Neuer Abwasserbetriebspunkt im Bau
Dicke Rohre gegen starken Regen

Greven -

Das Wichtigste ist, wie so oft, das Unscheinbare: Ein fast versteckter Durchlass am Emsdeich. „Das ist die neue Notentlastung“, sagt Klaus Rading, Leiter des Abwasserbereichs der TBG, auf der Baustelle an der Kerkstiege. Sollte es noch einmal so regnen wie am 28. Juli 2014, können hier pro Sekunde 4000 Liter Wasser in die Ems fließen. Vier Mal soviel wie zuvor.

Freitag, 18.10.2019, 11:00 Uhr
Klaus Rading an dem neuen Regenwasserreinigungsbecken.
Klaus Rading an dem neuen Regenwasserreinigungsbecken. Foto: Günter Benning

Was das bedeutet, sagt Rading blumig: „Man schläft damit ruhiger. Das ist der Fallschirm zu den Hosenträgern und dem Gürtel.“ Für den Leiter des Abwasserbereichs ist das Grund für alle Maßnahmen noch immer der Starkregen vor fünf Jahren: „Die meisten Kommunen bereiten sich auch heute noch mehr auf Hochwasser vor“, sagt er, Starkregen werde erst langsam als Bedrohung wahrgenommen.

In Greven ist das anders, nachdem 2014 große Teile der Innenstadt unter Wasser standen.

Ein neuer „Abwasserbetriebspunkt“, so der offizielle Name, auf der Emsinsel neben der Nordwalder Straße ist schon seit längerem fertig. Mit dem Rohr an der Kerkstiege steigt nun auch die Regensicherheit für die Grevener links der Ems.

Diese Pumpen befördern das Wasser in die Höhe.

Diese Pumpen befördern das Wasser in die Höhe. Foto: Günter Benning

Aber der Durchlass mit Rückschlagventil – bei Emshochwasser darf das Wasser nicht eindringen – ist nur ein Mosaikstein für die bessere Regenwasserbehandlung.

Neben dem Pumpenhaus an der Kerkstiege aus dem Jahr 2002 ist ein 22 mal sieben Meter großes Betonbecken entstanden. Hier wird Regenwasser gereinigt, das auch aus dem Gewerbegebiet an der Ems hereinfließt. Reifenabrieb, Ölbelastung, Laub und Schlamm – das alles kann sich erst einmal in dem drei Meter hohen Becken absetzen. 400 Kubikmeter Wasser können so behandelt werden.

Bei Ölunfällen, sagt Rading, sei man jetzt auf der sicheren Seite. „Bisher hatten wir keine Reinigungsstufe“, erklärt er, „aber wir haben hier möglichen gesetzlichen Regelungen schon vorgegriffen.“

Das Notstromaggregat im Hintergrund wird erneuert.

Das Notstromaggregat im Hintergrund wird erneuert. Foto: Günter Benning

Auch im Technikgebäude selbst wird aufgerüstet. So wird ein neuer Trafo und ein Notstromaggregat eingebaut. „Wir hatten bisher nicht die notwendige Stromspannung, um bei Starkregen alle Pumpen laufen zu lassen“, sagt Rading. Das Netz der Stadtwerke reichte nicht, und das vorhandene Notstromaggregat ist zu schwach.

Das neue Becken und die Notentlastung haben die TBG bisher eine Million Euro gekostet. Eine weitere Million werden die „energetischen Maßnahmen“ kosten, wie Rading sagt.

Mitte nächsten Jahres sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

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