300 Kilo im Künstlerdorf
Grevener Haare werden zur Kunst

Greven/Ochtrup -

120 Friseure hat sie für ihre Idee begeistern können – auch in Greven. Barbara Caveng zieht durch die Kommunen und bittet Coiffeure, ihr abgeschnittene Haare für ein Kunstprojekt zu überlassen.

Donnerstag, 01.08.2019, 18:16 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 18:30 Uhr
Künstlerin Barbara Caveng auf einem Haarbett. Etwa 25 davon werden Anfang September zu einem Rundballen gepresst. 120 Friseure haben sich in den vergangenen vier Monaten an dem Kunstprojekt von Barbara Caveng (kl. Bild, 2.v.l.) beteiligt, das am 7. September in Schöppingen seinen Abschluss feiert. Mit im Boot sind auch der Kunstverein Steinfurt sowie die Friseur-Innung mit Obermeisterin Susanne Dorsten (3.v.r.) aus Och­trup.
Künstlerin Barbara Caveng auf einem Haarbett. Etwa 25 davon werden Anfang September zu einem Rundballen gepresst. 120 Friseure haben sich in den vergangenen vier Monaten an dem Kunstprojekt von Barbara Caveng (kl. Bild, 2.v.l.) beteiligt, das am 7. September in Schöppingen seinen Abschluss feiert. Mit im Boot sind auch der Kunstverein Steinfurt sowie die Friseur-Innung mit Obermeisterin Susanne Dorsten (3.v.r.) aus Och­trup. Foto: Daniel Bröker/Susanne Menzel

120 Friseure hat sie für ihre Idee begeistern können – auch in Greven. Seit April zieht die Schweizerin Barbara Caveng (56) durch die Kommunen der Region und bittet Coiffeure, ihr abgeschnittene Haare zu überlassen. „Je länger ich in den vier Monaten als Stipendiatin im Künstlerdorf Schöppingen mit dem ‚Ha(a)rvest‘-Projekt beschäftigt war“, sagt sie, „desto mehr nahm diese unglaubliche Zeitreise eine filmische Entwicklung mit eigenem Rhythmus an.“

300 Kilo wollte sie sammeln, um daraus einen großen Haarballen pressen zu lassen. „Die Dynamik, die sich entwickelt hat, habe ich nicht absehen können“, ist Caveng erstaunt. Salons aus Ochtrup sind ebenso mit von der Partie wie jene aus Schöppingen, Steinfurt, Legden, Ibbenbüren, Greven.

„Zwischen Kunst und Handwerk besteht immer dann eine Verbundenheit, wenn eine gegenseitige Neugierde auf die Sicht des anderen und dessen Herangehensweise besteht“, ist die Künstlerin sicher, die heute in Berlin lebt. Und: „Die Friseure selbst haben auch ihr Schaffen noch einmal reflektiert und sich intensiv mit dem Entwertungsfaktor auseinandergesetzt. Im Alltag werden die abgeschnittenen Haare einfach entsorgt. Niemand hat Zeit, sich über ihre Herkunft oder die Geschichte des Menschen, der dahinter steht, Gedanken zu machen.“

Das allerdings passiert jetzt, wo auf großen Papp-Betten die Schöpfe lagern. Säuberlich sortiert und gesiebt. Manche sehen aus wie Skalps. Für Peter Weidlich vom Kunstverein Steinfurt sind es gerade diese Haarberge, die ungute Gefühle in ihm auslösen: „Ich habe ähnliche Anhäufungen als 16-Jähriger in Auschwitz gesehen“, murmelt er, „ich könnte diese Haare nie anfassen, weil ich weiß, was aus ihnen gemacht wurde.“

„Hier, in der Masse, da sind alle Menschen gleich. Jene mit und ohne Behinderung, junge und alte, reiche und arme“, sagt Susanne Dorsten, Innungsobermeisterin im Kreis Steinfurt. Auch sie habe sich im Zusammenhang mit dem „Ha(a)rvest“-Projekt „erstmals intensiv Gedanken darüber gemacht, was man da abgibt. Und manchmal ist es ein komisches Gefühl, wenn ich Kunden frage, ob ich ihre Haare mitnehmen kann.“

300 Kilo des organischen Materials werden nun Gegenstand von verschiedenen Kunstobjekten. Nicht nur der große Haarballen soll entstehen, auch kleinere Exponate, in denen das Material zum Träger von Inhalten wird. Ein Stuhl etwa, deren Sitz aus kurzen Haarstoppeln besteht.

Das große Event allerdings wird das Ballenpressen am 7. September (Samstag) sein. „Wir sind gespannt, ob dabei alles so abläuft, wie erhofft“, sagt Barbara Caveng. Sie hat sich für den mechanischen Vorgang den Schöppinger Lohnunternehmer Bernd Möllenkotte an die Seite geholt, der – „wie Daniel Düsentrieb“ – daran gebastelt hat, dass die Presse statt mit Heu, Stroh oder Gras auch mit Haaren fertig wird.

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Der „Final Cut“ des Ha(a)rvest-Projektes wird durchgeführt am 7. September (Samstag) am 16.30 Uhr im Künstlerdorf Schöppingen (Mühlenwall). Die Haarballenpressung beginnt gegen 20.30 Uhr.

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