Familie Hyseni droht Umzug in Reckenfelder Flüchtlingsunterkunft
Jahrelang auf Wohnungssuche

Greven -

Acht Personen in einer Wohnung. Das ist ungewöhnlich. Die Hysenis suchen drigend eine neue Unterkunft, denn das Haus der Stadt, in dem sie seit 18 Jahren leben, wir renoviert.

Mittwoch, 17.07.2019, 08:29 Uhr
Rinush und Hira Hyseni (rechts) mit Kindern und Enkeln. Die Familie, die seit 29 Jahren in Greven lebt, findet keine passende Wohnung, um aus dem Haus der Stadt ausziehen zu können.
Rinush und Hira Hyseni (rechts) mit Kindern und Enkeln. Die Familie, die seit 29 Jahren in Greven lebt, findet keine passende Wohnung, um aus dem Haus der Stadt ausziehen zu können. Foto: Günter Benning

Auf dem Tisch stehen Kekse. Die 30-jährige Mejrema serviert türkischen Kaffee. Wie im Kosovo. „Ich war 18 Monate, als wir hierher kamen“, sagt sie. In ihrer Erinnerung ist alles Deutschland.

Ihre Eltern und fünf ihrer Geschwister wohnen in einem städtischen Haus am Von-Kleist-Weg seit 18 Jahren. Aber jetzt sollen sie in zwei Klassenräume der alten Reckenfelder Schule einziehen. Die Stadt will ihr Haus renovieren. Und eine andere Wohnung finden sie nicht.

Wohnungsnot hat Gesichter und Namen: Rinush Hyseni (60) und seine Frau Hira (57). Er war Biolehrer in seinem Dorf im Kosovo, als er nach Demonstrationen floh. Das Datum kennt er genau: 13. Januar 1990. Die Kinder Lena (27), Lendita (25), Mirelina (24), Fata (22), Hysen (19) und Leonora (16) kamen in Deutschland zur Welt. Vier Enkelkinder haben die deutsche Staatsangehörigkeit, die anderen Angehörigen die kosovarische.

Mit fünf Kindern und einem Enkel leben die Eltern in der Hälfte eines städtischen Doppelhauses. Sie zahlen 1100 Euro Miete, es wird pro Kopf abgerechnet. Ein Mietverhältnis, heißt es bei der Stadt, sei das nicht. Die Familie sei dort untergebracht worden, um Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Seit 2014, erklärt die Stadt, habe man immer wieder darauf hingewiesen, dass sie sich eine eigene Wohnung suchen sollten. „Wir haben das oft versucht“, sagt Rinush Hyseni, „aber wenn die Leute hören, dass wir acht Personen sind, dann winken sie ab.“

Die Hysenis sind bereits von der linken in die rechte Haushälfte umgezogen. Es hatte einen Wasserschaden gegeben. Und jetzt soll das ganze Haus saniert werden, auch die 110 Quadratmeter, in der die Familie auf fünf Zimmern lebt.

„Anfang Mai haben wir erfahren, dass wir am 3. Juni raus müssen“, sagt Lendita Hyseni (25). Die Einzelhandelskauffrau und alleinerziehende Mutter lebt auch bei ihren Eltern. Jetzt habe es drei Wochen Verlängerung gegeben. An dem Auszug-Termin Ende Juli, so die Stadt, werde aber festgehalten.

Das Sozialamt hat der Familie zwei Klassenzimmer in der Reckenfelder Flüchtlingsunterkunft, der alten Schule, angeboten. Aber vor allem die Kinder fürchten sich davor, Bad, Toilette, Küche mit anderen teilen zu müssen.

Alternativen gibt es aus Sicht der Verwaltung nicht. „Hinsichtlich einer alternativen Unterbringung wurden der Familie verschiedene Vorschläge unterbreitet“, teilt Pressesprecherin Dr. Andrea Rauße-Rüther mit, „auch der Bezug einer Doppelhaushälfte in Reckenfeld zur Alleinnutzung. Das wurde abgelehnt.“

Da, wo sie jetzt wohnen, ist alles nah. Leonora besucht die Anne-Frank-Realschule, kommt in die zehnte Klasse. Der Sohn Hysen beginnt eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Rinush Hyseni ist herzkrank, er arbeitet seit Jahren bei McDonalds. Dort kann er zu Fuß hingehen: „Der Chef hat viel Verständnis für mich.“ Eine seiner Töchter ist im Fast-Food-Restaurant Schichtleiterin.

Für Herbert Runde, den Vorsitzenden des Heimatvereins, sind die Hysenis angenehme Nachbarn: „Eine sehr nette Familie.“

Er selbst hat versucht, eine Wohnung für sie zu finden: „Aber in Greven fehlen jede Menge bezahlbare Wohnungen.“

Seine Frau Maria Runde hat bei Nachfragen gehört, dass einige Vermieter größerer Häuser keine Ausländer nehmen wollten: „Eine sehr desolate Situation.“

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