Lambertusmarkt war der Beginn
Das uralte Kirmesfieber in Greven

Greven -

Am Freitag geht es wieder los. Ganz Greven ist dann – neuerdings für vier Tage – im Kirmes-Fieber. Diese Kirmes gibt es schon sehr lange. Denn Kirmes heißt letztlich übersetzt Kirchweih. Die wurde in Greven immer am Tag nach Bartholomäus abgehalten. Und da war in Greven eigentlich der Lambertusmarkt Bestandteil der Kirmes. Doch dessen Bedeutung nimmt immer mehr ab.

Dienstag, 20.08.2019, 07:08 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 07:10 Uhr
Dieses Bild entstand in den 50er-Jahren auf der Grevener Kirmes. Damals war ein Kettenkarussell noch ein absolutes Highlight auf der Kirmes.
Dieses Bild entstand in den 50er-Jahren auf der Grevener Kirmes. Damals war ein Kettenkarussell noch ein absolutes Highlight auf der Kirmes. Foto: „Stadtarchiv Greven

In einem Buch von Wilhelm Schenkel, in dem sich der Autor eigentlich mit Schmedehausen beschäftigt, kommt auch ab und an die Kirmes in Greven vor. Schenkel berichtet, dass es schon seit dem Mittelalter den Lambertusmarkt in Greven gab. Und der war berühmt in der gesamten Umgebung.

Das änderte sich schlagartig, als im Jahr 1589 Holländer den Markt überfielen. Warum? Das ist nicht überliefert, (vielleicht wurden dort illegal Frikandeln verkauft). Jedenfalls führte der Überfall dazu, dass die Bedeutung des Marktes rapide abnahm. „An die Stelle des Pferde- und Rinderhandels war ein spärlicher Schweine- und Ferkelmarkt getreten“, berichtet Schenkel. Zu Schenkels Zeiten – er lebte von 1904 bis 1983 – stand auf dem Lambertusmarkt die Landwirtschaftstechnik im Mittelpunkt. Karussells waren nur Begleitwerk.

Ab Mitte der 50er Jahre änderte sich das. Die Kirmes mit den Karussells rückte immer mehr in den Mittelpunkt. Schenkels Fotos beweisen, dass Karussells in allen Variationen und jede Menge Stände die Menschenmassen lockten.

Der In Greven aufgewachsene Josef Fischer berichtete vor 25 Jahren von seinen Erlebnissen auf der Kirmes, erzählte vom Schiffschaukel-Bremser August, von der Dame ohne Unterleib und vom Billigen Jacob, der früher im Niederort stand, danach aber die Attraktion des Lambertusmarktes war.

Der Hauptbetrieb spielte sich auf dem Wilhelmplatz ab. Die Buden mit Süßigkeiten und Spielwaren standen hier zwischen den Karussells und zogen sich weiter rechts und links der Straße hinunter bis in den Niederort. Weitere standen noch in der früheren Gartenstraße und entlang der Marktstraße bis zum Marktplatz, wo außer den Buden noch ein großes Karussell seinen Platz gefunden hatte.

Dies war allerdings erst in den 30er-Jahren möglich, da die geistliche Obrigkeit eine Störung des Kirchenbetriebes befürchtete.

Zu den Attraktionen auf dem Wilhelmplatz gehörte damals auch der Zirkus Weber. Hübsche, junge Mädchen tanzten auf einem Podest vor dem Zirkuszelt, während der Chef unter Hinweis auf seine schönen Töchter zum Besuch der Vorstellung aufforderte, erinnerte sich Fischer.

Und er erzählte auch von den Schaubuden, in denen „Erna, die fette, und Paula, die nette” oder „die Dame ohne Unterleib” auftraten und begafft werden konnten. Boxkampfbuden und ein Kleinzirkus vervollständigten das Programm der Darbietungen.

Eine besondere Bedeutung hatte die Kirmes auch, weil an den Kirmestagen in Greven nicht gearbeitet wurde. In Zeiten, in denen Urlaub unbekannt war, natürlich ein ganz wichtiges Ereignis.

Ob bei den Grevenern oder Besuchern aus der Umgebung, ob damals oder heute – die Grevener Kirmes war immer ein Besuchermagnet.

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