Bernward Stelljes ist seit 25 Jahren Geschäftsführer und Vorstand des Caritasverbands
„Zusammen etwas entwickeln“

Greven -

Eine „Erwerbsbiografie, wie es sie kaum noch geben wird“, sagt Bernward Stelljes über seine Arbeit für den Caritasverband Emsdetten-Greven. 1957 in Münster geboren, kam er über die kirchliche Jugendarbeit zur Sozialarbeit. Er arbeitet seit 1986 für den Caritasverband Emsdetten-Greven und steht seit 25 Jahren an dessen Spitze.

Samstag, 16.11.2019, 17:38 Uhr aktualisiert: 16.11.2019, 17:40 Uhr
Bernward Stelljes, Vorstand für Fachbereiche und Personal des Caritasverbands Emsdetten-Greven, blickt auf 25 Dienstjahre zurück – und voraus.
Bernward Stelljes, Vorstand für Fachbereiche und Personal des Caritasverbands Emsdetten-Greven, blickt auf 25 Dienstjahre zurück – und voraus. Foto: PF

Eine „Erwerbsbiografie, wie es sie kaum noch geben wird“, sagt Bernward Stelljes über seine Arbeit für den Caritasverband Emsdetten-Greven. 1957 in Münster geboren, kam er über die kirchliche Jugendarbeit zur Sozialarbeit. Er arbeitet seit 1986 für den Caritasverband Emsdetten-Greven und steht seit 25 Jahren an dessen Spitze. Im Gespräch wirft der gelernte Sozialarbeiter einen Blick zurück auf die Entwicklung in zweieinhalb Jahrzehnten. Und sagt, warum der Begriff „Feinkostladen“ für den katholischen Wohlfahrtsverband in Emsdetten, Greven und Saerbeck passt.

Wie war das, als sie im Herbst 1994 auf dem Chefsessel des Caritasverbands Platz nahmen?

Bernward Stelljes: Mein Vorgänger war nur wenige Jahre im Amt gewesen. Es gab da Skepsis, als ich die neue Aufgabe übernahm. Ich hatte vorher beim Verband in der Suchtberatung gearbeitet. Und jetzt war einer aus dem eigenen Haus der Chef. Einfach mal Mittagessen mit den Menschen, die gerade noch die Kollegen in der Abteilung waren – das wurde komplizierter.

Wie haben Sie das in den ersten Jahren erlebt?

Stelljes: Niemand konnte genau sagen, wie es um den Caritasverband eigentlich bestellt war. Unter anderem mit der Einführung des ersten Teils der Pflegeversicherung 1995 veränderte sich der Förderrahmen völlig. Statt Pauschalzuschüssen kamen die Fachleistungsstunden. Es entstand eine Konkurrenz zwischen den Anbietern – der Beginn der Kapitalisierung der sozialen Dienste. Wir waren schon in schwerer See, und es wurde noch windiger. Aber es gelang, den Caritasverband innerhalb von zwei Jahren so zu entwickeln, dass es mehr Struktur und Sicherheit gab. Ein wichtiges Symbol und Signal war die Renovierung des Caritas-Hauses in Emsdetten 1996/1997.

Warum sprechen Sie vom Caritasverband manchmal als „Feinkostladen“?

Stelljes: Gerhard Leuschner, unser langjähriger Supervisor und zusammen mit dem langjährigen Verbandsvorsitzenden Pfarrer Bernhard Volkenhoff eine prägende Person für mich, hat mich zu Beginn gefragt: Wollen Sie einen Großhandel oder einen Feinkostladen? Wir sind im Kreis Steinfurt der kleinste Caritasverband. Bei dem Begriff Feinkost denken wir nicht an etwas Elitäres, sondern an die Qualität unserer Leistungen.

