Wahlrecht für Menschen mit Betreuung
Maik Lorenz darf bei der Europawahl wählen gehen

Greven -

Maik Lorenz darf bei der Eurowahl am 26. Mai zum ersten Mal seine Stimme abgeben. Der 29-Jährige ist geistig behindert.

Sonntag, 28.04.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 28.04.2019, 12:32 Uhr
Maik Lorenz, Mitarbeiter der Ledder Werkstätten (l.), darf bei der Europawahl zum ersten Mal wählen gehen. Sein Betreuer Stefan Brockmeyer (r.) hat ihm bereits Infomaterial in leichter Sprache beschafft.
Maik Lorenz, Mitarbeiter der Ledder Werkstätten (l.), darf bei der Europawahl zum ersten Mal wählen gehen. Sein Betreuer Stefan Brockmeyer (r.) hat ihm bereits Infomaterial in leichter Sprache beschafft. Foto: Günter Benning

Maik Lorenz kommt gerade von der Arbeit in der Schreinerei. Er legt sein Handy auf den Konferenztisch der Geschäftsstelle der Lebenshilfe im GBS-Kulturzentrum und wirkt tiefenentspannt. Dabei geht es heute um ein Thema, das nicht nur ihn, sondern rund 80 000 andere Deutsche betrifft, die eine gesetzliche Betreuung haben. Maik Lorenz darf bei der Eurowahl zum ersten Mal seine Stimme abgeben. „Na“, sagt er, „ich weiß noch nicht, ob ich dahin gehe.“

Der 29-Jährige ist geistig behindert. Er spricht sehr langsam. Komplizierte Worte versteht er nicht. Seine Antworten auf Fragen sind einfach gestrickt.

Arbeit in der Schreinerei

Er hat einen Job bei den Ledder Werkstätten. Früher hat er mit Bienenwachs gearbeitet, aber das war nichts für ihn. „Da musste man zu lange warten“, sagt er.

Jetzt ist er in der Schreinerei, wo Paletten für einen Saerbecker Großbetrieb zusammengeschraubt werden. Er wohnt in seiner eigenen Wohnung und verwaltet sein Haushaltsgeld selbst. Aber trotzdem hat er einen gesetzlichen Betreuer. Und in seinem Pass steht ein „H“. Für „hilflose Person“.

Betreuer von der Lebenshilfe

Stefan Brockmeyer ist sein Betreuer von der Lebenshilfe. Der kreisweit tätige Verein kümmert sich derzeit um 44 Bewohner in Außenwohngruppen, 37 von ihnen brauchen eine Betreuung in allen Angelegenheiten.

Bei den Wahlen mussten sie bisher draußen bleiben – außer bei der NRW-Landtagswahl. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht angeordnet, dass auch Betreute ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen dürfen.

Anmeldung im Wahlamt

Maik Lorenz muss dafür ins Wahlamt gehen, um sich in die Wählerliste der Stadt Greven eintragen zu lassen. Das gilt auch für andere Wähler, die aus verschiedenen Gründen keine schriftliche Wahlbenachrichtigung erhalten haben. Dann kann er entweder direkt vor Ort, per Brief oder am Wahltag seine Stimme abgeben.

Klar, dass das nicht einfach ist. Maik Lorenz kann nicht zusammenhängend lesen. Er wäre von der Vielzahl von Möglichkeiten auf dem Wahlzettel sicher überfordert. „Da muss dann vielleicht der Wahlhelfer die Liste vorlesen“, meint Betreuer Brockmeyer.

Wahlprogramme in einfacher Sprache

Er jedenfalls hat sich schon einiges einfallen lassen, um Maik Lorenz auf die Wahl vorzubereiten. Von den meisten Parteien gebe es nämlich Wahlprogramme in einfacher Sprache.

Darin wird Politik so schlicht erklärt, dass man es direkt den Briten zu lesen geben sollte. Beispiel über die Aufgaben der EU aus dem Wahlprogramm der CDU: „Die Europäische Union passt auf die Umwelt auf. Das heißt: Die Europäische Union macht Regeln für saubere Luft und sauberen Boden. Die Europäische Union passt auf den Euro auf. Damit wir von unserem Geld viel kaufen können. Die Europäische Union hilft armen Ländern. Damit es den Menschen dort besser geht.“

Sprechen über Europa

Möglicherweise ist Maik Lorenz aber auch damit überfordert. „Ich gucke nie Nachrichten“, sagt er. Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, sieht er am liebsten Krimiserien. Oder er spielt mit der Playstation Fußball.

Aber neulich hat er mit Stefan Brockmeyer über Europa gesprochen. Er fährt nämlich mit der Aida nach Norwegen. Dieses Land gehört eben nicht zu europäischen Union. Und an der Grenze muss man sich erst mal ausweisen.

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