Umfrage am Grevener Bahnhof
„Die Zeit nehme ich gerne in Kauf“

Greven -

Bahn und Bundesregierung haben sich dafür ausgesprochen, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Doch wie sieht das in der Realität aus? Die Umfrage am Greven Bahnhof machte deutlich, dass vor allem Pünktlichkeit und Kosten wichtige Themen sind.

Montag, 14.10.2019, 08:54 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 15:42 Uhr
Der RE7 von Münster nach Rheine fährt in den Grevener Bahnhof ein. An diesem Tag kommt er pünktlich. Auch sonst sei er verlässlich, berichten Zuggäste in unserer Umfrage.
Der RE7 von Münster nach Rheine fährt in den Grevener Bahnhof ein. An diesem Tag kommt er pünktlich. Auch sonst sei er verlässlich, berichten Zuggäste in unserer Umfrage. Foto: Luca Pals

Langsam und ohne Verspätung rollt der blau-weiße Zug in den Bahnhof ein, die Türen gehen auf, eilig verlassen Fahrgäste den Zug, die Wartenden am Bahnsteig steigen ein, nehmen Platz und weiter geht`s – Richtung Rheine oder Münster. Schnell muss das Umsteigen gehen, viel Zeit darf die Bahn nicht verlieren. Zu oft werden ihr Unpünktlichkeit und zu teure Tickets nachgesagt. Dabei haben sich Bahn und Bundesregierung doch dafür ausgesprochen, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten – im Kampf gegen den Klimawandel. Wie das funktioniert? Wir haben bei wartenden Fahrgästen am Grevener Bahnsteig nachgefragt.

Auch wenn die Meinungen der Fahrgäste auseinandergehen, wird doch deutlich, dass das Autofahren vor einigen Jahren attraktiver war. Viele der Befragten besitzen kein Auto mehr, haben dieses vor einiger Zeit aufgegeben oder nutzen es nur sehr selten. Eine von ihnen ist Christian Rasper . Sie wohnt in Münster-Hiltrup, war beruflich in Greven unterwegs und sagt: „Ich nutze das Auto schon seit vielen Jahren kaum noch. Es ist einfach wichtig, dass jeder von uns seinen Teil zum Klimaschutz beiträgt.“ In Münster würde sie viel mit dem Fahrrad fahren, außerdem geht sie auf Demos von „Fridays for Future“ mit. Sie gibt zwar auch zu, dass die Bahn manchmal zu spät kommen würde, sagt aber auch: „Für den Umweltschutz nehme ich die Wartezeit gerne mal in Kauf.“

Der Grevener Doktor Christian Salmen sieht das anders: „Die Pünktlichkeit der Bahn ist wirklich grenzwertig.“ Außerdem würde die Information und Transparenz seitens der Bahn bei Ausfällen und Verspätungen von Zügen „viel zu spät kommen.“

Salmen sieht auch ein Problem bei den Ticketpreisen: „Eine Fahrt nach Münster ist schon sehr teuer. Mit dem Auto ist man wesentlich günstiger unterwegs.“ Sein Fazit: „Preislich gesehen macht es keinen Sinn, den Zug zu nehmen. Da muss die Bahn noch viel machen, um die Menschen vom Auto weg zu bekommen.“

Stichwort Preise. Martin Weber, der aus Sachsen kommt, aber „öfters in Greven unterwegs“ ist, rechnet vor: „Wenn ich von Leipzig nach Bamberg fahre, zahle ich 35 Euro. Mit dem Auto würde es 15 Euro mehr kosten. Und länger unterwegs ist man auch.“ Daher sei die Bahn auf Langstrecken attraktiver als der Pkw, auf kurzen Strecken stimmt er aber zu: „Das ist zu teuer.“

Es lässt sich aber bei Weitem nicht sagen, dass alles schlecht sei bei der Bahn. Der Grevener Christian Gähr nutzt sie täglich. Ernährungswissenschaften in Münster studiert er und kann nicht klagen: „Die Züge kommen meist pünktlich. Es sind nur wenige Verspätungen. Wenn das mal passiert, sind die Informationen durch die App auf dem Smartphone sehr hilfreich.“ Der einzige Knackpunkt: „Morgens während des Berufsverkehrs ist es ein bisschen voll.“ Das könne er aber leicht in Kauf nehmen. Das Semesterticket für Studenten macht es für ihn auch günstig.

Ein weiterer Grevener, der an dieser Stelle lieber anonym bleiben möchte, sagt: „Es lohnt sich einfach nicht, das Auto zu nehmen.“ Natürlich sei dies bequemer, aber preislich würde es keinen großen Unterschied machen, sagt er unserer Zeitung. Er selber habe die App fürs Handy nicht und achte auf die Anweisungen am Bahngleis: „Das reicht mir. Ich finde die Infos zuverlässig.“

Außerdem seien die Züge in der Regel pünktlich: „Sonst muss man mal zwei Minuten warten. Das macht auch keinen Unterschied“, sagt er und steigt in den Zug nach Münster – pünktlich und klimafreundlich: So wie es sich viele wünschen.

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