Ulrich Stratmann trägt alten Bürgerantrag noch mal vor
Bodenmanagement: Die Kopie der Kopie für den Rat

Greven -

Gut kopieren reicht oft nicht. Wir haben nachgefragt, was es mit einem Bürgerantrag von Ulrich Stratmann auf sich hat.

Donnerstag, 24.10.2019, 07:34 Uhr aktualisiert: 24.10.2019, 07:40 Uhr
Baugebiet Wöste – hier befinden sich alle Baugrundstücke in privater Hand.
Baugebiet Wöste – hier befinden sich alle Baugrundstücke in privater Hand. Foto: Günter Benning

Günstiges Bauland für Einheimische, soziale Auswahl beim Verkauf von Grundstücken, klare Bindungen für die Eigentümer. Und wenn neues Bauland in Greven ausgewiesen wird, dann nur, wenn es auch vorher von der Stadt gekauft wurde. Schöne Ziele, die Ulrich Stratmann in einem wohlformulierten Bürgerantrag für die nächste Ratssitzung einfordert.

Das Bodenmanagement Grevens, so der Dauerfrager im Rat, der früher einmal mit einer Wählergemeinschaft dortselbst Sitz und Stimme hatte und heute Vorsitzender des VdK Reckenfeld ist, gehöre gründlich umgekrempelt.

Wem diese Forderungen bekannt vorkommen, der hat ein gutes Langzeitgedächtnis. „Den Antrag haben wir 2002 schon mal ausgearbeitet“, sagt Stratmann auf Anfrage dieser Zeitung. Der Sachstand habe sich in der Zwischenzeit verschärft. Also habe er das gleichlautende Ansinnen noch einmal vorgetragen.

Wer sich die Mühe macht, Kernsätze aus Stratmanns wohlformulierten Antrag zu googlen, der stößt auf einen Grundsatzbeschluss des Rates der Gemeinde Grafschaft im Norden von Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2001.

Stratmann hat sein Schreiben wortwörtlich kopiert, den Ortsnamen „Grafschaft“ mit „Greven“ ersetzt und sich so eine Menge Formulierungsarbeit erspart. Sehr arbeitsteilig gedacht – allerdings fehlt etwas: In Grafschaft ist die Umsetzung dieses sozialen Bodenmanagements gescheitert.

„Ein hehres Ziel“, sagt Klaus Becker , Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung der Boomgemeinde im Speckgürtel von Köln/Bonn, „wir sind nämlich nicht ins Eigentum der Flächen gekommen.“

Die Idee war, dass die Gemeinde nur dort Baugebiete ausweisen sollte, wo sie selber die Grundstücke erworben hat. Das ging früher in NRW und manche Gemeinde hat sich daran in den 70er und 80er Jahren gesundgestoßen. Auch in Bayern, sagt Becker, funktioniert das bis heute: „Aber in Grafschaft machten die Eigentümer nicht mit, edenfalls nicht zu einem akzeptablen Ankaufspreis.“

Nur einmal sei es gelungen, über eine Treuhandgesellschaft ein geschlossenes Baugebiet zu erwerben. „Aber da mussten wir gar nicht nach den vorgesehenen sozialen Kriterien entscheiden, weil der Bedarf nicht so groß war.“

Verschärft habe sich die Lage auf dem Grundstücksmarkt, seit die Gemeinde Grafschaft Haribo habe ködern können. Die Süßwarenfabrik habe sich Grundstücke für Mitarbeiter reserviert. „Da ist der Bodenpreis explodiert“, sagt Becker. In Grafschaft zahle man jetzt 80 Euro für unerschlossenes Bauland. Erschlossen liege man bei 250 Euro – nicht weit von den Preisen entfernt, die man in der Wöste Grevens zahlte.

In Greven befinden sich Baugebiete wie die Wöste meist in privater Hand. Die Stadt sorgt durch ein Umlegungsverfahren dafür, dass Flächen für Gemeinbedarf, also Straßen und Spielplätze, zur Verfügung stehen – diese Grundstücke gehören der Stadt. Ausnahmen gab es teilweise in Reckenfeld. Am Stockkamp wurden die Verkaufspreise gedeckelt.

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