Anthony Adani ist neuer Pfarrer in der Martinus-Gemeinde
Wenn ein Traum Wirklichkeit wird

Greven -

Anthony Adani ist der neue Pfarrer in der Martinus-Gemeinde. Er stammt aus Nigeria und wird in zwei oder drei Jahren auch dorthin zurück gehen. Begonnen hat seine Geschichte als Pfarrer schon im zarten Alter von fünf Jahren

Samstag, 19.10.2019, 13:10 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 13:40 Uhr
Anthony Adani ist der neue Pfarrer in der Martinus-Gemeinde. Er stammt aus Nigeria und wird in zwei oder drei Jahren auch dorthin zurück gehen.
Anthony Adani ist der neue Pfarrer in der Martinus-Gemeinde. Er stammt aus Nigeria und wird in zwei oder drei Jahren auch dorthin zurück gehen. Foto: Peter Beckmann

Wenn man einen kleinen fünfjährigen Jungen fragt, was er mal später werden will, kommen die tollsten Sachen zum Vorschein: Baggerfahrer, Feuerwehrmann, Pilot oder Lkw-Fahrer. Meistens klappt es nicht. Bei Anthony Adani war das ganz anders. Der hatte als Fünfjähriger beschlossen Pfarrer zu werden. Und: Er hat es geschafft, trotz eines ganz langen Weges. Und seit kurzem ist er als neuer Pfarrer in der Martinus-Gemeinde aktiv.

Es war in seiner Heimat Nigeria. Dort lebte Anthony Adani mit seiner Familie. „Wir waren nicht reich, ich würde sagen Mittelschicht“, erzählt der 46-Jährige. Entscheidend: Im Nachbarhaus lebte ein Priester, der den kleinen Jungen schwer beeindruckte. „Ich habe meinen Vater gefragt, was dieser Mann macht. Und er hat es mir erklärt.“ Von da an war für Adani klar: ich will das auch.

Was dann kommt, kann man sich hier in Europa eigentlich nicht vorstellen. Denn um Priester zu werden, muss man in Nigeria einen sehr langen Weg gehen und sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Aber: Genau so war es bei Anthony Adani. Nach der Schule absolvierte er eine Prüfung und wurde im Priesterseminar angenommen. Dort wurde sechs Jahre gelernt. „Wir mussten viele Prüfungen ablegen“, erzählt er. Dann kam ein Spitual-Seminar, ein Jahr lang. „In diesem Jahr wurde uns die Zeit gegeben darüber nachzudenken, ob wir wirklich Priester werden wollen.“ Dann folgte der Wechsel auf ein anderes Priesterseminar, das St.-Joseph-Mayor-Seminar in Ikot Ekpene, einem Ort im Süden Nigerias. Dort studierte Adani vier Jahre Philosophie und machte seinen Bachelor. Danach ein weiteres Jahr zum Überlegen. Und schließlich vier weitere Jahre Studium der Theologie. „Diese lange Zeit ist völlig normal in Nigeria“, verdeutlicht Adani. Am 8. September 2001 wurde er schließlich zum Priester geweiht.

Nach einer viermonatigen Tätigkeit als Kaplan in einer Gemeinde wechselte Adani zurück zum Priesterseminar, um dort die Absolventen seelsorgerisch zu betreuen. Später wurde er Assistent des Rektors und 2004 selbst Rektor des Priesterseminars. Von 2013 bis 2014 war er schließlich als Pfarrer in einer Gemeinde in Nigeria tätig. Was nicht so selbstverständlich ist wie in Deutschland. „In Nigeria gibt es keine Kirchensteuer, unserer Gehalt wird mit Spenden finanziert“, verdeutlicht er.

Dann schließlich schickte ihn sein Bischoff nach Deutschland. „Ich sollte im Fach Philosophie promovieren.“ An der Akademie Klausenhof in Dingden lernte er ein Jahr lang deutsch und zog dann nach Koblenz, wo er Mitte diesen Jahres promovierte. „Während dieser Zeit habe ich in den dortigen Gemeinden ausgeholfen“, erzählt er. Hintergrund seines Studiums: Im Priesterseminar in Nigeria fehlten dringend Lehrer, die Philosophie unterrichten konnten.

Doch zunächst, so der Wille des Bischofs, sollte er Erfahrungen in einer Gemeinde in Deutschland machen. Und genau dafür ist er jetzt in Greven, für zwei, oder drei Jahre. „Wie lange, das steht noch nicht fest.“ An Deutschland hat er sich längst gewöhnt, an das Essen, an das Wetter. „Das ist natürlich ganz anders als in meiner Heimat“, sagt er. Er fühle sich sehr wohl hier, von Rassismus habe er bislang nichts mitbekommen. „Die Menschen sind alle sehr nett zu mir.“ In Reckenfeld hat er bereits den ersten Gottesdienst gehalten und sich vorgestellt, genau so im Krankenhaus und im Gertrudenstift. In der Martinus-Kirche ist es am Montagmorgen soweit.

Obwohl er sich sehr wohl fühlt denkt er oft an die Heimat, steht mit seinem Bischoff mindestens einmal die Woche in Kontakt. Er selbst wurde im Süden des riesigen Landes groß. Dort leben auch überwiegend Christen, wohingegen im Norden Nigerias Muslime beheimatet sind.

Und über allem schwebt der Terror. Boko Harram, eine islamistische terroristische Gruppierung die dem IS angehört, terrorisiert den Norden des Landes, gelangt aber immer öfter auch in den Süden. „Als Christ in Nigeria ist man leider nicht sicher“, erzählt Adani.

Trotzallem denkt er mit viel Wehmut an sein Land, auch an die vielen Menschen, die dort hungern. „Wir haben in Nigeria eigentlich genug, damit alle Mensch dort gut leben könnten“, verdeutlich der Pfarrer. Aber die Korruption im Land mache alles kaputt.

Anthony Adani hat einen langen, schweren Weg hinter sich, hat aber nie an seiner Berufung gezweifelt. „Ich habe es nie bereut, Pfarrer zu werden“, sagt er mit fester Stimme und ganzer Überzeugung. Sein Traum habe sich erfüllt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7008528?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Bomben-Verdacht: Evakuierung droht
Auf diesem Grundstück an der Von-Steuben-Straße gibt es einen Blindgängerverdacht.
Nachrichten-Ticker