Viertklässler als Vorleser in der Villa Kunterbunt
Begegnung auf Augenhöhe

Reckenfeld -

Donnerstags in der Villa Kunterbunt. Die Kinder bekommen Besuch von anderen Kindern, genauer gesagt: von Viertklässlern aus der benachbarten Erich-Kästner-Grundschule. Sie haben Bücher unter den Arm geklemmt, aus denen sie den Kita-Kindern vorlesen wollen. Die Kinder der Klasse 4c – sie werden im Flur von den Kita-Kindern schon sehnlichst erwartet.

Donnerstag, 20.06.2019, 11:47 Uhr aktualisiert: 20.06.2019, 11:50 Uhr
Diese Mädchenrunde hat es sich auf der Rutsche der Kindertageseinrichtung bequem gemacht.
Diese Mädchenrunde hat es sich auf der Rutsche der Kindertageseinrichtung bequem gemacht. Foto: Oliver Hengst

Bei der Begrüßung geht es noch turbulent durcheinander. Überall lautes Rufen und umherlaufende Kinder. Zwei Minuten später: Alle haben sich einen Platz gesucht, lauschen still, sind konzentriert.

Schnell haben sich kleine Gruppen gebildet, die sich ruhige Ecken suchen. Ein Sofa, eine Decke im Garten, eine Bank im Schatten, selbst die Rutsche gibt einen erstklassigen Rückzugsort ab.

Begonnen hat das Projekt im vergangenen Herbst, als die Grundschüler anlässlich des bundesweiten Vorlesetages in der Nachbar-Kita waren. Eine einmalige Aktion, eigentlich. Doch allen hat es so gut gefallen, dass man eine Fortsetzung vereinbarte. Seitdem kommen die Vierklässler immer am letzten Donnerstag im Monat zum Vorlesen vorbei. Mal die eine, mal die andere Hälfte der Klasse, weil es sonst zu unübersichtlich würde. Eine halbe Stunde, dann lässt die Konzentration nach.

„Unsere Kinder genießen das, und die Vierer freuen sich auch“, sagt Anke Frieling-Tappe , Erzieherin in der Villa Kunterbunt. „Die Kinder kommen ganz natürlich miteinander ins Gespräch.“ Und das sei der wohl größte Unterschied zum Vorlesen eines Erwachsenen. Die Grundschüler lesen nicht nur vor, sondern unterhalten sich mit den „Kleinen“ auf Augenhöhe. „Das ist ein schönes Vertrauen, die kennen sich jetzt.“

Die Aktion unterstützt das Bemühen der Kita, die Kinder für Bücher zu begeistern. „Wir lesen hier insgesamt schon sehr viel. Jede Gruppe hat eine Lesecke“, sagt die Erzieherin.

Und auch die Grundschüler profitieren, wie Mila Ben Khalfa , Klassenlehrerin der 4c, berichtet. „Das ist ganz spannend. Ich als Lehrerin trete in den Hintergrund und die Kinder schlüpfen in eine andere Rolle.“ Nämlich quasi die des Lehrers. Plötzlich sind sie die Großen. „Sie sind verantwortlich und entdecken sich selbst in dieser Rolle ganz neu“, sagt die Pädagogin, die mitunter erstaunliche Effekte beobachtet. Manche „ihrer“ Kinder verhielten sich während des Vorlesens ganz anders oder trauten sich Sachen zu, an die in der Klasse sonst kaum zu denken sei.

Das nahende Ende des Schuljahres bedeutet allerdings auch einen Einschnitt. Die Vierer verlassen die Schule und auch manche Kita-Kinder wechseln. Das heißt: Das Projekt endet. Um dann nach dem Sommer neu zu starten. „Es soll auf jeden Fall weitergehen, es ist eine schöne Erfahrung für alle. Kita und Schule rücken dadurch auch noch mal anders zusammen“, sagt Mila Ben Khalfa. Auch Anke Frieling-Tappe möchte das Projekt weiterführen, „mit anderen Kindern auf beiden Seiten. Das sind wunderbare Ruheoasen“, sagt sie und lässt den Blick über den Garten schweifen.

Nach dem Start des neuen Schul- und Kindergartenjahres werde man erstmal allen Kindern acht bis zwölf Wochen Zeit zur Eingewöhnung einräumen, um dann einen neuen Anlauf zu nehmen.

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