Uwe Holtgreve ist für den Bundes-Ehrenamtspreis vorgeschlagen
Backen mit gefährlichen Straftätern

Greven -

Backen überwindet Grenzen. Sogar hinter Hochsicherheitsgittern. Uwe Holtgreve (53), gelernter Koch aus Greven, hat damit seine Erfahrungen gemacht. In der forensischen Christopherus-Klinik der Alexianer in Amelsbüren backt er einmal pro Woche Apfelkuchen, Erdbeerschmandkuchen und Philadelphiatorte mit intelligenzgeminderten Straftätern.

Mittwoch, 23.10.2019, 07:35 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 07:40 Uhr
Uwe Holtgreve arbeitet seit kurzem in einer Alexianer-Einrichtung in Dülmen. Aber an zwei Tagen in der Woche ist er ehrenamtlich in forensischen Klinik Amelsbüren.
Uwe Holtgreve arbeitet seit kurzem in einer Alexianer-Einrichtung in Dülmen. Aber an zwei Tagen in der Woche ist er ehrenamtlich in forensischen Klinik Amelsbüren. Foto: Günter Benning

Er weiß, gegen die Forensik gab und gibt es starke Widerstände in der Bevölkerung. „Mir macht das aber immer Spaß, dahin zu gehen“, sagt er, „weil es interessante Leute sind.“

Für sein ehrenamtliches Engagement hat Holtgreve im vergangenen Jahr den mit 5000 Euro dotierten Ehrenamtspreis des Bistums Münster gewonnen. Jetzt wurde er für den Deutschen Engagement Preis angemeldet: „In der Jury-Auswahl bin ich nicht“, weiß er, „aber es gibt noch einen Publikumspreis.“ Wer für Holtgreve Punkte vergeben will, kann das online noch bis zum 24. Oktober machen ( www.deutscher-engagementpreis.de/publikumsprei s).

Der gebürtige Münsteraner, der seit 1992 in Greven lebt, hat 30 Jahre in Küchen gearbeitet, zuletzt als Küchenchef in der Telgter Waldhütte. Dann wechselte er in die Großküche der Alexianer – auch wegen der besseren Arbeitszeiten.

Bei der Einführung in das verzweigte Reich der Alexianer-Einrichtungen kam er 2013 in die Fachklinik für forensische Psychiatrie in Amelsbüren. „Wenn man da durch die Schleuse geht, hat man erst mal ein beklemmendes Gefühl“, erinnert er sich. Hier sitzen Menschen, die schwere Straftaten wie Sexualdelikte oder Brandstiftungen begangen haben. Und die gleichzeitig „intelligenzgemindert“ sind, wie die Umschreibung heißt. Eine Mischung, die seit Jahren in der Umgebung des Krankenhauses für Ängste sorgt.

„Von außen betrachtet kann ich das nachvollziehen“, sagt Holtgreve, „aber ich sehe immer die Menschen, die vor mir stehen. Was sie gemacht haben, ist für mich zweitrangig.“

Jede Woche donnerstags fährt der Koch nach Amelsbüren und backt in der Lehrküche mit zwei bis drei Patienten, die öfter wechseln. „Die Leute machen das gerne“, sagt er. Vor allem lieben sie es, wenn es mal außer Kuchen Kartoffel- oder Nudelsalat mit Würstchen gibt – Abwechslung vom Speiseplan.

Am Freitagnachmittag ist dann das Café für die anderen Patienten geöffnet. Auch hier hat er nur gute Erfahrungen gemacht: „Sie sind mir gegenüber offen, ich bin ja auch nicht deren Therapeut.“

Bei seiner Aktion kann er auf die Hilfe anderer Ehrenamtlicher und Mitarbeiterinnen zurückgreifen. Holtgreves Frau und seine beiden Kinder unterstützen den Grevener. Und er will weiterbacken: „Ich habe noch keine Situation erlebt, in der ich Angst hätte haben müssen.“

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