Trotz Handicap: Frank Zimmermann kommt mit seinem Segway weit
Aufrecht durch die City

Greven -

Frank Zimmermann (55) ist IT-Kaufmann in Münster und fährt mit einem einachsigen Segway durch Grevens Straßen. Eine gute Hilfe gegen seine Gehbehinderung, verrät er im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning.

Freitag, 20.09.2019, 17:34 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 18:00 Uhr
Frank Zimmermann mit seinem Segway.
Frank Zimmermann mit seinem Segway. Foto: Günter Benning

Sie gehören zu den wenigen Leuten, die in Greven ein Segway fahren. Wie sind Sie darauf gekommen?

Zimmermann : Ich habe das seit mehreren Jahren beobachtet. Ich bin gehbehindert und kann keine weiten Gehstrecken am Stück schaffen. Dieses Segway gibt mir die Möglichkeit, meinen Radius unheimlich zu erweitern. Ich komme mit dem Ding durch die Stadt. Es hat eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern. Zu Fuß würde ich gerade mal eineinhalb Kilometer schaffen. Ein Riesenunterschied.

Wir sitzen am Marktplatz und hier sieht man viele motorisierte Rollstühle oder Scooter mit vier Rädern und Dach. Aber so ein Segway verbreitet doch ein anderes Gefühl, oder?

Zimmerman: Es ist offiziell kein Hilfsmittel, wie es im Krankenversicherungsdeutsch heißt. Es steht nicht im Hilfsmittelkatalog, die Krankenkasse zahlt nicht dafür. Ich habe es mir privat angeschafft. Ich habe es deswegen mehrere Jahre im Internet und bei Händlern beobachtet, weil es einfach unverschämt teuer war. Vor einem Jahr habe ich mir das Gerät gekauft, da war der Preis akzeptabel. Es wird in China produziert.

Das hat nur eine Achse, wie geht das?

Zimmermann: Ich habe ein sehr schlechtes Gleichgewichtsgefühl. Ich kann laufen, aber es sieht manchmal aus, als ob ich betrunken wäre. Aber trotzdem kann ich mit dem Ding hervorragend umgehen. Ich muss mich nur draufstellen, es balanciert selbst aus. Theoretisch kann man sogar die Hände vom Lenker lassen – es bleibt einfach stehen. Man lenkt mit dem Körper: nach vorne legen, um vorwärtszufahren, nach hinten, um zu bremsen. Lenken kann man mit der Stange.

Wie schnell fahren Sie?

Zimmermann: Maximal 20, aber ich fahre so gut wie nie mit Vollgas. In der Stadt, wo ich ja eigentlich nicht fahren darf, sowieso nicht. Da fahre ich Schrittgeschwindigkeit. Auf Radwegen oder auf der Straße fahre ich nicht schneller als 15, 16, 17. Das wird mir zu gefährlich, man muss nicht immer Bleifuß fahren.

Sind Sie schon mal gestürzt?

Zimmermann: Ja, ganz am Anfang, als ich es neu hatte. Das war eine einmalige Geschichte, seitdem weiß ich, was man nicht machen darf.

Sie haben Sich neulich ein blaues Behindertensignet auf die Achse geklebt. Ist das eher symbolisch?

Zimmermann: Ja, das hat keinerlei rechtliche Bedeutung, es ist nur ein Hinweis. Ich fahre seit einem Jahr auch durch Fußgängerzonen, obwohl ich weiß, dass man das natürlich nicht darf. Aber es gibt auch Fahrradfahrer, die das machen. Interessanterweise habe ich eben einen Jungen gesehen, der mit seinem Tretroller geschoben ist. Ich benehme mich bewusst immer so, dass ich nirgendwo anecke, ich fahre langsamer als Schrittgeschwindigkeit.

Interessant ist ja, dass es immer mehr Möglichkeiten der Mobilität gibt. Vom Fahrrad mit Ladefläche vorn und Anhänger hinten – bis zum Segway...

Zimmernann: Für die elektronischen Kleinstfahrzeuge, wie E-Roller, gibt es jetzt eine neue Verordnung. Dazu gehört auch mein Segway. Laut den Fahrzeugpapieren ist es eine elektronische Mobilitätshilfe. So ist das deklariert in den TÜV-Unterlagen.

Mobilität ist für sie eine wichtige Sache. Wie sieht das bei der Arbeit aus?

Zimmermann: In Münster, wo ich in einer großen Firma arbeite, die sich in mehreren Gebäuden über ein großes Gelände verteilt, nehme ich das Segway mit. Da kann ich schnell von einem Termin zum anderen flitzen.

Und ist es auch aufzugs-gerecht?

Zimmernann: Ja, aber im Aufzug steige ich ab. Unser Gebäudeservice hat mir gesagt, im Aufzug sei es wohl nicht so sicher. Aber ich darf damit im Gebäude fahren. Das Ding – genau heißt es Ninebot – wiegt nur 25 Kilo, es passt in jedes Auto – auch in meinen Kleinwagen.

Und wenn Sie mal eine Steigung hochfahren müssen?

Zimmermann: Kein Problem, es schafft bis zu 20 Prozent Neigung. Und man steht immer aufrecht.

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