Gabi Heinrich freut sich auf den internationalen Volkswandertag
„Ich wandere seit meiner Jugend“

Greven -

Gabi Heinrich (64) war jahrzehntelang Hauptschullehrerin. Das Wandern war für sie immer eine tolle Möglichkeit, abzuschalten. Seit diesem Jahr ist sie Vorsitzende des Grevener Wandervereins. Vor dem internationalen Wandertag am Sonntag sprach mit ihr unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Freitag, 26.04.2019, 15:18 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 23:15 Uhr
Gabi Heinrich (l.) ist die neue Vorsitzende des Wandervereins Greven. Ludger Trapp bereitet die Touren vor, Brigitte Haas ist die 2. Vorsitzende.
Gabi Heinrich (l.) ist die neue Vorsitzende des Wandervereins Greven. Ludger Trapp bereitet die Touren vor, Brigitte Haas ist die 2. Vorsitzende. Foto: Günter Benning

Wie lange wandern Sie schon?

Heinrich : Seit meiner Jugend. Ich bin mit der Familie gewandert, mit Freunden, mit Kolleginnen. Seit 1990 auch im Wanderverein.

Eigentlich ist Wander doch eine individuelle Sache. Die deutschen Romantiker träumten beim Wandern gern vor sich hin. Das Wandern im Verein ist da anders?

Heinrich: Das ist etwas für Menschen, die Geselligkeit lieben. Aber man muss auch nicht mit den anderen sprechen. Manchmal lasse ich mich zurückfallen, sondere mich von den anderen ab und genieße die Natur in aller Ruhe. Ich halte Blick- und Rufkontakt – das funktioniert.

Wer wandert, erlebt die Welt anders...

Heinrich: Ja, man nimmt Gerüche und Geräusche wahr, die ganzen Pflanzen. Das sauge ich in mich auf. Es tut einfach gut, alle diese Eindrücke aufzunehmen – gerade jetzt im Frühjahr ist das traumhaft.

Ich hab‘s mit den Füßen. Wie lange halten Sie denn beim Wandern durch?

Heinrich: Manche im Verein bevorzugen die Sechser- oder Fünferstrecke. Mein Mann und ich, wir gehen die 20-Kilometer-Strecke. Unsere Aufenthalte mit dem Bus sind so angelegt, dass jeder die 20er-Strecke laufen kann. Also fünf Stunden. Wir waren kürzlich in der Nähe von Roermond, da sollte die Strecke 25 Kilometer sein, am Ende waren es 28.

Das merkt man?

Heinrich: Das merkt man. Und wenn ich dann sehe, dass nach 25 Kilometern das Ziel bei weitem nicht erreicht ist, dann werde ich knatschig.

Ihnen passiert sowas nicht?

Heinrich: Wenn ich mit dem Verein Wanderfahrten organisiere, dann laufe ich vorher die Strecken ab. Teilweise plane ich sie schon Zuhause mit einem Programm. Aber teilweise gibt es die Wege gar nicht mehr, die dort angegeben sind. Da sind wir auch schon im Gestrüpp gelandet. Ich laufe die geplante Tour ab, zeichne sie aber auf, um Fehler zu korrigieren.

Toll, was man heute mit der Technik machen kann?

Heinrich: Ja, aber ich habe immer noch meine Karte dabei. Ich liebe Karten, ich war ja auch Erdkundelehrerin. Meine Karten sind an den Ecken geknickt und zerfetzt, aber sie müssen immer dabei sein. Sicher ist sicher.

Als Wanderer geht man über Stock und Stein. Obwohl manche moderne Menschen die Grenzüberschreitungen nicht mögen. Darf man des Bauern Wiese nutzen, wenn der Weg nicht weitergeht?

Heinrich: Na ja, wenn er nicht zu sehen ist und da kein Schild hängt.

Können Sie Kompass?

Heinrich: Das hab ich mal gelernt, aber ich kann es nicht mehr. Ich interessiere mich für die neuere Technik.

Es gibt heutzutage eine neue Wanderkultur. Wie finden Sie die Teuto-Schleifen, die Premium-Wanderwege?

Heinrich: Die sind sehr schön, aber natürlich sind sie am Wochenende überlaufen. Da muss man während der Woche hergehen. Leider gibt es Premiumwege nicht in allen Regionen.

Gibt es einen Trend zum Wandern?

Heinrich: Auf jeden Fall. Vor allem bei den Holländern. Es sind sehr viele Leute unterwegs. Aber wir haben nach wie vor Nachwuchsprobleme im Verein. Junge Leute schließen sich uns nicht an. Wenn wir Neue bekommen, dann Leute Anfang der 60er, Leute, die in Rente gehen.

Aber junge Leute sieht man sehr oft auf den Wanderwegen.

Heinrich: Ja, das sind dann Individualwanderer. Die gehen in kleinen Grüppchen, haben aber keinen Sinn für den Verein.

Vielleicht gibt es auch lebenszeitliche Entwicklung. Und das Vereinswandern kommt später?

Heinrich: Kann sein, im Rentenalter finden die Leute zu uns. Mancher ist da verwitwet und würde alleine nicht losmarschieren. Die sagen: Ich laufe gerne, aber nicht vier, fünf Stunden alleine durch die Landschaft.

Wie viele Mitglieder hat ihr Verein?

Heinrich: 83. Das ist noch ganz gut. Beim Wandertag erwarten wir über 1000 Besucher. Dieses Mal haben sich schon sechs Busse angekündigt. Bei den Grevenern weiß man oft nicht, ob sie kommen. Das hängt vom Wetter ab – die richtigen IVV-Wanderer, die interessiert das ja gar nicht. Die haben die richtige Kleidung dabei.

Greven ist mit Wanderwegen nicht perfekt ausgestattet. Was kann man ändern?

Heinrich: Traumhaft wäre es, wenn wir eine Brücke von den Püppkesbergen nach Reckenfeld hätten. Dann könnte man über den Emsdeich und diese Brücke gehen. Die hätten wir schon seit Jahrzehnten gerne.

Da müsste der THW mal was bauen?

Heinrich: Ja, irgendwann ist für unseren Wandertag mal eine Pontonbrücke über die Ems gelegt worden.

Zum Thema

Der internationale Volkswandertag findet am Sonntag statt. Treffpunkt ist von 7.30 bis 12.30 Uhr die Mensa der Gesamtschule, Wöstenstr. 36. Der Wanderverein bietet drei unterschiedlich lange Routen an, für Verpflegung ist gesorgt. Zielschluss ist 16.30 Uhr. www.wanderfreunde-greven.de

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