Freilichtbühne: „Pension Schöller“ begeistert das Publikum
Humoreskes Treiben mit Lokalkolorit

Reckenfeld -

Der Wahnsinn greift auch auf die Freilichtbühne über – in der Pension Schöller feierte der Schwank von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby am Freitag eine wahrlich grandiose Premiere. Sogar der Wettergott war auf der Seite der Schauspieler und so konnte das begeisterte Publikum ungestört die von Gefühlen, Intrigen, Leidenschaften und skurrilen Ereignissen Geschichte aus der Pension Schöller genießen.

Montag, 05.08.2019, 06:00 Uhr
Die tollen Schauspieler der Freilichtbühne verpflanzten den komödiantischen Dauerbrenner in das Münsterland.
Die tollen Schauspieler der Freilichtbühne verpflanzten den komödiantischen Dauerbrenner in das Münsterland. Foto: Axel Engels

Seit 1890 ist der komödiantische Dauerbrenner mehrfach verfilmt worden, auf zahlreichen Bühnen sorgte er für prickelnde Unterhaltung. Da war es ein Glücksfall für die Theaterliebhaber, dass sich das Team von der Freilichtbühne diesem Schwank angenommen hat. Viktor von Bülow hätte an der Inszenierung unter der Regie von Christoph Volkert seine Freude gehabt, die mit allen möglichen lokalen Anspielungen durchsetzt war. Hatte die Inszenierung der Komödie am Kurfürstendamm den Ort ins Berlin der 20er Jahre versetzt, so ging es hier in die nahe Domstadt, wurde die Welt rund um das Münsteraner Café Schucan wieder lebendig.

Der Kaufmann Philipp Klapproth kam dann aus Greven, hatte eine Villa in Reckenfeld geerbt und wollte dort ein Irrenanstalt eröffnen. Was lag daher näher, als sich vor Ort von solch einer Institution ein eigenes Bild zu machen, um danach dann am Stammtisch mit seinen Erlebnissen prahlen zu können.

Liebevoll war das Bühnenbild der Zeit der ehrwürdigen K.u.K.-Monarchie angelehnt worden, vom Zwiebel-Porzellan bis zum betagten Pianoforte mit Kerzenständern stimmte dabei alles bis ins kleinste Detail. Aber was die Akteure dann auf die Bühne zauberten, war schon große Kunst. Mit Esprit und Leidenschaft verkörperten sie die einzelnen Charaktere, passte selbst Scott Joplins „Entertainer“, gespielt von Marco Schomacher als Pianist Dr. Reisfleisch, bestens ins Geschehen.

Premiere des Stücks Pension Schöller an der Freilichtbühne in Reckenfeld

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Ulla Schmidt als Sängerin Agathe Reckenfelder hätte mit ihrer Stimme in jedes Varietee gepasst und Miriam Albermann als Sophie Malzpichler verkörperte perfekt das Klischee einer leicht überdrehten Schriftstellerin.

In der Pension Schöller vermischten sich zum Vergnügen des Publikums die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn, wurde aus einem Gesellschaftsabend ein köstlich unterhaltsamer Besuch in einer der legendären Irrenanstalten. Da lebte Klaus-Dieter Niepel als Major a.D. Klose in seiner preußisch-militärischen Vergangenheit, fantasierte Holger Weglage als Großwildjäger Bernhardi von Begegnungen mit Löwen auf einer Safari, sorgte Martin Schmidt als mit einem Sprachfehler behafteter Schauspieler Robert Kießling für köstliche Ausflüge in die große Literatur.

Als umtriebige Kellner wussten Christoph Volkmer und Klaus-Dieter Felmet zu überzeugen und auch Markus Ormann und Annett Boy als Besitzer der Pension Schöller konnten ihr schauspielerisches Können ganz einbringen. Catrhin Herkt, Vanessa Binnewies, Martje Lilly Drees und Jan Cunen als Verwandte des Kaufmanns Philipp Klapproth agierten mit Grazie und Eleganz. Jeder hätte der legendären Loriot-Verfilmung entnommen sein können.

Mit Tony Röhrig war die Rolle des Philipp Klapproth einfach bestens besetzt. Wenn die exzentrische Geister und leicht überdrehte Personen von ihm unter die Lupe genommen wurden, dann entdeckte er den Wahnsinn in Reinformat. Da verschwand der Alltag im humoresken Treiben auf der Bühne.

Dieser permanente Angriff auf die Lachmuskulatur des Publikums hatte den fulminanten Schlussapplaus sicherlich verdient, so einen mit viel Lokalkolorit durchsetzten Schwank erlebt man eben nur selten.

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