Buch über Heuerlingswesen avanciert zum regionalen Bestseller
Grevener Autor mit Rekord-Auflage

Greven -

Der Grevener Autor Dr. Helmut Lensing und Bernd Robben haben die leicht erweiterte Neuauflage des Buches „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht.

Freitag, 22.11.2019, 20:00 Uhr
So war es, das Heuerlingsleben. Das Wasser zum Waschen wurde aus dem Fluss geholt.
So war es, das Heuerlingsleben. Das Wasser zum Waschen wurde aus dem Fluss geholt. Foto: Heimatfreunde Neuenhaus

„Was Du siehst, wenn Du die Augen zumachst, das gehört Dir!“ Den prägnanten Ausspruch warf ein Bauer im Kreis Diepholz seinem aufmüpfigen Heuermann gegen 1900 in einem Streit an den Kopf, um ihm die bäuerliche Überlegenheit zu demonstrieren.

Er traf damit diesem wie die Sachlage so sehr, dass seine Familie den ihre Gesellschaftsschicht demütigenden Spruch mit seinen Umständen über Generationen mündlich bewahrte, bis er über einhundert Jahre später bei der Erforschung des Heuerlingswesen verschriftlicht werden konnte. Nachzulesen ist dies in der leicht erweiterten Neuauflage des Buches „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ des Grevener Autors Dr. Helmut Lensing und Bernd Robben .

Mit inzwischen gut 17 000 gedruckten Exemplaren sei dies eines der erfolgreichsten regionalgeschichtlichen Bücher Nordwestdeutschlands in den letzten Jahrzehnten, erklärt Lensing in einer Pressemitteilung.

2014 gaben der emsländische Hoferbe und pensionierte Rektor Bernd Robben und der Grevener Historiker Dr. Helmut Lensing ein Buch heraus, das seitdem für Gesprächsstoff sorgte. Das Werk mit dem Untertitel „Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“ beschäftigte sich erstmals mit dem Heuerlingswesen von der Entstehung in der frühen Neuzeit bis zum schnellen Untergang in der Nachkriegszeit.

Heuerlinge, in Teilen des nordwestdeutschen Verbreitungsgebiets auch Kötter oder Häusler genannt, erhielten vom Bauern meist einen alten Kotten und etwas Land zur Bearbeitung, hatten dafür aber auf Abruf unbegrenzte Arbeitshilfe auf dem Hof zu leisten.

Um zu überleben, mussten sie sich zumeist Geld zunächst mit der Bearbeitung von Leinen oder als Hollandgänger, später in zahlreichen Nebenberufen wie Imker, Holzschuhmacher, Wald-, Straßen-, Kanal- oder Bauarbeiter hinzuverdienen.

Dazu kamen Industrieheuerlinge, im Münsterland etwa in der Textilindustrie. Prägend für alle war ihre Abhängigkeit vom Bauern.

„Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ Mit diesem seinerzeit üblichen Ausspruch ist ein Zustand in den nordwestdeutschen Dörfern charakterisiert, der im 16. Jahrhundert begann und gegen 1970 endgültig endete. Die von den Bauern komplett abhängigen Heuerleuten waren mit diesen zwar eng verbunden, doch führten sie in ihren kleinen, dunklen, häufig überbelegten und im Winter bitterkalten Kotten, in denen nicht selten sogar zwei Familien unter einem Dach leben mussten, ein völlig anderes Leben als die Bauern.

Die Autoren beschäftigten sich mit der primitiven Wohnsituation der Heuerleute, dem entbehrungsreichen Siedeln in Moor und Heide, der Flachsbearbeitung und dem Leinenhandel, dem Töddenwesen und dem Hollandgang, der Auswanderung in die USA, der Suche nach Nebenerwerbsmöglichkeiten, dem besonders harte Leben der Heuerlingsfrauen und Mägde oder mit der Lage der Heuerleute im Dritten Reich.

Das Buch zeichnet mit zahlreichen Illustrationen und eingestreuten Zeitzeugenberichten ein lebendiges, anschauliches und differenziertes Bild von Alltag derjenigen Landbewohner, die nicht über Landbesitz verfügten. Mit der Demokratie von Weimar erhielten die ländlichen Unterschichten erstmals volle Wahl- und Bürgerrechte. So war seit 1919 eine sich letztlich nach mehrfachen Umbenennungen als „Westfälischer Bauernbund“ bezeichnende Organisation der Kötter und Kleinbauern aktiv.

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Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 978-3-9818393-1-9) zum Preis von 24,90 Euro erhältlich.

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