Matthias Herding verlässt Greven und geht ins münsterische Rathaus
Frust und spannende Projekte

Greven -

Matthias Herding, seit zwei Jahren Leiter des Bereichs Stadtplanung im Rathaus, hatte gestern seinen letzten Arbeitstag. Er wechselt als persönlicher Referent von Stadtbaurat Robin Denstorff nach Münster. Mit Herding sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Samstag, 28.09.2019, 08:12 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 16:07 Uhr
Matthias Herding, Bereichsleiter für die Stadtentwicklung in Greven, nimmt kommende Woche seinen neuen Posten in der münsterischen Verwaltung ein.
Matthias Herding, Bereichsleiter für die Stadtentwicklung in Greven, nimmt kommende Woche seinen neuen Posten in der münsterischen Verwaltung ein. Foto: Marie Rolvering

Sie gehen nach zwei Jahren. Wieso?

Herding : Ich wohne in Münster und kann künftig zu Fuß zur Arbeit laufen. Aber viel wichtiger für mich persönlich ist, dass es dort viele spannende Projekte gibt, die ich im Baudezernat begleiten kann: die Entwicklung der Konversionsstandorte und des Hafens, die Stärkung des urbanen Lebens in den Uniquartieren und das Thema Mobilität, das aktuell starke Veränderungen erfährt. Das alles hat mich unglaublich gereizt.

Was nehmen sie aus der Kleinstadt mit?

Herding: Ein Vorteil hier ist das sehr direkte Miteinander im Kollegenkreis. Die Wege sind kurz, im Haus, aber auch außerhalb. Sei es zu den Politikern, aber auch zu den Akteuren der Stadt. Das ist meist ein Vorteil. Aber beim Bäcker nicht auf einen Bebauungsplan angesprochen zu werden, ist für mich persönlich auch einer.

Ihr Kollege Markus Weber aus Telgte war ein Jahr Planungsamtsleiter und geht nach Münster. Saugt die Stadt Personal ab?

Herding: Markus Weber wollte sich, habe ich der Zeitung entnommen, mehr auf sein Leitthema Stadtplanung fokussieren. In kleineren Kommune macht man sehr viele unterschiedliche Themen, gerade in Leitungspositionen. Aber die Stadt Münster ist mit ihren Aufgaben für viele sehr interessant. Sie stellt sich personell stärker auf. Das erzeugt Bewegung auf vielen Positionen.

Was waren die wichtigsten Themen in Greven?

Herding: Im Bereich Stadtentwicklung konnten wir sachliche Teilpläne zu den Themen Einzelhandel, Mobilität und Wohnen abschließen. Da wurde vieles auf den richtigen Weg gebracht. Auch mit dem Grünkonzept sind wir gut sehr gestartet. Wir haben in der Bauleitplanung viele Verfahren zu Ende bringen können: Der Plan Saerbecker Straße/Steenbergstraße, eine Kita in Reckenfeld und an der Naendorfstraße und die Erweiterung der Erich-Kästner Grundschule. Nicht zu vergessen der Wettbewerb in Reckenfeld. Es ist viel angestoßen worden, das mein Team jetzt fortsetzen wird.

Was empfinden sie als gescheiterte Projekte?

Herding: Definieren wir gescheitert so: Wir haben die Vorlage gemacht und sie ist nicht so beschlossen worden. Da war natürlich die Rathausstraße, wo wir erst mal durchschnaufen mussten. Wir befanden uns in einem sehr engen zeitlichen Gerüst und die angestrebten Fördermittel sind jetzt erstmal nicht abrufbar. Viele Grevener haben das nicht verstanden. Am Ende hilft so ein Verlauf keinem.

Die Pläne hatten Sie schon fast euphorisch vorgestellt.

Herding: Natürlich waren viele im Rathaus mit Begeisterung und Herzblut dabei. Dann ist es persönlich schwierig, wenn man eine Vollbremsung hinlegt.

Wie geht es weiter?

Herding: Wir sind im Dialog mit der Politik. Mein Eindruck war, dass sehr viel gewollt wird und wir gemeinsam schauen müssen, was überhaupt geht. Häufig ist es ja so, dass das eine das andere ausschließt. Das kam mir in der Diskussion zu kurz.

