen-Energieprojekt handele es sich, so die Agentur, um ein Leuchtturmprojekt im Bereich des Klimaschutzes. Um solche Projekte umzusetzen, bedürfe es selbstverständlich eines hohen Budgets. Ohne die Förderung des Landes NRW könne die Stadt Greven das Projekt nicht zur Umsetzung bringen. Aus diesem Grund habe die Stadt hohes Interesse an der Förderung – schließlich sehe sie in dem Energieprojekt die Chance, eine Vorbildfunktion im Bereich des Klimaschutzes einzunehmen.

Kritikpunkt 3: Das Energieprojekt ist nicht effizient.

Das Grundwasser in den Emsauen stelle ganzjährig Temperaturen von neun bis zwölf Grad zur Verfügung. Diese Temperaturen realisierten, so die Stellungnahme, in Kombination mit Wärmepumpe und Heizkessel Netztemperaturen von bis zu 70 Grad, die eine Versorgung der Bestandsgebäude in effizienter Art und Weise ermöglichten. Die Wärmepumpen und die Heizkessel seien somit darauf ausgelegt, die erforderlichen Temperaturen und Wärmemengen bereitzustellen. Die geringere Entzugsleistung durch den Einsatz von Wasser als Trägermedium sei hierbei bereits berücksichtigt. Zu betonen sei, dass durch das gesamte Projekt, also sowohl die Erdwärmekollektoren als auch die Sanierung des Rathauses, eine Einsparung von 80 Prozent der CO-Emissionen erzielt werden könne. Das Kollektorfeld mache dabei 65 Prozent aus.

Kritikpunkt 4: Bei einer vernünftigen Planung hätte es Alternativen gegeben

Der Projektaufruf Kommunaler Klimaschutz NRW richte sich, so die Agentur, an besondere Innovationsvorhaben, die einen wesentlichen Beitrag zur CO-Einsparung leisten sollten. Das Emsauen-Energieprojekt erfülle diese Voraussetzung durch seine Charakterisierung als Leuchtturmprojekt im Klimaschutz.

Während der Ideensammlung seien selbstverständlich auch Alternativen durchgesprochen und berücksichtigt worden. Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung sei aber diese Projektumgebung als die Alternative mit dem höchsten Potenzial identifiziert worden. Dies sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass nicht nur der Klimaschutz, sondern auch der Naturschutz in Einklang gebracht werden könne.

Dadurch, dass die Umsetzung im Rahmen der Renaturierung der Emsauen stattfinden könne und spätere Eingriffe in das Schutzgebiet unwahrscheinlich und unter geringem Aufwand durchgeführt werden könnten, sehe die Energielenker Beratungs GmbH in dem Projekt die Chance, eine Vorbildfunktion für andere Kommunen einzunehmen. Der Klimaschutz benötige große Schritte und die Stadt Greven sei dazu bereit.

Das Beratungsunternehmen wie auch die Stadt Greven, so Dollberg in seinem Schreiben, verstünden die Bedenken des BUND und hofften, diese bei einem Gespräch aus dem Weg räumen zu können. Hauptziel des Projektes sei das Vorantreiben des Klimaschutzes in der Stadt – ein Aspekt, der allen Parteien am Herzen liegt.

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