Archivgespräch im Rathaus führt zurück ins Jahr 1900
Ein Besuch auf dem Amt

Greven -

Im Hotel Dercken fing alles an. Grevens erste Amtsverwaltung begnügte sich dort mit einem Zimmerchen. Kein Vergleich zum Betonpalast der Neuzeit. Fast 30 Personen verfolgten ebendort beim Archivgespräch am Donnerstag mit großem Interesse die Ausführungen von Leonhard Plitt.

Samstag, 19.10.2019, 07:10 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 07:30 Uhr
Der Grevener Amtmann Hermann von Roesdorff-Salm (1896-1910).
Der Grevener Amtmann Hermann von Roesdorff-Salm (1896-1910).

Stadtarchivarin Anna Lindenblatt stellte ihn der Zuhörerschaft vor: Er studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Geschichte und Politikwissenschaften und schloss in diesem Jahr sein Studium mit dem Master of Education ab.

Im Rahmen seiner Masterarbeit hat er sich mit schriftlichen Quellen der Grevener Verwaltung aus der Zeit des 19. Jahrhunderts beschäftigt.

Der Vortrag von Leonhard Pitt machte deutlich, dass er über ein fundiertes Wissen der Entwicklung der Grevener Verwaltung im 19. Jahrhundert verfügt. So nahm er seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung der Grevener Verwaltung ab 1815, nun als Verwaltungsbezirk Teil der preußischen Provinz Westfalen.

Er zeigte zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen der Verwaltungsentwicklung bis etwa 1910 auf, beginnend mit den preußischen Landgemeindeordnungen von 1841 und 1856.

Auch die preußische Verwaltungsstruktur vom König bis auf die Ortsebene hinab, also bis zum Bürgermeister, zum Amtmann, zum Gemeindevorsteher und deren Weiterentwicklung wurde vorgestellt.

Das Drei-Klassenwahlrecht fand dabei natürlich besondere Berücksichtigung, denn es war auf die Steuerkraft der Person ausgerichtet. Diesem Aspekt galt auch eine Reihe von Nachfragen nach dem Vortrag.

Weitere Schwerpunkte des Vortrags waren das Amtshandeln der Grevener Amtmänner des 19. Jahrhunderts und ihre erst ganz allmählich, dann sich aber schnell vergrößernde Verwaltung, angefangen beim Amtmann Friedrich Wilhelm Tümler (1825-1875) bis zum Amtmann Hermann von Roesdorff-Salm (1896-1910).

Etwas unglaublich war die Wahl der Grevener Amtsbüros durch die Amtsverwaltung. Hier sieht man, Bescheidenheit hindert die Effektivität: Tümlers kleines Amtszimmer im Hotel Dercken . Erst ab 1904 wurde im Haus Winninghoff (gegenüber der Gaststätte) Verwaltungsarbeit in mehreren Abteilungen in vollem und notwendigem Umfang durchführbar.

Notwendig gemacht wurde diese Vergrößerung der Grevener Verwaltung durch die schnelle wirtschaftliche Entwicklung und die damit einhergehende starke Entwicklung der Bevölkerungszahl des Amtes, die sich von 1830 bis um 1900 fast 7200 Einwohner verdoppelte.

Dazu kam die Entwicklung des Straßennetzes, vor allem der Chausseen, ab 1843 nach Münster und 1869 von Holland über Nordwalde nach Greven, der Textilbetriebe (1855 Eröffnung der Grevener Baumwollspinnerei) und anderer mittelständischer Betriebe verschiedener Branchen.

Wichtig war deshalb auch die Anbindung an das Eisenbahnnetz Münster-Rheine (1856) und an den Dortmund–Ems-Kanal in den 1890er Jahren.

Die historischen Bögen, die an diesem Abend geschlagen wurden, waren komplex, faszinierend und beeindruckend. Der Stadtarchivarin Anna Lindenblatt kann man zur Themenwahl ihres ersten Archivgesprächs gratulieren. Auch das Archivgespräch am 15. Januar kommenden Jahres zum Thema „Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813-1815“ mit Dr. Dirk Ziesing verheißt einen interessanten Abend.

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