Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner in Greven
„Es war explosionsartig“

Greven -

Es waren die perfekten Voraussetzungen für die wärmeliebende Raupe: Nach einem trockenen und vergleichsweise warmen Winter und Frühling ist nun der Eichenprozessionsspinner wieder auf den Bäumen. „Dieses Jahr war es explosionsartig“, sagt Frank Wagner von den Technischen Betrieben Greven.

Freitag, 07.06.2019, 11:36 Uhr aktualisiert: 10.06.2019, 16:42 Uhr
Mit Schutzanzug und Atemmaske werden die Eichenprozessionsspinner von Stefan Ueter, Forstbetrieb Allendorf, bekämpft.
Mit Schutzanzug und Atemmaske werden die Eichenprozessionsspinner von Stefan Ueter, Forstbetrieb Allendorf, bekämpft. Foto: Hannah Schrand

Die braungrüne Raupe eines Nachtfalters sieht mit ihren langen, dünnen Härchen nicht nur leicht bizarr aus – für Mensch und Tier ist sie vor allem gefährlich. Die feinen Brennhaare des Eichenschädlings können Hautjucken, Quaddeln und Knötchen auslösen, bei Einatmung kann es zu Bronchitis und Asthma kommen. Der Spinner lebt in Nestern auf Eichen und geht in Prozessionen auf Futtersuche - daher der Name.

Die Technischen Betriebe Greven gehen seit vier Wochen gegen den Spinnerraupenbefall vor. Dabei müssen sie priorisieren: Kinderspielplätze, Grundschulen, Kindergärten und Sportplätze stehen oben auf der Liste. Danach kommen andere öffentliche Orte, die vorerst mit Schilden versehen werden, um Menschen, die in diesen Bereichen unterwegs sind, darauf aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren.

Mit Saugern können Nester und Prozessionen an Eichenstämmen entfernt werden. Sie sind vergleichbar mit solchen, die für die Bekämpfung von Asbest eingesetzt werden und haben einen feinen Filter. Diese Saison wird ein Sauger das erste Mal von den Technischen Betrieben eingesetzt.

Der Saugrüssel reicht bis zu vier, fünf Meter, sodass die Spinner am Stamm beseitigt werden können. Für höhere Einsätze in den Baumkronen werde Hubsteiger genutzt. „Das machen wir allerdings nicht“, sagt Wolfgang Jung von der Stadtverwaltung Greven. Dafür werden Fremdfirmen beauftragt, die mit Anzügen, Atemmasken, Hubsteigern und Saugern ausgestattet bis in die Eichenkronen steigen.

Das weniger Zielführende an dieser Arbeit: Die Raupen, die zum Fressen in Prozessionen an die Blätter gehen, werden so nicht erfasst. Es kann also sein, dass der Baum einige Zeit nach der Absaugung immer noch befallen ist.

Und: Es braucht fünf bis zehn Minuten, um einen Baum mit durchschnittlich drei bis vier Nestern zu befreien. Die Technischen Betriebe Greven haben allerdings nur einen Sauger und die Fremdfirmen, die sie beauftragen, wie der Forstbetrieb Allendorf, arbeiten für den gesamten Kreis Steinfurt und im übrigen Münsterland. Allendorf hat vier Hubsteiger und mehrere Sauger.

Trotzdem sind die Experten restlos überbucht. „Der Befall wird jedes Jahr um ein Zehntel schlimmer“, so Frank Wagner . Meist geht es in Reckenfeld mit den ersten Meldungen los.

Die Firma Allendorf ist seit zwei Wochen unterwegs. Erst nach Feierabend nimmt sie Aufträge von Privatpersonen an. „Die Öffentlichkeit geht vor“, so Geschäftsführer Peter Allendorf. Und auch die Technischen Betreibe Greven sind nur noch im Auftrag des Spinnerraupenbefalls unterwegs. „Wir tun wirklich, was wir können“, sagt Wolfgang Jung.

Was die Profis raten: Nester nie selber entfernen, erst recht nicht durch Abflammen oder -kratzen. Auch tote Nester nicht berühren, da die gefährlichen Raupenhärchen sich noch darin befinden und aufgewirbelt werden. Bestenfalls sollen Firmen beauftragt, Nester gemeldet und direkter Kontakt gemieden werden. Dann lässt sich Panik vermeiden.

Für das Picknick im Freien gilt also: Lieber unter die Birke als unter die Eiche.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6672132?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Archäologen graben auf Gelände der geplanten JVA nach Bodendenkmälern
Das Luftbild zeigt das frisch geackerte Gelände (vier Quadranten im oberen Bereich), auf dem die neuen JVA entstehen soll, noch vor Beginn der Grabungsarbeiten.
Nachrichten-Ticker