Ein Besuch bei dem Orthopädieschuhmacher Markus Nobbe
Flip-Flops können gesund sein

Greven -

Einen Schuh in der Hand und einen am Fuß betrachtet eine Kundin ihre Auswahl. „Die für den Frühling sollten schon etwas leichter sein“, sagt sie. Im orangegestrichenen Verkaufsraum von Nobbe sportiv am „Völkerball-Kreisel“ befindet sich eine große Auswahl an Fußwerk: Flip-Flops, Sportschuhe, Arbeitsschuhe, Wanderschuhe und leichte Frühlingsschuhe.

Dienstag, 14.05.2019, 20:41 Uhr aktualisiert: 16.05.2019, 15:59 Uhr
Markus Nobbe fertigt einen maßgeschneiderten Schuh.
Markus Nobbe fertigt einen maßgeschneiderten Schuh. Foto: Felicia Klinger

Alle ordentlich nebeneinander aufgereiht. Da findet sich bestimmt etwas Passendes und was nicht passt, wird passend gemacht – von Orthopädieschuhmachermeister Markus Nobbe oder einem seiner Mitarbeiter.

„Wir machen von austauschbaren Einlagen bis hin zu kompletten Sonderfertigungen alles“, sagt Nobbe und führt in einen kleinen Raum im hinteren Teil des Ladens.

Es riecht nach Kunststoff und Leder. „Unsere Werkstatt“, sagt der drahtige Schuhmacher. In den Regalen liegen Schuhsohlen en masse, auf einer Ablage stehen Leisten und in kleinen Boxen befinden sich Nägel, Faden und Pelotten. Pelotten sind die kleinen ballenförmigen Polster, die auf den Einlagen Druck auf den Fuß ausüben und ihn so formen.

Hinter einer Glastür werden die Einlagen mit den geklebten Pelotten darauf geschleift. „Wo wir die platzieren, ermitteln wir mit Hilfe eines Scanners, der uns genaue Bilder von den Füßen liefert“, erklärt Markus Nobbe. Das Gerät ähnelt einem Kopierer im Büro. Nur, dass nicht Papier auf die Scheibe kommt, sondern Füße.

„Für so eine Einlage brauchen wir mit allem drum und dran etwa eine Stunde“, sagt der Orthopädieschuhmachermeister, „für einen ganzen maßgefertigten Schuh deutlich länger.“ Auf dem Werktisch liegen die Schaftteile eines schwarz-roten Freizeitschuhes. „Die einzelnen Nähte und Ösen machen wir alle selbst“, so Nobbe, „da gehört dann viel handwerkliches Geschick dazu.“ Zukünftig werde vermutlich auch der 3D-Druck zunehmen und nach den digitalen Daten der Scans, die Einlagen drucken können. „Aber einen kompletten maßgefertigten Schuh zu drucken, das ist unmöglich“, sagt Markus Nobbe, „das ist zu komplex.“

Genau diese Komplexität und Vielfältigkeit im Umgang mit den Kunden schätzt Nobbe besonders an seinem Beruf: „Jeder Kunde, jeder Fuß ist anders und immer wieder kommen neue Technologien hinzu.“

Manchen Schuhen sieht man ihre medizinische Fertigung an, anderen hingegen gar nicht. „Dahin geht auch zukünftig der Trend – zu einer immer größeren und individuelleren Auswahl“, meint Nobbe.

Beispielhaft könne man das schon an einem Paar Flip-Flops sehen, die gerade gefertigt werden. „Ob Zehenriemen, Querriemen, Schnallen oder die Farbe mit verschiedenen Verläufen und Intarsien“, zählt er auf, „das kann man sich alles nach Vorlage einer Firma zusammenstellen.“ Das Wichtigste, die Sohle, bleibt aber in der Hand des Schuhmachers. „Wir fräsen aus dem Kunststoff passgenau dann die Sohle“, so Nobbe.

Vom Gang zwischen der Werkstatt und dem Verkaufsraum zweigen zwei kleine Räume ab – für die Fußpflege und die Podologie.

„Manche lassen sich einfach ab und an die Füße pflegen, bei anderen wird die medizinische Fußpflege immer wichtiger“, sagt Markus Nobbe.

Dies betreffe vor allem die älteren Kunden, die unter Diabetes litten. Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und die steigende Lebenserwartung seien die Ursache für die vielen Zuckerkranken. „Da ist dann die podologische Behandlung gegebenenfalls die Prävention vor richtigen, teureren Orthopädieschuhen“, kommentiert Nobbe.

Die Orthopädieschuhmacher arbeiten eng mit Ärzten zusammen und stellten ihre Einlagen und Schuhe meist nach Rezept her.

Im Verkaufsraum hat sich die Kundin inzwischen für einen Schuh entschieden . Jetzt fehlen nur noch die Einlagen.

► Ausbildungsdauer: dreieinhalb Jahre

► Voraussetzung: Hauptschulabschluss

► Gehalt: erstes Jahr 450 Euro, zweites Jahr 540 Euro, drittes Jahr 700 Euro, viertes Jahr 820 Euro

► Das sollte man mitbringen: handwerkliches Geschick, naturwissenschaftliches Verständnis, Sorgfalt, Kunden- und Serviceorientierung

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6612692?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Müll am Aasee: Viele Standpunkte, noch mehr Müll
Nach dem Feiertag am 1. Mai waren die Aasee-Wiesen mit Müll übersät.
Nachrichten-Ticker