Der kälteste Arbeitsplatz in Greven
56 Grad Unterschied sind kein Problem

Greven -

Schwitzen? Nee, damit haben Andreas Theissing und Thomas Beinker zumindest während der Arbeitszeit überhaupt keine Probleme. Denn die beiden Männer haben den wohl kältesten Arbeitsplatz in Greven. Sie sind Lageristen bei Bofrost und kommissionieren bei minus 24 Grad.

Freitag, 26.07.2019, 11:39 Uhr
Andreas Theissing und Thomas Beinker arbeiten bei minus 24 Grad im Bofrost-Lager und sind immer kerngesund.
Andreas Theissing und Thomas Beinker arbeiten bei minus 24 Grad im Bofrost-Lager und sind immer kerngesund. Foto: Peter Beckmann

Es ist wie ein Schlag mit der Keule, mit der ganz großen Keule. Es dampft und qualmt vor der Tür. Es ist aber kein Rauch, es ist verdunstendes Wasser. Vor der Tür: Rund 32 Grad Celsius. Dahinter: 24 Grad Celsius – allerdings minus. Beim Eintreten gibt’s den Knüppel auf den Kopf, die eisige Kälte lässt den Atem stocken. Für Andreas Theissing und Thomas Beinker ist das allerdings Alltag. Die beiden sind Lagerarbeiter bei Bofrost . Und sie haben den wohl mit Abstand kältesten Arbeitsplatz im hitzegeplagten Greven.

Thomas Karkoska ist Geschäftsführer der Bofrost-Niederlassung am Nien Esch. Sein Büro: Ausgestattet mit einer Klimaanlage, hier lässt es sich aushalten. Hier am Nien Esch steht das 400 Quadratmeter große Lager. Drei Kommissionierer stellen die tiefgekühlten Waren zusammen, die von den 30 Kollegen mit den Kühl-Autos an die Kunden im ganzen Münsterland ausgeliefert werden.

Spezielle Wärmekleidung

Kakorska erklärt die Abläufe. „Wir haben drei Kommissionierer, die nachts um 2 Uhr ihren Dienst beginnen und bis 9 oder 10 Uhr arbeiten.“ Die Männer werden mit spezieller wärmender Kleidung ausgestattet, tragen beheizbare Schuhe. „Alle zwei Stunden machen die Jungs eine viertel Stunde Pause“, verdeutlicht Karkorska. Nach Feierabend kommt die Kleidung in einen beheizbaren Schrank.

„Ganz wichtig ist, dass die Kleidung trocken ist.“ Die kommissionierte Ware wird dann in zwei Schichten an die Kunden ausgeliefert. „Unsere Autos fahren mit einer Temperatur von minus 32 Grad hier los und haben im Inneren nach der Auslieferung immer noch 23 bis 24 Grad minus. Sonst leidet die Qualität der Ware“, erklärt der Geschäftsführer.

Zurück zu den Lageristen. Drei sind es insgesamt, zusammen bringen sie es auf 85 Jahre Betriebszugehörigkeit. „Der Thomas Beinker ist fast 40 Jahre dabei.“ In der Stimme von Karkorska ist ganz deutlich der Respekt zu hören, den er vor den Männern hat. „Wir wissen, was wir an diesen Männern haben, und wir tun viel für deren Wohlergehen.“

Alles reine Gewohnheit

Und das scheint zu wirken. Denn krank werden die Männer anscheinend nicht, trotz der enormen Temperatur-Unterschiede. „Das macht uns nichts aus“, versichert Beinker. Das sei alles reine Gewohnheit, sagt er, der gerade draußen bei 32 Grad im mit Teddyfutter gefütterten Anzug sitzt und eine Zigarette genießt.

Dampfplauderer sind die beiden nicht. Aber beide versichern, dass sie weder Probleme mit dem Kreislauf, mit Erkältungen oder gar mit Gicht haben. „Nein, nichts, uns macht das wirklich nichts aus“, versichert Theissing.

Klar, damals, als sie ihren Job antraten, hätten sie sich an die Bedingungen erst gewöhnen müssen. „Aber inzwischen ist das Alltag für uns, egal wie kalt oder warm es gerade draußen ist“, erzählt Beinker.

Probleme mit der Hitze

Die Kälte mache ihm absolut nichts aus. Alles eine Frage der Gewohnheit. Aber die momentane Hitze jenseits des eiskalten Lagers habe ihm dann doch zu schaffen gemacht. „Bei diesen Temperaturen kann man ja kaum schlafen.“ Und deswegen habe er sich ein Klimagerät gekauft. „Das regelt die Temperatur auf 19 Grad herunter“, erzählt er und schiebt hinterher: „Plus 19 Grad natürlich.“

Im Urlaub bleiben sowohl Beinker als auch Theissing am liebsten in Deutschland. „Mir reichen 20 Grad im Sommer, mehr muss nicht sein. Vor allem muss es nicht so heiß werden wie derzeit“, sagt Beinker.

Probleme mit der Hitze hat nicht nur Beinker alleine. Zurzeit werde er von vielen Menschen um seinen Job sogar beneidet. „Du hast es gut“, heiße es da meistens. Und: „Ich komme dich mal besuchen.“ Wahr gemacht habe es noch niemand.

So gehen Münsteraner mit der Hitze um

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  • „Ich nutze nur das Fahrrad, denn der Fahrtwind kühlt ab.“ - Jörg Brüggemann, Reiseverkehrskaufmann

    Foto: Anna Girke
  • „Ich fahre in den Urlaub ans Meer.“ - Matthias Röckers, Architekt

    Foto: Anna Girke
  • „Wir legen die Füße hoch und trinken viel Wasser“. - Dieter und Sefie Wiedeler, Rentner

    Foto: Anna Girke
  • „Ich finde die Hitze toll, denn ich hab heute frei und gehe ins Freibad.“ - Katharina Kalkowski, Kosmetikerin

    Foto: Anna Girke
  • „Wir gehen an Kanal oder See, um uns abzukühlen.“ - Ahmad Al-Ani, Leonie Fili, Dennis Kail (v.l.), Studenten

    Foto: Anna Girke
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