Lars Götze entwirft Werbespots für Filme
„Ich muss Ideen weiter denken“

Greven -

Etwas Schleichwerbung gefällig? Stehen zwei Männer im Wald, zwischen zwei Grizzlybären. Der eine will die Ungeheuer mit Äpfeln, Bier und Honig bestechen. Aber als der Bär zum Süßen greift, ruft der Mann: „Dann kauf‘s doch selbst bei Netto.“

Samstag, 19.10.2019, 10:05 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 10:10 Uhr
Lars Götze an seinem Arbeits-PC mit einem Selbstbildnis. Er zeichnet auf dem digitalen Grafiktablett.
Lars Götze an seinem Arbeits-PC mit einem Selbstbildnis. Er zeichnet auf dem digitalen Grafiktablett. Foto: Günter Benning

Lars Götze (37) hatte die Filmszene im Kopf, bevor sie überhaupt gedreht wurde. Er ruft seine Zeichnungen davon auf dem Bildschirm in seinem Büro auf. Ein Home-Office in einer gemieteten Doppelhaushälfte in der Wöste, weit entfernt von Berlin, Hamburg, München, den El Dorados der Kreativbranche. „Ich muss Ideen weiter denken“, sagt er, „die es noch nicht gibt.“

Das kann er eigentlich überall. Götze ist gebürtiger Berliner, aber in Salzbergen aufgewachsen. Er hat in Münster Design mit Schwerpunkt Illustration studiert. Ab 1999 gehörte er zu der Entdecker-Generation, die per Zeichentablett direkt im Computer gezeichnet und gemalt hat: „Ich war einer der Ersten in der internationalen Bewegung“, sagt er, „wir haben uns da früh in Foren ausgetauscht.“ Als er ins Berufsleben einstieg, hatte er gleich deutschlandweit Kundschaft.

Götze bedient Kreative in Werbeagenturen, die ihre Ideen bebildern müssen. „Man telefoniert lange mit den Leuten“, sagt Götze. Dann schildern sie etwa die Idee für die Netto-Werbung im Wald. Und der Neu-Grevener entwirft, was später einmal als Werbespot gedreht werden soll.

Denn die Kundschaft will etwas sehen, bevor sie viel Geld in ein Video steckt. Und wenn die Bilder gefallen, geht das Projekt in der Regel noch einmal in die Marktforschung. „Die ist der heilige Gral der Werbung“, sagt Lars Götze in seinem nüchternen Büro mit den Plüschtieren, die von seiner Tochter stammen und der gewagten Lego-Konstruktion, die er zusammen mit seiner Frau gebastelt hat. Ordentlich in einer Museumsvitrine geschützt – damit es nicht zustaubt.

Nach Greven kam er vor fünf Jahren, so wie viele: „Wegen der Wohnungspreise.“ Mit Frau und Kind in Münster etwas zu finden, sei kaum möglich gewesen. Und seine Arbeit kann er überall erledigen: „Mein Agent hat mir mal gesagt, du arbeitest im Untergrund.“

Selbst im Büro trägt Götze seinen Trilby-Hut. Wie Frank Sinatra, Leonhard Cohen, benannt nach einer Novelle von Daphne du Maurier. Kleine Krempe, britisch snobistisch – und sein Markenzeichen. Unten auf der Garderobe liegt ein gutes Dutzend davon. „In meinem Gewerbe“, sagt Götze, „kommt es darauf an, dass man sein Image pflegt.“

Er arbeitet für die Werbung, zeichnet aber auch Messestände oder Inneneinrichtungen fantastischer Ökoläden. Wie immer im Kreativmarkt gibt es phasenweise Flauten, dann türmen sich die Aufträge: „Damit muss man leben.“ Auch damit, dass der Druck immer größer wird. Die Kunden kämen gerne am Freitag mit einer tollen Idee – und die wollten sie dann am Montag gleich bebildert vorliegen haben. Sonntagsarbeit und Nachtschicht – für Götze gehört das zum Business.

Die Technik wird immer besser. Grafikprogramme können bereits Menschen animieren. Hat er da keine Angst, überflüssig zu werden? Götze schüttelt den Kopf: „Als Illustrator muss man manchmal gegen den Realismus arbeiten.“ Und das machen Programme nicht.

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