Gut besuchter musikalischer Kaffeetreff
Erst pathetisch, dann romantisch

Reckenfeld -

Solch eine niveauvoll-unterhaltsame Kaffeestunde wie mit Stefan Erdmann und Imke Fletcher erlebt man nur selten. Sehr groß war die Resonanz bei den Liebhabern feinster Gesangskunst, da waren am Sonntag im großen Saal des Deutschen Haus im Herzen von Reckenfeld freie Plätze gleichsam Mangelware.

Montag, 21.10.2019, 18:30 Uhr
Stefan Erdmann
Stefan Erdmann

Bestens kulinarisch verwöhnt konnte man sich mit den beiden sympathischen Musikern auf eine Reise begeben vom sonnigen Süden Italiens bis in eher kalte nordische Welten.

Bariton Stefan Erdmann hatte in der Pianistin Imke Fletcher eine kongeniale Partnerin

  Foto: Axel Engels

gefunden, die mit ihrer sensiblen und kultivierter Spielweise den instrumentalen Grund lieferte, auf dem sich die Stimme dann glanzvoll entfalten konnte. Auch wenn man der Pianistin ein „besseres“ Instrument gewünscht hätte, konnte sie doch ihre ganzen Qualitäten einbringen und sich als versierte Begleiterin erweisen.

Mit ihren charmanten Anmoderationen führte sie in die jeweiligen Werke ein, so dass man sich bestens auf die von Intrigen und Leidenschaften durchdrungenen großen Opernarien einstellen konnte. Sie schuf dadurch einen innigen Kontakt zum Publikum.

Der erste Konzertteil war der Welt des Belcanto gewidmet. Mit Feingefühl hatten beide Musiker sich da bei Guiseppe Verdi, Georges Bizet, Ruggero Leoncavallo und Gioacchino Rossini genau die Arien ausgesucht, die wohl jeder im Saal liebte.

Wer so bekannte Melodien wie „Toreador en garde“ aus dem zweiten Akt der Oper „Carmen“ aufs Programm setzt, muss neben einer ausdrucksstarken Stimme auch über eine große Bühnenpräsenz sowie schauspielerisches Können verfügen. Stefan Erdmann zeigte sich dieser Herausforderung gewachsen, genoss man seine mit Temperament und Leidenschaft vorgetragenen Ausflug auf die iberische Halbinsel. Auch bei „Di Provenza“ aus der Oper La Traviata“ konnte er mit warm timbrierter Stimme Raum und Zeit vergessen lassen.

Für das große Finale des ersten Teils hatte er sich die Arie „Largo al factotum“ aus der Oper „Barbier von Sevilla“ von Rossini ausgesucht. Bei diesem tief im italienischen Belcanto-Gesang verwurzelten Lied bestach seine bis ins kleinste Detail stimmige Interpretation, wobei Imke Fletcher den spritzig humoristisch eingefärbten Charakter bestens in ein farbenreiches Gewand kleidete.

Im zweiten Konzertteil ging es auf das eher intimere Gebiet des Liedgesangs. Hatte Stefan Erdmann sich vorher noch von einer sehr pathetisch-kraftvollen, für die Opernarien überaus passenden Seite gezeigt, so war er bei den intimeren Liedern bestens zu Hause. Da die Liedtexte im Programmheft abgedruckt waren, konnte man die von romantischen Gefühlen bestimmten Liedern noch besser genießen. „Zwielicht und Waldesgespräch“ von Robert Schumann konnten ihre ganze Magie entfalten und der „Erlkönig op. 1 Nr. 3“ von Carl Loewe erklang mit sicherem dramatischen Ausdruck.

„Der Doppelgänger“ aus dem „Schwanengesang D95“ von Franz Schubert schien wie für diese beiden Musiker geschrieben, so einfühlsam und inspirierend wirkte deren Interpretation.

Dieser Nachmittag zeigte, dass Liedgesang immer ein aufgeschlossenes Publikum findet, wenn er so hochwertig und authentisch präsentiert wird.

  Foto: Axel Engels

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7014157?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Mehr Glanz für die Promenade
Münsters grünes Glanzstück, die Promenade, soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme komplett saniert werden. Dafür will die Stadtverwaltung im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept vorstellen.
Nachrichten-Ticker