Bebauung des Sportareals in der Ortsmitte
Kein Windhund-Prinzip

Reckenfeld -

Wer vermarktet demnächst die Grundstücke des künftigen Baugebietes in der Ortsmitte in Reckenfeld? Das, so Bürgermeister Vennemeyer, sei noch völlig ungeklärt.

Sonntag, 16.06.2019, 12:01 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 13:40 Uhr
Der Siegerentwurf und die Art, wie er ausgewählt wurde, fand im Bezirksausschuss breite Zustimmung. Offen ist noch, ob es auch einen Kita-Neubau geben wird.
Der Siegerentwurf und die Art, wie er ausgewählt wurde, fand im Bezirksausschuss breite Zustimmung. Offen ist noch, ob es auch einen Kita-Neubau geben wird.

Der Entwurf – wunderbar, er findet allgemeine Zustimmung. Gleiches gilt für den Ablauf des städtebaulichen Wettbewerbes, in den Reckenfelder Bürger eingebunden wurden. Vorbildlich, sagen alle, die dabei waren.

Aber was ist mit der Vermarktung des künftigen Baugebietes in der Ortsmitte? Wer darf wann kaufen, zu welchen Preisen, und vor allem: von wem eigentlich? Von der Stadt oder einem Investor? Sollte das künftige Baugebiet komplett über einen Investor vermarktet werden, wäre dies für manche der „worst case“.

Doch dazu wird es voraussichtlich nicht kommen. Davon geht nach jetzigem Stand zumindest Bürgermeister Peter Vennemeyer aus. „Dass man sich jetzt jemanden sucht, der das ganze Gebiet bespielt, kann ich mir momentan überhaupt nicht vorstellen“, sagte er in dieser Woche in der Sitzung des Bezirksausschusses.

Er stellte aber auch klar: Beschlossen sei in dieser Frage noch rein gar nichts, es gebe aber weit mehr als nur die beiden Möglichkeiten privat oder Investor. „Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Stadt Eigentümer bleibt“, sagte Vennemeyer. „Da würde ich zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Aussagen zu treffen. Das müssen wir gründlich überlegen, und dann muss nachher eine politische Entscheidung fallen.“

Wie die Grundstücke vermarktet werden sei in der Tat eine „spannende Frage“. räumte Stadtentwickler Matthias Herding ein. Es werde jedoch kein Windhund-Prinzip geben – also nicht: wer zuerst kommt, malt zuerst. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die wir eruieren müssen.“ Verkompliziert wird die Lage auch dadurch, dass der Entwurf einige Haus-Einheiten vorsehe, bei denen sich mehrere Häuser einen Innenhof und ähnliches teilen. Wie Bau und Verkauf gehandhabt werden – völlig offen.

In der Frage müsse man „sehr schnell zu einer Entscheidung kommen“, forderte Ernst Reiling (Reckenfeld direkt). Es gebe schon zahlreiche Anfragen von Reckenfeldern, die wissen wollten, wie sie an ein Grundstück gelangen könnten. Er forderte daher nochmals ein beschleunigtes Planverfahren. Der SCR mache am Wittlerdamm richtig Tempo. Dass das Areal in der Ortsmitte dann womöglich über ein Jahr brach liege, sei nicht akzeptabel. „Planverfahren haben gesetzlich vorgegebene Laufzeiten. Davon kommen wir nun mal nicht runter“, entgegnete Vennemeyer. Mit 18 Monaten, die bis zum Baurecht voraussichtlich verstreichen werden, sei man schon schnell unterwegs. Woanders dauere das mitunter drei bis vier Jahre.

In all das Lob über den gelungenen Entwurf mischte sich auch Kritik. Einige Details, etwa der Standort eines Blockheizkraftwerkes, werden wohl noch mal auf den Tisch kommen. „Und eines haben wir alle vergessen: Wir brauchen dort einen Kindergarten“, sagte Jürgen Otto vom Reckenfelder Bürgerverein. Im künftigen Baugebiet werden sich viele junge Familien mit Kindern niederlassen. Otto rechnet mit 500 bis 600 neuen Bewohnern, darunter sicher 100 oder mehr Kinder. Das Thema habe man nicht aus den Augen verloren, versicherte Herding. Es sei „kein Problem“, ein Grundstück mit der passenden Größe (2500 bis 3000 Quadratmeter) herauszunehmen und für einen Kita-Bau zu nutzen. Es gebe im Umfeld aber auch noch Kitas mit Erweiterungspotenzial – eine Lösung, die die Stadt präferieren würde.

Ob die Zahl von bis zu 600 Bewohnern passt – auch das ist noch offen. Man habe die Büros aufgefordert 150 bis 180 Wohneinheiten zu planen. Der Sieger-Entwurf liege mit 155 Wohneinheiten an der unteren Grenze. Theoretisch könne man dies mit dem Grevener Schnitt (2,4 bis 2,5 Menschen pro Wohnung) multiplizieren (was knapp 400 Bewohner bedeuten würde). Tatsächlich sei die Frage aber von vielen Faktoren abhängig, die derzeit noch nicht feststünden.

Kritik regte sich an der Präsentation der Siegerentwürfe in Reckenfeld: sie wurden an ein zuvor als Wahlplakatständer genutztes Gerüst angebracht, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt sind. „Erbärmlich“, nannte dies Wolfgang Voß (SPD). Im Rathausfoyer top, in Reckenfeld flopp – das mochten auch andere nicht nachvollziehen und regten eine Ausstellung der Entwürfe im Haus der Geschichte oder in einer Bank-Filiale an.

Sobald das Planungsbüro den Entwurf final überarbeitet hat und das Baurecht auf den Weg gebracht wird, soll es in Reckenfeld eine Infoveranstaltung für Bürger geben. Diese könnte Ende 2019/Anfang 2020 stattfinden.

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