Wie ist es als Neubürger in Greven?
„ . . . als wären wir im Urlaub“

Greven -

Friedhelm Redlich und Renate Liedel sind Neubürger in Greven. Und sie fühlen sich wohl.

Mittwoch, 21.08.2019, 11:29 Uhr
Friedhelm Redlich und Renate Liedel sind von Münster-Hiltrup nach Greven gezogen. Und sie haben es nicht bereut.
Friedhelm Redlich und Renate Liedel sind von Münster-Hiltrup nach Greven gezogen. Und sie haben es nicht bereut. Foto: Sina-Marie Hofmann

„Ich bin Urmünsteraner“, erzählt Friedhelm Redlich auf seiner Terrasse mit Blick auf den Emsdeich und die darauf radelnden Menschen. Er lebte über 30 Jahre in Hiltrup, arbeitet seit fast 40 Jahren in Münster bei BASF . Zusammen bewohnte er 13 Jahre mit seiner Frau Renate Liedel eine große Eigentumswohnung im südlichen Teil von Münster.

Wie hat es die Eheleute dann nach Greven verschlagen? „Wir wollten uns verändern und etwas Neues wagen“, erklärt Redlich. Sie hatten schon lange darüber nachgedacht. Beim Anstoßen zum Jahresbeginn 2019 sagte Renate Liedel dann: „Aufs neue Jahr. Ein neues Jahr wird`s nur, wenn wir auch etwas Neues machen.“

Am 1. Januar fingen sie gleich an, nach Immobilien „im Speckgürtel Münsters“ zu suchen. Das erste Angebot, was sie sich angeschaut hatten, war ein schönes Haus in Greven, direkt an der Ems mit tollem Garten. Sie besichtigten noch zwei weitere Immobilien. Doch das Haus „mit mehr Platz, weniger Trubel und viel Grün“, wie Redlich sagt, hat ihnen sofort gefallen. Am 8. Januar entschieden sie sich für das Mietshaus und am 7. April zogen sie dann nach Greven.

Der Umzug war gut geplant. „Mit Friedhelm zusammen ist immer alles gut vorbereitet“, erklärt Liedel. „Wir sind sofort hier angekommen“, meint sie, während sie zur Wasser Karaffe greift – darin frische Früchte, Gurke und Minze.

Die Künstlerin kann sich nun in ihrem eigenen Atelier im Haus ausleben – in der Hiltruper Wohnung hatten sie dafür keinen Platz. Das ganze Haus lebt durch selbst gemalte und gezeichnete Bilder oder Gemälde anderer Künstler. Fast wie eine eigene, kleine Kunstausstellung.

Der Arbeitsweg nach Münster sei für Redlich kein Problem. „Ich bin mit dem Zug noch schneller, als mit dem Auto.“ Nur 16 Minuten Bahnfahrt von Bahnhof zu Bahnhof und ein paar Minuten Fußweg. Manchmal fährt er auch mit dem Rad zurück nach Hause. „Dann habe ich schon mein Fitnessprogramm für den Tag hinter mich gebracht.“

Nach dem Einzug kümmerte sich Liedel um die Anmeldung in Greven und die Ummeldung des Autos. „Dabei habe ich immer gute Erfahrungen gehabt“, erklärt sie. Bei dem Einwohnermeldeamt wurde sie mit „Ich heiße Sie herzlich Willkommen in Greven“ begrüßt. Selbst bei der Ummeldung des Autos sagte man ihr „Jetzt ist ihr Auto auch Grevener.“

Allgemein hat Liedel einen sehr guten Eindruck von Greven und den Grevenern: „Die Leute hier sind alle super nett.“ Sie will noch mehr Kotakte in der Kunstszene knüpfen. In Münster gründete sie eine „Urban sketching“-Gruppe, die sie eventuell auch hier etablieren möchte.

Redlich geht zu seinem Gartenhaus, um seine neu erworbene Wildkamera zu holen. Er schaut nach, ob er die „Nachbars-Meisen“ erwischt habe. „Wahrscheinlich landet das Video dann irgendwo auf Facebook“, scherzt Renate Liedel währenddessen. Redlich fotografiert nicht nur leidenschaftlich gerne – er betreibt seit zehn Jahren Familienforschung. Dadurch erfuhr er, dass er sogar ferne Verwandtschaft in Greven hat – sein vierfacher Urgroßvater war Kötter auf dem Hof Theißmann.

Durch die Familienforschung hat Redlich Anschluss im Heimatverein gefunden. „Das ist für mich klasse“, meint er. Und die Mitglieder des Heimatvereins scheinen sich auch zu freuen: „Endlich kommt mal etwas jüngeres.“

Beide finden, die Menschen seien schon etwas anders als in Münster, etwas gelassener, ruhiger, bodenständiger – „und das ist gut so.“ Außerdem findet Redlich: „Greven hat alles, was man braucht. Den Markt, die Ems und selbst einen Metzger.“ „Und einen so wunderbaren Kuchen wie bei Liesenkötter“, meint Liedel „habe ich noch nicht gesehen und gegessen.“

Doch eine Sache hat bei beiden für Verwirrung gesorgt: Am Kreisverkehr Hallenbad Vorfahrt für die Autos? Trotzdem bleiben mache Autofahrer stehen. Beide fragen sich immer noch: „Wann kann ich mit dem Rad nun fahren?“

Auch die Wertstoffentsorgung ist anders als in Münster: „Wir freuen uns auf einen Recyclinghof.“ Dieser sei nötig, „vor allem, wenn man eine Wohnung ausmistet.“

Redlich schaut auf seinen frisch gemähten Rasen und bemerkt: „Jetzt hat sich auch mein Blick auf das Wetter verändert. Ich denke wirklich öfter: Jetzt muss es aber regnen. Und ich frage mich immer noch: Wie viel gießt man denn?“

Während er freundlich seine Nachbarin grüßt, sagt er zufrieden: „Es ist noch schöner, als wir gedacht haben.“ „Ganz oft sitzen wir hier auf der Terrasse“, ergänzt Liedel, „und es kommt uns vor, als wären wir im Urlaub.“

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