Gedenken an Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski
Niemand wurde zur Rechenschaft gezogen

Greven -

Am 14. August 1942 wurden die beiden Polen Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski in den Bockholter Bergen hingerichtet. Aus diesem Anlass wird am Sonntag, 11. August, um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltung in den Bockholter Bergen durchgeführt

Montag, 05.08.2019, 18:13 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 18:20 Uhr
Franciszek Banaś
Franciszek Banaś Foto: Privat

Am 14. August 1942 wurden die beiden Polen Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski in den Bockholter Bergen hingerichtet. Sie gehörten zu den mehreren Millionen im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs zwangsweise zur Arbeit eingesetzten Kriegsgefangenen und ausländischen „Zivilarbeitern“.

Die VVN-BdA ( Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes , Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) Münster wird auch in diesem Jahr anlässlich des 77. Jahrestages der Hinrichtung in Zusammenarbeit mit Bündnis 90/Die Grünen (Ortsverband Greven) am Sonntag, 11. August, um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltung in den Bockholter Bergen durchführen.

Christoph Leclaire hat sich mit dem Schicksal der beiden Ermordeten beschäftigt und in den Grevener Geschichtsblättern über deren Schicksal berichtet. Im folgenden ein Auszug aus dem Bericht.

Der am 7. Juni 1914 im polnischen Ujsoły geborene Franciszek Banaś wurde als Kriegsgefangener nach Deutschland deportiert und kam in das Stalag VI D in Dortmund. Von dort aus gelangte er mit dem Arbeitskommando Nr. 262 nach Greven in die Bauerschaft Westerode. Nach seiner „Entlassung“ aus der Kriegsgefangenschaft musste er bei der Textilfirma Biederlack & Co. arbeiten. Seine Verfolgungsgeschichte beginnt am 9. Juni 1941, als er wegen eines angeblichen Diebstahls angezeigt wurde. Der Fall wurde der Gestapo Münster übergeben und das Amtsgericht Münster verurteilte Banaś zu sechs Monaten Gefängnis. Am 10. Dezember 1941 wurde er – zwei Wochen vor dem offiziellen Ende seiner Haftstrafe – von der Gestapo aus der Haftanstalt Münster abgeholt. Tatsache ist, dass am 14. Oktober 1941 die ebenfalls bei Biederlack als Putzfrau arbeitende Anna R. verhaftet worden war, da sie sich angeblich mit Franciszek Banaś „geschlechtlich eingelassen“ habe.

Wacław Ceglewski wurde am 13. Februar 1921 im damaligen Dorf Aleksandrówka in Polen geboren. Als Soldat des polnischen Infanterieregiments 14 kam er in deutsche Gefangenschaft und wurde am 27. September 1940 „als Zivilarbeiter nach Münster entlassen. Zunächst war er bei einem kleinen Fuhrunternehmen in Greven eingesetzt. Später arbeitete er in Handorf bei einem Bauern. In dieser Zeit musste er bereits wegen angeblicher „unzüchtiger Handlungen“ für fast drei Monate im Gefängnis in Münster einsitzen. Vermutlich seit Anfang Juni 1941 war er bei den Hiltruper Röhrenwerken beschäftigt. Nach der Erinnerung eines Meisters soll Wacław Ceglewski erst einige Monate dort gearbeitet haben, als er „von der Gestapo fortgeholt wurde”. Im Werk wurde damals „davon gesprochen, daß er mit einer deutschen Frau oder einem Mädchen ein Verhältnis hatte.”

Sowohl Wacław Ceglewski als auch Franciszek Banaś verbrachten mehrere Monate in den Händen der Gestapo Münster, bis sie schließlich am Freitag, 14. August 1942, auf Anordnung des RSHA hingerichtet wurden.

Am Tag der Hinrichtung wurden nachmittags zwischen 80 und 100 Polen aus Greven von Polizei sowie SA-Angehörigen in die bewaldeten Bockholter Berge gebracht, die dort auch den Hinrichtungsort absperrten. Dieser befand sich am Rande des Boltenmoors nahe des Schiffahrter Damms. Der Galgen war zwischen zwei Bäumen befestigt und unter ihm stand ein Tisch mit versenkbarem Boden. Er war vom Amtsschreiner gebaut und vom Hausmeister des Amtes mit einem Müllwagen dorthin transportiert worden.

Bei der Exekution anwesend waren der Amtsbürgermeister und der NSDAP-Ortsgruppenleiter aus Greven sowie ein Lehrer aus Bockholt. Die Gestapo kam direkt aus Münster zum Hinrichtungsort.

Nach 1945 wurde niemand der Verantwortlichen für die Ermordung von Franciszek Banaś und Wacław Ceglewski zur Rechenschaft gezogen. Es gab zwar in den 1960er Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen Angehörige der Gestapo Münster, im Zuge dessen auch wegen der Hinrichtung der beiden ermittelt wurde. Letztlich wurde jedoch das gesamte Verfahren eingestellt.

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