400 Hauptamtliche im Caritasverband, wo ist da der Unterschied zum Großhandel?

Stelljes: Wir haben keine eigene große Werkstatt für Menschen mit Behinderung, aber in der Behindertenhilfe das Haus Tobias in Greven, das Grotthoff-Dahlmann-Stift in Emsdetten und demnächst die neue Einrichtung in Reckenfeld. Wir haben uns nie in der stationären Altenhilfe engagiert, sind aber ein großer Anbieter bei der ambulanten Pflege und auch beim ambulant betreuten Wohnen für Menschen mit Behinderung. Wir haben ein breit aufgestelltes Angebot an Beratungsstellen, sind aber auch viel vor Ort, in Kitas zum Beispiel, und Netzwerken. Wir besetzen Nischen wie die Arbeit mit hörgeschädigten Menschen, bei der wir unter anderem eine Dependance an der Münsterland-Schule betreiben. Und mit mehr als 150 Ehrenamtlern an vier Ausgabestelle in Emsdetten, Greven und Saerbeck ist die Caritas-Tafel schon längst keine Nische mehr.

Welchen Stellenwert hat das freiwillige Engagement im Caritasverband?

Stelljes: Wir hätten vor 25 Jahren nie daran gedacht, dass die Freiwilligenarbeit bei uns solche Dimensionen annimmt. Verstärkt in den letzten Jahren, hat sich der Caritasverband zu einem Anker für Ehrenamt entwickelt, unter anderem bei der Pfarrcaritas in den Kirchengemeinden. Die Ausgabestellen der Tafel, der Ambulante Hospizdienst Emmaus, das Freiwillige Engagement für Eltern (FEE), der Einsatz in der Behindertenhilfe oder in der Flüchtlingshilfe: Wir haben eine vom Hauptamt unterstützte, regelrechte Freiwilligen-Szene, für die wir sehr dankbar sind.

Wo sehen Sie im Verband die Rolle des Vorstands?

Stelljes: Mir liegt daran, zusammen mit Menschen etwas zu entwickeln, soziale Dienstleistungen zu organisieren und die Strukturen dafür zu schaffen. Es ist für mich ein fortlaufender Prozess, Menschen zu finden, die Lust haben, sich darauf einzulassen. Heute sind wir strukturell und finanziell stabil, aber wir müssen wach bleiben und veränderungsbereit.

Der Caritasverband ist eine katholisch-kirchlich geprägte Einrichtung und ein mittelständisches Unternehmen. Wie verträgt sich das?

Stelljes: Das Unternehmen muss sowohl betriebswirtschaftlich geführt werden, als auch christliche soziale Positionen vertreten. Dieses führt ein ums andere Mal in Widersprüche, die es auszuhalten gilt. Unsere Orientierung bleibt das christliche Menschenbild.

Wo liegen aktuell Herausforderungen und Handlungsschwerpunkte?

Stelljes: Das Gesicht der bundesweiten Caritas-Kampagne „sozial braucht digital“ ist Christine, Bewohnerin unseres Grotthoff-Dahlmann-Stiftes. Auch wir als Verband passen uns gerade an die digitale Lebenswirklichkeit besonders jüngerer Menschen an, wollen stärker in die sozialen Netzwerke, in die Onlineberatung, in E-Learning-Plattformen für Mitarbeiter. Nachhaltigkeit ist ein weiteres Zukunftsthema für uns. Fachlich kommt auf uns im nächsten Jahr die Umsetzung des Bundesteilhabegesetztes zu. Unser Neubau des Wohnhauses für Menschen mit Behinderung in Reckenfeld wird in die Umsetzung einbezogen.

Weniger Luft nach oben scheint, aus Verbandssicht, auf dem Arbeitsmarkt zu sein.

Stelljes: Der Zivildienst ist vor langer Zeit weggefallen. Er hatte besonders jungen Männern den Kontakt mit sozialen Berufen ermöglicht. Das Freiwillige Soziale Jahr ist da kein Ersatz. Zugleich gibt es eine fortschreitende Spezialisierung in den Berufsfeldern. Diese Vielzahl von Möglichkeiten kann Jugendliche auch überfordern. Der Arbeitsmarkt ist für Arbeitgeber immer enger. Das macht die Frage, mit welchem Personal wir Angebote machen können, zu einer ganz zentralen für uns. In diesem Wettbewerb sagen wir: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich auf uns verlassen können und umgekehrt. Klar müssen wir für attraktive Arbeitsplätze werben. Das bedeutet zu erklären, welche gestalterischen Möglichkeiten vorhanden sind und wie unsere Entlohnung sich gestaltet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7067609?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F168%2F
Fußgänger verstarb an Unfallstelle
Autofahrer erfasst 76-Jährigen: Fußgänger verstarb an Unfallstelle
Nachrichten-Ticker