Hansa-Group-Manager müssen in Haft
Scheingeschäfte in den Bilanzen

Reckenfeld/Ibbenbüren -

Es war ein Kraftakt, den die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Münster zu bewältigen hatte. Nach knapp drei Jahren Verhandlungsdauer gab es ausnahmslos Schuldsprüche.

Mittwoch, 13.11.2019, 17:48 Uhr aktualisiert: 13.11.2019, 17:50 Uhr
Zwei ehemalige Manager und zwei weitere Männer der Hansa Group, zu der früher auch der Putzmittelhersteller Luhns (Reckenfeld) zählte, hatten sich vor Gericht zu verantworten.
Zwei ehemalige Manager und zwei weitere Männer der Hansa Group, zu der früher auch der Putzmittelhersteller Luhns (Reckenfeld) zählte, hatten sich vor Gericht zu verantworten. Foto: Oliver Hengst

Zwei ehemalige Manager und zwei weitere Männer der Hansa Group , zu der früher auch die chemische Fabrik Wibarco in Uffeln und der Putzmittelhersteller Luhns (Greven/Reckenfeld) zählten, hatten sich wegen Betruges und Subventionsbetruges zu verantworten. Am Dienstag wurden nach 210 Verhandlungstagen die Urteile verkündet: Die härtesten Strafen sprach die 7. Strafkammer gegen die 71 und 61 Jahre alten Konzernlenker aus Düsseldorf und Duisburg aus. Sie sollen für je acht Jahre ins Gefängnis. Der mitangeklagte 61-Jährige aus Ibbenbüren, der unter anderem Geschäftsführer der Wibarco war, erhielt eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren, der Vierte im Bunde zwei Jahre und zehn Monate. Staatsanwaltschaft und Gericht kamen zu der Überzeugung, dass sich die Angeklagten in drei Fällen des Betruges beziehungsweise deren Beihilfe schuldig gemacht haben.

Im Mittelpunkt des Prozesses standen Scheingeschäfte, die in die Bilanzen gemogelt wurden und zu einem Vermögensverlust großen Ausmaßes geführt haben: Somit wurden Bankkredite von 12,7 Millionen Euro erschlichen. Die Angeklagten hätten ihren Konzern wirtschaftlich deutlich besser dargestellt.

Die Banken hatten bekundet, dass ihnen die Manipulationen nicht aufgefallen seien. Sie hatten auf die Richtigkeit der Zahlen und auf die Zertifikate der Wirtschaftsprüfer vertraut. Nur deswegen hätten sie die Kredite gewährt, hieß es. Vorsitzender Richter Pfeiffer ließ in der Urteils-Begründung kein Detail unerwähnt und ging auch auf die lange Verfahrensdauer ein. „Das Verfahren wurde immer wieder durch Beweis- und Befangenheitsanträge verschleppt.“

Die Verteidigung, die für drei der Angeklagten Freispruch und für einen eine milde Strafe beantragt hatte, kritisierte in ihren Plädoyers das Gericht aufs Schärfste. Ein Verteidiger sprach von einer „kühlen Abrechnung“ der Oberstaatsanwältin. Sie hätte unvoreingenommen plädieren müssen – das sei nicht erfolgt. Sein Mandant habe keine betrügerischen Handlungen zum Nachteil der Banken begangen. Es habe keine Selbstbereicherung gegeben. Es sei um den Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze gegangen. Letzteres sah das Gericht durchaus, jedoch auch ein hohes Maß an krimineller Energie.

Am Ende hob das Gericht die Untersuchungshaftbefehle gegen die Hauptangeklagten unter Auflagen auf. So müssen die beiden Brüder eine Kaution von jeweils 500 000 Euro hinterlegen.

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