Aber doch nach einer langer Diskussion?

Herding: Ja, aber am Ende fand unser Vorschlag nicht die Mehrheit. Es gab nicht die in Greven vielleicht übliche zweite oder die dritte Diskussionsschleife. Ich wünsche mir ab und zu mehr Mut in den Entscheidungen.

Sie meinen den Einbahnstraßenverkehr auf KvG- und Rathausstraße?

Herding: Vielleicht könnte die Einbahnstraße das Problem an der Kardinal von Galen-Straße ein bisschen verbessern. Die Kehrseite ist, es würde viel mehr Verkehr erzeugt und das Problem an andere Stellen in der Stadt verlagert. Ein Gutachten sprach vor Jahren von einer doppelten Anzahl an Verkehrsbewegungen. Vielleicht muss man es jetzt noch mal neu bewerten und vielleicht muss man Neues ausprobieren. Aber die perfekte Lösung ist es nach meiner Auffassung nicht. Kompromisse werden notwendig sein.

Stopp auch für die Rathaussanierung und das Emsauen-Energieprojekt. Naturschützer klagen dagegen. Auch das war für die Stadt eine Niederlage.

Herding: Es war wirklich paradox – Klimaschutz gegen Naturschutz. Jetzt liegt alles auf Eis. Das wäre ein Projekt gewesen, wo sich Greven sicherlich gut hätte präsentieren können als beispielgebend für andere Kommunen. Wir haben sehr viel reingesteckt und dann geht es nicht weiter. So etwas frustriert.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie in die Mühlen der Politik geraten sind?

Herding: Vieles liegt an Kommunikation. Die Politik wird sagen, dass die Verwaltung in gewissen Sachen nicht gut kommuniziert hat. Ich würde sagen, wir sollten darüber reden, was falsch gelaufen ist und versuchen, Rückschlüsse zu ziehen, damit es in Zukunft besser laufen kann. Als ein Opfer sehe ich mich nicht.

An der Mühlenstraße hat ein Investor passable Baupläne für eine Siedlung vorgelegt – aber die Politik wollte den großen Quartiersplan. Was bedeutet das für die Stadtplanung?

Herding: Wenn man das bei jedem Verfahren so macht, ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Ein Quartiersprozess ist bei den Rahmenbedingungen schon der richtige Weg, aber ich hätte mir das als Parallelprozesse vorstellen können. Also, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan behandeln und den Quartiersprozess entwickeln. Letztendlich werden wir alles seriell abarbeiten – aber so dauert es viel länger.

Wo sind die interessanten Wohngebiete der Zukunft?

Herding: Das muss man differenziert betrachten: Unter dem Gesichtspunkt der Mobilität, mit guter Anbindung an die Schiene sind Standorte in Nähe zum Bahnhof zu präferieren. Etwa das Setex-Gelände oder der Rathausplatz. Aber wenn ich mir die berechneten Bedarfe an Wohnbauflächen anschaue, reicht das nicht aus. Die Potenzialfläche aus dem Flächennutzungsplan jenseits des Schifffahrter Damms bringt auf der anderen Seite große Herausforderungen mit sich. Sie ist abgetrennt durch die Straße, es gibt keine Infrastruktur und keine Nahversorgung. Allerdings ist diese Fläche sehr groß und eröffnet vielfältige Möglichkeiten. Die Alternativen müssen auf den Tisch und bewertet werden. Am Ende muss die Frage beantwortet werden, wie Greven wachsen soll.

Welche planerischen Fragen stehen jetzt an?

Herding: Es gibt viele interessante Aufgaben. Etwa bei den Überlegungen, den Rathausplatz zu bebauen. Auch das Setex-Gelände hat tolle Potenziale. Das sind Themen, die politisch diskutiert werden und die Stadt prägen könnten. Wichtig bleiben Projekte wie die Ortsmitte in Reckenfeld. Interessant wird auch die Entwicklung des Raiffeisen-Geländes an der Nordwalder Straße. Man kann sich auf viele interessante, herausfordernde Projekte freuen.

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