Sonja von Gostomski wird neue Musikschulleiterin
„Man muss sich öffnen“

Greven -

Frisch gewählt – Sonja von Gostomski (43) wird im Oktober die Nachfolge von Wolfgang Bernhardt an der Spitze der Musikschule Greven/Emsdetten/Saerbeck übernehmen. Die Mutter von zwei Söhnen lebt in Ibbenbüren und ist dort vielfältig in der lokalen Kulturarbeit aktiv. Mit ihr sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Freitag, 28.06.2019, 20:43 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 20:50 Uhr
Sonja von Gostomski übernimmt im Oktober die Leitung der Musikschule.
Sonja von Gostomski übernimmt im Oktober die Leitung der Musikschule. Foto: Günter Benning

Ist Ihnen die Musik in die Wiege gelegt worden?

von Gostomski: Ja, ich habe mit sechs Jahren angefangen, Geige zu spielen. Seitdem wollte ich immer etwas mit Musik machen. Das hat sich natürlich gewandelt. Als Kind wollte ich zu den Berliner Philharmonikern oder eine „Stargeigerin“ werden. Aber als ich mit 17 die ersten eigenen Geigenschüler hatte, merkte ich, dass mir das viel Spaß machen könnte.

Liegt das in Ihrer Familie?

von Gostomski: Meine Eltern spielen keine Instrumente. Aber sie singen schon lange im Chor.

So ein schöner Adelsname macht was her...

von Gostomski: Tja, angeheiratet. Die Leute stolpern erst mal darüber. Das kenne ich schon. Wenn man es ein paar Mal gesagt hat, läuft es flüssiger.

Sie waren bisher in der Musikschule Ibbenbüren tätig. Wie unterscheiden die Schulen sich?

von Gostomski: Die Musikschule Greven/Emsdetten/Saerbeck ist ein bisschen kleiner. Was ich ganz spannend und toll finde, ist, dass man hier nahezu komplett mit fest angestellten Kräften arbeitet. Das kenne ich aus Ibbenbüren so nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass automatisch die Motivation bei den Lehrkräften größer ist, weil man durch die Festanstellung eine andere Wertschätzung und Anerkennung ausdrückt und mehr soziale Absicherung hat.

Viele Musikschulen arbeiten mit Honorarkräften.

von Gostomski: Sicher, dadurch hat man jedoch auch teilweise Fluktuation im Kollegium; sobald jemand ein besseres Angebot bekommt, ist er weg. Außerdem muss man es auch sozial betrachten: Wer sein Leben lang als Honorarkraft gearbeitet hat, geht irgendwann in die Altersarmut.

Sie haben das Gefühl, Sie übernehmen eine gut aufgestellte Musikschule?

von Gostomski: Absolut, ich habe mehrfach mit Wolfgang Bernhardt zusammengessen. Er hat gesagt, es sei ein tolles Kollegium, alle sind motiviert – und die Gemeinden stehen hinter der Schule.

Über Ihr Programm können wir uns mal unterhalten, wenn Sie im Amt sind, aber was ist Ihnen wichtig?

von Gostomski: Ich bringe vielleicht den ein oder anderen Impuls mit. Zum Beispiel könnte ich mir Kooperationsprojekte mit anderen kulturellen Institutionen oder Angebote speziell für Senioren vorstellen.

In Ibbenbüren waren sie sieben Jahre lang Vorsitzende des Kunstvereins und haben den Verein Kulturmotor geleitet. Ehrenamt ist für Sie wichtig?

von Gostomski: Absolut. Das Ehrenamt kann gar nicht genug Wertschätzung in unserer Gesellschaft erfahren. Durch meine unterschiedlichen kulturellen Ehrenämter habe ich festgestellt, dass ich nicht nur Instrumentalunterricht erteilen, sondern mich kulturell etwas breiter aufstellen wollte. So bin ich dann dazu gekommen, auf mein Diplom in Instrumentalpädagogik noch ein Kulturmanagement-Studium draufzusatteln.

Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten haben Ihnen wahrscheinlich gezeigt, dass es ein großes Interesse an Kunst und Kultur gibt?

von Gostomski: Das ist so. Der Kunstverein Ibbenbüren e.V. ist mittlerweile mehr als 50 Jahre alt. Auch seine Mitglieder werden älter. Aber es läuft was, es gibt engagierte Mitglieder und die Angebote werden gut angenommen.

Auch die Konzerte an ungewöhnlichen Orten sind populär?

von Gostomski: Wahnsinn, da sind wir total überrannt worden. Die kulturelle Reihe „Mittwochs draußen“ läuft in Kooperation von Kulturmotor Ibbenbüren e.V, der Volkshochschule Ibbenbüren / Fachdienst Kultur, sowie dem Stadtmarketing Ibbenbüren. „Die Veranstaltungen kosten die Besucher nichts – das ist doch toll.

Früher sagte man, Musikschule ist gleich Jugendmusikschule. Die Gesellschaft wird älter. Gibt es da eine Trendwende?

von Gostomski: Ich glaube, man muss sich da öffnen. Gerade die jungen Alten muss man mit in den Blick nehmen und ihnen Angebote machen. Natürlich immer in Rücksprache mit den Lehrkräften, die sollen ja nicht über Gebühr strapaziert werden. Aber ich könnte mir denken, dass das gut angenommen wird.

Aus Musikschulsicht ist der Schwerpunkt die klassische Musik, oder wenn Jazz, dann guter Jazz. Gespielt wird aber heute viel mehr. Wie muss man darauf reagieren?

von Gostomski: Man kann nicht immer nur von der sogenannten „Hochkultur“ ausgehen. Nicht jedes Kind ist mit Mozart und Beethoven glücklich. Natürlich kommt es auf die Vermittlung von technischen Fähigkeiten und die Ausbildung von musikalischer Ausdrucksfähigkeit an. Aber man kann auch beispielsweise mit Liedern aus den Charts arbeiten. Auch wenn nicht jedes Stück besonders gut auf der Geige klingt, wie ich während meiner langjährigen Unterrichtstätigkeit fesstellen konnte.

Was hören Sie in Ihrer Freizeit?

von Gostomski: Frank Sinatra, Michel Bublé, Musicals, Klassik – je nach Stimmung, auch die Charts. Es muss für mich nicht unbedingt Rammstein oder ähnliches sein.

Ihr Mann spielt Ukulele?

von Gostomski: Ja, das finde ich ganz toll. Der hat sich das vor ein paar Jahren über Youtube-Kanäle beigebracht. Er kann ganze Abende damit bestreiten. Zum Thema Digitalisierung: Das darf man in Zukunft nicht außer acht lassen. Auch wenn ich meine, dass das keinen Instrumentalunterricht ersetzt, sondern eher ergänzt. Man hat bei YouTube-Kanälen eben keine direkte Interaktion mit dem Lehrer.

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