Gefangen im Paragrafen-Netz
Grevener Landwirte teilen die Sorgen der demonstrierenden Kollegen

Greven -

Bei den Landwirten gärt es. Nächsten Dienstag ruft eine Netz-Gemeinde von Bauern jenseits der Bauernverbände zum Protest in Bonn auf. Auch in Münster soll demonstriert werden. 

Sonntag, 20.10.2019, 13:10 Uhr aktualisiert: 20.10.2019, 14:19 Uhr
Sauer auf die Politik (b.l.): Ralph Uennigmann, Ortslandwirt für Schmedehausen und Hüttrup, Ortsvereinsvorsitzender Matthias Langkamp und Schriftführer Tobias Werning.
Sauer auf die Politik (b.l.): Ralph Uennigmann, Ortslandwirt für Schmedehausen und Hüttrup, Ortsvereinsvorsitzender Matthias Langkamp und Schriftführer Tobias Werning. Foto: bn

„Es werden Kollegen aus Greven dabei sein“, meint Matthias Langkamp , Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Langkamp hatte auf seinen Hof in Wentrup geladen, um das Dilemma der Landwirtschaft klar zu machen. Er hat Zuchtsauen, zieht Ferkel auf und mästet sie. „Im Schweinebereich“, gibt er zur Verordnungsflut, der Landwirte ausgesetzt sind, „gibt es eine riesengroße Baustelle.“

Ein Beispiel: Das Verbot der Kastration von Ferkeln ohne Betäubung, das ab kommendem Jahr gilt.

Lokale Betäubung beim Kastrieren

„Im Grunde wollen wir die Kastration auch nicht“, sagt Langkamp. Aber es werde durch die Politik keine brauchbare Alternative geboten.

► Lösung 1: Alles lassen, wie es ist. Das sei nicht vorgesehen.

► Lösung 2: Der Einsatz von Betäubungsgas. Doch die Geräte dafür würden allein 10 000 Euro kosten, man brauche einen separaten Raum, der Aufwand sei zu groß.

► Lösung 3: Gar nichts tun. Dann setze man sich der Gefahr aus, dass drei Prozent der Eber zu „Stinkern“ werde. Ihr Fleisch riecht in der Pfanne. Langkamp: „Das wollen die Verbraucher und die Schlachtbetriebe nicht.“

„Wir brauchen die Lösung 4“, sagt der Ortslandwirt. Das wäre eine lokale Betäubung beim Kastrieren. Doch die dürfe in Deutschland nur ein Veterinär durchführen. Andere Länder – andere Regeln.

Ablehnende Haltung in der Gesellschaft

Das Beispiel ist nur eines aus einer Reihe bürokratischer Regelungen, die den Bauern das Leben schwer machen. „Ein Drittel meiner Zeit“, sagt etwa Ralph Uennigmann , Ortslandwirt für Schmedehausen und Hüttrup, „verbringe ich im Büro." Hinter vielen neuen Regelungen stecke die Lobbyarbeit von Interessens- oder Naturschutzverbänden. Ideologen trieben die Landwirte. „Wir fühlen uns als ausgebildete Fachleute nicht gehört“, sagt Uennigmann.

Tobias Werning, Schriftführer des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes, hat die ablehnende Haltung in der Gesellschaft gegen Projekte auf landwirtschaftlichen Flächen am eigenen Leib erfahren. Einerseits bei seinen Plänen, einen modernen Hühnerstall für die Eierproduktion am Postdamm zu errichten. Andererseits mit dem Vorhaben, in Greven einen Windenergiepark zu bauen. Werning spricht von der „Bilderbuchromantik“, die offenbar viele Verbraucher mit der Landwirtschaft verbinden.

Hohe Investitionen in neue Silos

Die Verbraucher seien aber nicht bereit, für Fleisch auch Preise zu bezahlen, die für eine weniger intensive Landwirtschaft nötig wären. Vom Schwein, meint Ralph Uennigmann, kaufe der deutsche Verbraucher nur die besten Teile: „Die Schnitzel.“

Aber wer hier auch Rippchen, Bauch, Schwanz oder Nase von Tieren verkaufen wolle, bleibe darauf sitzen. Das gehe dann als Delikatesse nach China. Uennigmann: „Wir leben in einer globalisierten Welt.“

Auch die ab nächstem Jahr geltende Düngeverordnung macht den Landwirten Sorgen. Im Grund, so Matthias Langkamp, könne man damit leben, nur im Frühjahr zu düngen. Aber das bedeute für viele Bauern hohe Investitionen in neue Silos, um den anfallenden Dünger über zehn Monate aufzubewahren. Tatsächlich gebe es in einigen Bereichen schon eine Unterversorgung der Futterpflanzen. In Dänemark, wo es auch eine rigide Reduzierung von Stickstoffdüngung gegeben habe, sei man wieder davon abgegangen, weil kein Qualitätsgetreide produziert werden konnte.

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