Jugendbildungscamp von Gesamtschule und Kreissportbund
„Die Kinder haben richtig Bock“

Greven -

Das Jugendbildungscamp (früher: „Sommerlager“) von Kreissportbund und Gesamtschule erlebt derzeit sein vierte Auflage. Erneut ziehen viele Partner an einem Strang.

Mittwoch, 04.09.2019, 11:46 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 11:50 Uhr
Auf die Kinder warten viele Bewegungsangebote, etwa Akrobatik im Zirkuszelt. Die Sechstklässler werden unter anderem von älteren Schülern angeleitet.
Auf die Kinder warten viele Bewegungsangebote, etwa Akrobatik im Zirkuszelt. Die Sechstklässler werden unter anderem von älteren Schülern angeleitet. Foto: Oliver Hengst

„Ein richtig cooles Projekt“, nennt es die Sport-Studentin Britta Stein . „Unfassbar unterstützenswert“ sagt Daniel Schnieders ( AOK ). Und „extrem wichtig“ ist es laut Andreas Klose von der Uni Münster. Alle meinen dasselbe: Das „Jugendbildungscamp“ des Kreissportbundes (KSB) und der Grevener Nelson-Mandela-Gesamtschule, das in dieser Woche im Ferienpark Westheide stattfindet. Zum vierten Mal ziehen zahlreiche Kooperationspartner an einem Strang.

Früher hieß die Veranstaltung „Sommercamp“. Die Umbenennung hat Gründe: „Wir wollen bewusst den Bildungsaspekt mehr in den Vordergrund rücken“, sagt Uli Fischer, Vorsitzender des Kreissportbundes. An der wesentlichen Ausrichtung hat sich allerdings nichts geändert: „Gesundheit und Ernährung spielen eine zentrale Rolle“, so Fischer.

Auf dem Gelände des Ferienparks Westheide verbringen aktuell rund 60 Sechstklässler eine bewegte Woche, angeleitet werden sie von 20 älteren Schülern, die ihre Sporthelferausbildung an der Gesamtschule absolvieren. 20 Sportstudierende aus Münster begleiten das Projekt und übernehmen die wissenschaftliche Auswertung – eine landesweit noch immer einzigartige Kooperation, in die noch weitere Beteiligte (unter anderem Abenteuerkiste, Malteser, AOK, Stadt und Sportvereine) eingebunden sind.

Eine, die fortgesetzt wird und deren Konzept immer weiter verfeinert wird. Aktuell werden im Camp noch hochwertigere Lebensmittel verarbeitet und angeboten als sonst. Süßigkeiten sind komplett tabu. Dafür stehen Nüsse, Datteln, Obst und Rohkost bereit. „Gesunde Ernährung ist ein Thema, das für das weitere Leben jedes Einzelnen von großer Bedeutung ist“, sagt Andreas Klose. Verbote jedoch helfen nicht. „Aber man muss Alternativen anbieten.“ Wer bislang nie erfahren habe, wie köstlich Datteln schmecken, komme nicht von allein auf die Idee, die Schokolade liegen zu lassen.

Auch Bewegung in vielfältiger Form steht auf dem Programm. Ballsport, Judo, Kanufahren, Zirkus-Artistik und vieles mehr – an Auswahl mangelt es nicht. „Wir müssen keinen Leistungssport betreiben, es soll Spaß machen. Wir wollen die Leute mit dem Gesundheits-Virus infizieren“, sagt Andreas Klose. Bei seinem Bruder Jörg Klose, Lehrer an der Gesamtschule, laufen die Fäden zusammen. Er sagt: „All das hier wird evaluiert. Direkt im Anschluss an das Projekt geht die Vorbereitung fürs nächste Jahr los.“ Unter anderem sollen erneut studentische Master-Arbeiten entstehen.

Schüler Tillian Borchmann freut sich über die Gelegenheit einer „erstklassigen Sporthelferausbildung“. Er ist auch in der Schülerfirma aktiv, dort wird das Thema gesunde Ernährung aufgegriffen. Auf genau diese Multiplikatoreneffekte setzt das Kooperationsprojekt.

Der Kreissportbund ist aus Überzeugung mit im Boot, wie KSB-Vorstand Stefan Kipp deutlich macht: „Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass die jungen Leute, die hier qualifiziert werden, in Sportvereinen landen und sich dort ehrenamtlich engagieren.“

Bislang war die Entspannung im Camp unterrepräsentiert, das ändert sich in diesem Jahr. „Entspannung ist gerade in einer Ganztagsschule wichtig, damit Lernsituationen gelingen“, ist Schulleiter Ingo Krimphoff überzeugt. Viel Überzeugungsarbeit muss man bei den Kindern nicht leisten, wie Britta Stein festgestellt hat. „Ich hätte nicht gedacht, dass man die Kids damit kriegt.“ Aber genau das gelingt mit den Entspannungsübungen. Abends könne man die Lagerbewohner damit „ordentlich runterholen. Alle finden das supercool.“ Sie möchte die Lagerwoche schon jetzt nicht missen. „Das ist eine super Erfahrung.“ Die Praxis komme sonst im Studium etwas zu kurz. Wenn sie mal eine Lehrerstelle antrete, werde sie an ihrer Schule „mit Sicherheit“ auch versuchen, ein solches Projekt zu initiieren. Warum? „Man kann nach zwei Tagen schon sehen, dass die Kinder richtig Bock haben. Man kann in so kurzer Zeit so viel bewegen.“

All das, was rund um den Westeroder See geschieht, ist nur möglich, weil einige „positiv Verrückte“, wie Krimphoff sie nennt, die Idee leben und forcieren.

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