Industriestraße: Bald keine Durchfahrt mehr möglich
Anwohner setzen sich durch

Reckenfeld -

Ursprünglich, so sah es der Vorschlag von Grevens Verkehrsplaner André Kintrup vor, sollte die Industriestraße offen bleiben, weil die Sperrung mittels Poller im Bebauungsplan gar nicht vorgesehen sei. Doch das lehnten Politik und Bürgermeister jetzt ab.

Freitag, 15.11.2019, 06:28 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 06:30 Uhr
Dieses Bild soll bald wieder der Vergangenheit angehören: Lkw-Begegnungsverkehr und reichlich weitere Autos in der Industriestraße. Sobald eine Umleitung durch diese Straße nicht mehr nötig ist, soll sie mittels Poller wieder gesperrt werden.
Dieses Bild soll bald wieder der Vergangenheit angehören: Lkw-Begegnungsverkehr und reichlich weitere Autos in der Industriestraße. Sobald eine Umleitung durch diese Straße nicht mehr nötig ist, soll sie mittels Poller wieder gesperrt werden. Foto: Oliver Hengst

Bürgermeister Vennemeyer auf den Spuren von Gerhard Schröder und seiner Basta-Politik? Im Bezirksausschuss hatte es am Mittwochabend kurz den Anschein. „Wir machen da einen Poller hin und fertig“, verkündete der Verwaltungschef. Anders als Schröder bekam Vennemeyer jedoch reichlich Applaus für sein Machtwort – und zwar von erleichterten Anwohnern der Industriestraße.

Die hatten zuvor wie die Löwen gekämpft, und waren damit letztlich erfolgreich: Die Industriestraße wird nach Abschluss des zweiten Bauabschnittes der Emsdettener Landstraße wieder geschlossen und damit wieder in den vorherigen Zustand versetzt.

Ursprünglich, so sah es der Vorschlag von Grevens Verkehrsplaner André Kintrup vor, sollte die Straße offen bleiben, weil die Sperrung mittels Poller (die es viele Jahre lang gab) im Bebauungsplan gar nicht vorgesehen sei. Die erstaunten Anwohner waren angesichts dieses Vorschlages irritiert, ja regelrecht empört, und machten ihrem Unmut Luft. Sie fühle sich „ein bisschen hereingelegt“, sagte eine Anwohnerin, die zudem die Statistik der Polizei anzweifelte, nach der es keine Erkenntnisse über zunehmende Verkehrsverstöße in der Straße gebe. Die Polizei räume auf Anfrage selbst sein, dass sie keine personellen Kapazitäten habe, um Kontrollen durchzuführen. „Also kann da auch nichts in der Statistik auftauchen“, folgerte die Anwohnerin.

Ergo zählen manche Betroffene in ihrer Straße selbst. Ergebnis: Je nach Tageszeit bis zu 300 Fahrzeuge pro Stunde, darunter viele Lkw, „die Hälfte der Fahrzeuge fährt zu schnell“. Gegen 5.30 Uhr in der Früh setze der Verkehr ein, es sei in den zur Straße liegenden Zimmern kaum auszuhalten, beklagte eine Betroffene, die Kintrup auch „Wortbruch“ vorwarf. Er habe zugesagt, bei mehr als 1500 Fahrzeugen am Tag regulierend tätig zu werden. Passiert sei aber nichts, obwohl diese Zahl deutlich überschritten werde.

Passiert sei sehr wohl etwas, rechtfertigte sich der harsch Kritisierte. Man habe bei der Beschilderung nachgesteuert und mit zusätzlichen Hindernissen das Durchfahren der Industriestraße möglichst unattraktiv gemacht. Hinsichtlich der fehlenden Polizeikontrollen räumte Kintrup ein: „Wir würden uns das auch anders wünschen.“

Auch Vertreter der Kita „Rasselbande“, die direkt an der bisherigen Sperrung liegt, meldeten sich zu Wort: „Die Straße muss zu, das ist eine Katastrophe.“ Eltern haben Angst um sich und ihre Kinder. Obwohl sie auf dem Weg zur Kita Warnwesten trügen, werde einen halben Meter neben den Fußgängern gerast. „Ich musste schon mehrfach meine Tochter zur Seite schubsen. Das ist doch nicht tolerierbar“, schilderte eine Mutter ihre Eindrücke.

Nachdem sich Vennemeyer die Diskussion eine Weile angehört hatte, schlussfolgerte er, dass die Bedenken der Anwohner „verständlich“ seien. „Die Notwendigkeit sehe ich ein.“ Ergo wird die Straße demnächst wieder zugemacht. Die im Ausschuss versammelten Kommunalpolitiker trugen das einmütig mit. Der Betriebsausschuss muss dem allerdings noch zustimmen.

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