Violinistin Christa-Maria Stangorra
Zartsaitige Stunde Glückseligkeit

Greven -

Es war ein Konzert von ganz besonderer, hochsensibler, ja geradezu intimer Musikalität. Die junge Violinistin Christa-Maria Stangorra begeisterte im Beatclubkeller

Sonntag, 17.11.2019, 19:09 Uhr
Die erst 24-jährige Violinistin Christa-Maria Stangorra wusste mit ihrem Spiel im Beatclub-Keller zu begeistern.
Die erst 24-jährige Violinistin Christa-Maria Stangorra wusste mit ihrem Spiel im Beatclub-Keller zu begeistern. Foto: Hans Lüttmann

„Liebe auf den ersten Ton. Barock im Beat-Club-Keller. Nummer-eins-Hits für die Violine. Momente musikalischen Glücks.“ Man könnte viele solcher Überschriften finden für ein Konzert von ganz besonderer, hochsensibler, ja geradezu intimer Musikalität wie dieses kleine feine Konzert am Freitag im alten Braukeller unter dem „Goldenen Stern“. Dort erlebten die verzauberten Zuhörer den strahlenden Abglanz eines aufsteigenden Sterns am Klassikhimmel: die erst 24-jährige Violinistin Christa-Maria Stangorra, die sich kurz vor ihrer Masterprüfung in Berlin in Greven die Ehre und ein bewegendes Nummer-eins-Konzert gab.

Nicht nur die Stücke selbst ( Johann Sebastian Bachs erste Violin-Sonate, Eugène Ysayes erste Sonate und Georg Philipp Teleanns erste Fantasie) sind zugleich Christa-Maria Stangorras Nummer-eins-Lieblings-Hits der Geigenliteratur. Und diese Liebe zelebrierte sie trotz oder wegen ihrer jugendlichen Unbedarftheit mit souveräner Nonchalance, erzählte zwischendurch etwas über Werk und Komponist und meisterte mit traumwandlerischer Sicherheit, viel Feingefühl und großer Wandelbarkeit das anspruchsvolle Presto in Bachs Sionate ebenso wie das etwas spröde, technisch raffinierte Werk des Belgiers Ysaye, der in seiner Sonate unverblümt seinem Idol Bach nacheifert, ohne den Barock-Giganten je zu erreichen.

Bach, der mit der Chaconne in d-moll „das Stück aller Stücke“ (Stangorra) geschrieben hat, ein wunderbarer, unbegreiflicher, erschütternder musikalischer Grabstein, eine ganze Welt tiefster Gedanken und gewaltiger Empfindungen, aufwühlende 15 Minuten, die Christa-Maria Stangorra zum Schluss ihres Auftritts im Beat-Club-Keller zu einem noch lange nachhallenden Erlebnis machte. Uneitel, hochsensibel, filigran und dennoch wuchtig wie ein lyrisch-melancholischer Seufzer aus tiefster Seele. (Im Juli 1720 kehrt Bach von einer dreimonatigen Reise zurück. Zu Hause empfängt ihn die Nachricht, dass seine Frau Maria Barbara vor einer Woche gestorben und schon beerdigt ist. Man zeigt ihm das Grab. Wenig später komponiert er die Partita mit der Chaconne als Schlusssatz.)

„Bliss“ heißt die Konzertreihe im Beat-Club-Keller. Bliss – Glückseligkeit auf Deutsch – genossen die Zuhörer für eine zartsaitige Stunde mit einem aufgehenden Stern unter dem „Goldenen Stern“; und ihren rauschenden Applaus würden sie sicher gern in diese Worte übersetzen: „Liebe auf den ersten Ton“.

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