Warum das Kreis-Jahrbuch auch nach 33 Jahren weder altbacken noch heimattümelnd ist
Lokalgeschichte von unten

Greven -

Jedes Jahr das gleiche Konzept: ein Leitthema, mehrere Rubriken und ein weitgehender Orts-Proporz: Kann das immer wieder aufs Neue funktionieren? Ja, es kann. Weil die Menschen, die das Buch machen, dieses Konzept stets mit Leben und Ideen erfüllen.

Mittwoch, 16.10.2019, 11:09 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 16:14 Uhr
Das neue Kreisjahrbuch.
Das neue Kreisjahrbuch. Foto: Michael Hagel

Und mit Texten, die so etwas wie Geschichte von unten bieten. Kurzum: Das Jahrbuch des Kreises Steinfurt funktioniert auch 2020 als Ort für Lokalhistorie und Heimatchronologie.

Vergangene Woche stellten Kreisheimatpflegerin Reinhild Finke und Landrat Dr. Klaus Effing das Buch im Ballenlager in Greven vor. 250 Heimatfreunde waren gekommen, um sich Lese-Appetit zu holen für die langen Winterabende. Abende, an denen man das Jahrbuch zur Hand nehmen und sich in die spannenden Geschichten aus den Städten und Dörfern des Kreises vertiefen sollte.

Das Schwerpunktthema „Alle Wetter! Wetter und Klimawandel im Kreis Steinfurt“ schlägt dabei den Bogen von den Problemen unserer Gegenwart zu Phänomenen, mit denen es die Menschen im Kreis schon sehr viel früher zu tun hatten. Silke Wesselmann vom Kreis Steinfurt steuert ein kleines Theaterstück in fünf Akten bei, in dem der Klimawandel ebenso kindgerecht wie originell aufbereitet wird. Thomas Starkmann von der Biologischen Station des Kreises berichtet über Gewinner und Verlierer des Klimawandels – allerdings im Tierreich.

Emshochwasser

Eingegraben ins kollektive Bewusstsein der Ems-Anrainer hat sich das Jahrhunderthochwasser vom Februar 1946, dessen Dimensionen man sich heute kaum noch vorzustellen vermag. Herbert Runde aus Greven und André Schaper aus Rheine erinnern daran. Oder der Schneesturm von 2005: Ulrike Kluck (Laer) und Josef Brinker (Hopsten) beschreiben, wie sich die Menschen im weißen Chaos mühsam behaupteten – und gleichzeitig eng zusammenrückten.

Dramen wie diese sind noch bei vielen präsent. Aber wer weiß etwa, dass das Jahr 1816 ein Jahr ohne Sommer war? Angelika Pries beschreibt, wie eine gewaltige Vulkanexplosion im fernen Indonesien auch in unserer Region den Himmel verdüsterte. Die Folge waren ein Winter mitten im Sommer, Ernteausfälle und Hunger. Wer mag, kann Parallelen ziehen zu den Klimaextremen unserer Zeit.

Menschen, Kultur, Natur

Aber auch in den Standardrubriken wie Ortsgeschichte, Menschen, Kultur oder Natur findet sich Lesenswertes. Lothar Kurz aus Rheine schreibt über ein Kriegsgefangenenlager, Dr. Willi Feld aus Steinfurt über ein NS-Opfer, das mit seinem Antrag auf Entschädigung nach dem Krieg scheiterte. Prof. Rosemarie Tüpker stellt den Borghorster Bauhaus-Künstler Heinrich Neuy und das ihm gewidmete Museum vor, Werner Peters beschäftigt sich mit Skulpturen auf dem Grevener Emsdeich. Und Werner Friedrich erinnert an den 2018 verstorbenen Kunstförderer und Brückenbauer Joachim Lucas.

Nach dem Ende der Steinkohleförderung in Ibbenbüren blickt Dr. Gunnar Gawehn zurück auf die 500-jährige Kohle-Geschichte des münsterländischen Reviers. Der Wolf, der kürzlich erstmals wieder im Kreis gesichtet wurde, ist Gegenstand des Textes „Blutiges Ende eines Raubtieres“ von Felix Büscher. Er erzählt, wie 1613 bei Recke der letzte Wolf eines Rudels getötet wurde. Wie die Geschichte mit dem Wolf und dem Kreis Steinfurt 400 Jahre später weitergeht, bleibt einstweilen offen ...

Na, Lust auf das 286-seitige Jahrbuch bekommen? Es kostet 10 Euro – und ist garantiert weder altbacken noch heimattümelnd.

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