Bürgerinitiative wehrt sich gegen zwei Hühnerställe am Postdamm
„Wo bleibt der Mist?“

Greven -

Eine neue BI machen mobil. Sie will zwei Hühnerställe verhindern, die am Postdamn in Greven entstehen sollen.

Mittwoch, 18.09.2019, 12:36 Uhr
Bioland-Bauer Alfred Helmig, Nabu-Geschäftsführer Gisbert Lütke, BI-Vorsitzende Claudia Bisping und Barbara Gramann (v.l.). stehen für die BI für saubere Luft und unbelasteten Boden Greven.
Bioland-Bauer Alfred Helmig, Nabu-Geschäftsführer Gisbert Lütke, BI-Vorsitzende Claudia Bisping und Barbara Gramann (v.l.). stehen für die BI für saubere Luft und unbelasteten Boden Greven. Foto: Günter Benning

Für das Foto geht es auf die Wiese zu den Schafen. Ein paar Meter weiter stehen Bienenstöcke, Apfelbäume und ein Bioland-Plakat. Alfred Helmigs idyllischer Nebenerwerbshof in der Landskrone ist das Gegenteil von dem Hühnerbetrieb, der in seiner Nähe entstehen soll. Er und seine Nachbarn haben die „Bürgerinitiative für gesunde Luft und unbelasteten Boden Greven“ gegründet. Gegen die Ställe.

„Bis zum Standort der Ställe am Postdamm sind es 800 Meter“, meint Helmig, „bei Südwestwind riecht man die.“

Bauer Tobias Werning aus Greven und sein Berufskollege Thomas Wickenbrock wollen am Postdamm in zwei Ställen jeweils 14 990 Hühner einstallen. Die Genehmigung hat die Stadt erteilt.

Wären es zehn Hühner pro Stall mehr gewesen, hätte der Kreis genehmigen müssen – und es hätte im Rahmen des Bundesimmissionsschutzes eine Beteiligung Betroffener geben müssen.

Knapp unter den Richtwerten zu bleiben, das sei eine Umgehungspraxis, so die BI, die bundesweit üblich sei.

Claudia Bisping, die Vorsitzende der BI, fühlt sich deshalb „überrollt von diesen Riesenställen.“ Mit den Nachbarn habe es keinen Kontakt gegeben.

Die BI habe 32 Mitglieder, sagt Gisbert Lütke , Kreisgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschlund (Nabu). Landwirte sind – außer Apfelbauer Helmig – nicht darunter.

Nachdem die Stadt die Baugenehmigung für die Ställe veröffentlicht hat, hat der Nabu im August dagegen geklagt. „Nur wir können einen Verbandsklage anstrengen“, sagt Lütke, „die Anwohner können das nicht.“ Die Klage liegt derzeit beim Verwaltungsgericht in Münster – bis zum Verfa

hren kann ein Jahr und mehr ins Land gehen.

Für die Naturschützer ist der Hebel gegen die Ställe die im Kreis seit längerem überhöhte Nitratbelastung des Grundwasser durch Einträge aus der Landwirtschaft. „Teilweise werden die Grenzwerte um das Vierfache überschritten“, sagt Lütke.

Die Schlussfolgerung: Eine weitere Expansion der Tierhaltung dürfe es nicht geben. „Wo bleibt denn der Mist?“, fragt der Nabu-Mann. Schon seit langem würden die Vorgaben der Düngeverordnung nicht eingehalten und Deutschland drohten von der EU hohe Strafgelder.

Derzeit würden auch mit den Betreibern Gespräche gesucht, so Lütke. Aber was deren Ziel sein kann, fasst Alfred Helmig zusammen: „Überhaupt kein Stall! Das ist nicht zukunftsorientiert.“

Die am Postdamm geplanten Ställe sind offen, die Hühner können sich tagsüber frei bewegen, auf mehr als vier Quadratmeter Fläche pro Tier. Also weit entfernt von der Käfighaltung vergangener Tage.

Die BI zweifelt allerdings daran, dass die Hühner das Angebot annehmen. Schriftführerin Barbara Gramann, die selbst Hühner hält: „Hühner sind Fluchttiere, die bleiben beim Stall. Diese Ställe sind industrielle Massentierhaltung.“

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