Europawahl
Partei verwirrt Wähler mit Namen von Nazis

Greven -

Krieg, Bombe, Heß, Goebbels – die Grevenerin wurde sofort stutzig. Als sie bei der Briefwahl den langen Wahlschein für die Europawahl genauer unter die Lupe nahm, fielen ihr die Namen einer Partei besonders ins Auge: „DIE PARTEI“ des Satirikers Martin Sonneborn.

Mittwoch, 22.05.2019, 11:20 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 11:42 Uhr
Partei-Chef Martin Sonneborn
Partei-Chef Martin Sonneborn Foto: dpa

Als Kandidaten tauchen auf der Liste unter anderem Kevin Goebbels , Fabian Heß , Tobias Speer und Andreas Keitel auf. Sie tragen allesamt Nachnamen von Nazi-Größen, genau wie Elisabeth Bormann und Dietrich Eichmann. Auch Lisa Bombe und Bennet Krieg stehen auf der Liste.

Gibt es diese Personen wirklich? Sind das ihre echten Namen oder treten sie unter Pseudonym zur Wahl an? Fragen, die die Leserin aus Greven an unsere Redaktion richtete. Eine Nachfrage im Büro des Landeswahlleiters in Düsseldorf ergab: Ja, die Personen existieren. Ob es sich jedoch um ihre bürgerlichen Namen oder um Künstlernamen handele, wisse man nicht und empfahl einen Anruf beim Bundeswahlleiter.

Real existierende Personen

Aus der dortigen Pressestelle heißt es auf entsprechende Nachfrage: „Ja, das sind real existierende Personen, die diese bürgerlichen Vor- und Nachnamen tragen.“ Die Kandidaten hätten – wie alle anderen auch – eine Bescheinigung ihrer Wählbarkeit vorlegen müssen. Dafür müsse unter anderem eine amtliche Bescheinigung eingereicht werden, aus der hervorgehe, dass die kandidierende Person mit diesem Namen unter einer echten Adresse gemeldet sei. „Diese Bescheinigungen liegen vor“, betont der Sprecher des Bundeswahlleiters.

Bei Bundes- und Europawahlen dürfen Kandidaten auch mit Künstlernamen antreten (falls dieser im Pass eingetragen ist). Gleiches gilt für Ordensnamen, die Menschen annehmen, wenn sie einer Ordensgemeinschaft beitreten. Im vorliegen Fall jedoch heißen die Kandidaten tatsächlich so.

Scharfe Kritik

Martin-Sonneborn, Spitzenkandidat von „DIE PARTEI“, war einst Chef des Satiremagazins „Titanic“. Sonneborn hatte bei der letzten Wahl einen Sitz im Europaparlament errungen und fortan mit einigen Aktionen Aufmerksamkeit erzielt, etwa als er im Stauffenberg-Kostüm zu einer Buchvorstellung von Björn Höcke (AfD) auf der Frankfurter Buchmesse erschien.

Mit den Kandidaten mit Nazi-Namen will Sonneborn nach eigenen Angaben Rechtspopulisten das Wasser abgaben. Er hofft, dass manche „aus Versehen“ ihr Kreuz bei der „PARTEI“ machen, weil sie sich von Namen wie Goebbels und Co. angesprochen fühlen.

Die Aktion hat der „PARTEI“ auch scharfe Kritik eingebracht. Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe des Bundestages, brandmarkte die Aktion als „Hakenkreuzschmierei auf dem Wahlzettel.“

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