Biodiversität: Landwirte legen Blühstreifen an
Das große Gesumse auf 140 Hektar

Greven -

Matthias Langkamp ist da mehr praktisch veranlagt. „Da schreiben Sie mal lieber 200 Fußballfelder, unter Hektar kann sich ja kaum noch jemand etwas vorstellen.“ Recht hat er, aber auch diese Zahl hört sich genau so gewaltig an wie 140 Hektar. Und damit ist die Fläche angegeben, auf der es in irgendeiner Form in den Bauerschaften blüht. „Wir haben all das abgearbeitet, was wir angekündigt haben.

Freitag, 07.06.2019, 19:06 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 19:10 Uhr
Matthias Langkamp, Martin Wesselmann und Heike Warrendrup-Nordhoff begutachten eine Fläche, die bereits im vergangenen Jahr als Blühstreifen angelegt wurde. Hummeln sind von den Blüten der Facelia ziemlich begeistert. Aktuell stehen die Blühpflanzen auf den dafür vorgesehenen Flächen nocht nicht in Blüte.
Matthias Langkamp, Martin Wesselmann und Heike Warrendrup-Nordhoff begutachten eine Fläche, die bereits im vergangenen Jahr als Blühstreifen angelegt wurde. Hummeln sind von den Blüten der Facelia ziemlich begeistert. Aktuell stehen die Blühpflanzen auf den dafür vorgesehenen Flächen nocht nicht in Blüte. Foto: Peter Beckmann

Worum geht es? Vordergründig um die Aussage in einem der politischen Ausschüsse, dass die Landwirte ihren Versprechen nicht nachgekommen seien. Grundsätzlich um das Thema Blühstreifen und Überackerung. Letzteres definiert die Flächen, die von den Landwirten bewirtschaftet werden, obwohl sie ihnen eigentlich nicht gehören, sondern in den meisten Fällen den Kommunen.

Vorweg: „So gut wie niemand macht das absichtlich“, versichert Langkamp , seines Zeichens Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV). Bei vielen Flächen sei es eine über Generationen hinweg andauernde Gewohnheit, diese zu beackern. Oft sei es auch schlicht Unwissenheit darüber, wo genau Grenzen verlaufen. Aber: „Wir haben uns jetzt mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung zusammen gesetzt, Karten mit den Katastergrenzen verglichen und Abweichungen festgestellt“, erklärt Langkamp das Vorgehen.

Dann habe man die betreffenden Flächen dahin gehend untersucht, ob sich da im Sinne der Biodiversität etwas machen lasse – sprich, ob es sich dort anbiete, Blühstreifen anzulegen. Auf den Flächen, die eigentlich der Stadt gehören, und auf Flächen, die die Landwirte dazugeben. „Da sind dann insgesamt fast 140 Hektar zusammengekommen, auf denen Blühpflanzen ausgesät werden“, verdeutlich Marin Wesselmann vom LOV.

Für Blühstreifen und Blühflächen, die mindestens sechs Meter breit sind, gibt es Förderungen der EU , andere Flächen legen die Landwirte ohne finanzielle Unterstützung an. Der Unterschied besteht im Namen. Blühstreifen, Brache mit Blühmischung, Pufferstreifen, Uferrandstreifen, Brache Vertragsnaturschutz oder Streifen als ÖVF (Ökologische Vorrangfläche) heißen sie, sorgen aber alle für ein großes Gesumse – sprich: sie locken Insekten an.

Und wie sieht das in der Praxis aus? „Die Programme für die betreffenden Flächen gehen über fünf Jahre“, erklärt Heike Warrendrup-Nordhoff vom LOV. Die Landwirte säen – so sie denn EU-Mittel bekommen wollen – eine vorgeschriebene Saatmischung aus. „Das sind meistens Blühpflanzen, die aber leider in den meisten Fällen nicht winterhart sind.“ Heißt: Im ersten Jahr blüht es fantastisch, im zweiten Jahr deutlich weniger. „Wer es vernünftig machen will, der sät nach, das ist für Insekten sinnvoller“, erklärt Langkamp und verdeutlicht, dass das für die Landwirte recht aufwendig sei.

Und er betont, dass auch ohne Entschädigung von Seiten der Landwirte viel gemacht werde. „Allein dieses Jahr haben wir 30 Kilometer Saumstreifen an Maisfeldern angelegt.“

Wie dieses Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt weiter läuft, sei noch nicht ganz klar. „In der Stadtverwaltung sind die Zuständigkeiten noch nicht ganz abgeklärt.“

Die Insekten haben auf 200 Fußballplätzen wieder einiges zu naschen und werden somit auch zu potenziellem Futter für Vögel und anderem Getier. Und damit hat Greven vielleicht sogar den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft . . .

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