Familiengeschichte
Grevener Björn Kiefer ist Urgroßvaters Chevy auf der Spur

Greven/Brandenburg -

Erzähl’ mal eine Geschichte, in der die Themen Greven, Brandenburg, Renault Kiefer, Chevrolet, Charles Lindbergh und Drehstrom-Motoren vorkommen. Unmöglich? Nein: Die Geschichte gibt es. Der Grevener Björn Kiefer hat sie recherchiert und aufgeschrieben. Sein Buch „Ein Chevrolet aus Brandenburg“ ist gerade erschienen. Es ist ein Kapitel aus Kiefers Familiengeschichte.

Dienstag, 26.11.2019, 06:58 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 12:05 Uhr
Der Grevener Björn Kiefer arbeitet seine Familiengeschichte auf. Sein erstes Buch ist nun erschienen.
Der Grevener Björn Kiefer arbeitet seine Familiengeschichte auf. Sein erstes Buch ist nun erschienen. Foto: Gunnar A. Pier

1958 gründete Horst Kiefer sein Autohaus in Greven. Doch erst fünf Jahre später zog die Firma an den heutigen Standort an der Emsdettener Straße – den Anfang hatte die Geschichte des Renault-Handels im Garagenhof hinter der heutigen Esso-Tankstelle an der Königstraße genommen. Aber Björn Kiefer , 43 Jahre alt und Enkel von Werkstattgründer Horst, rechnet anders: „Ich zähle ab 1925“, sagt er. Denn zu der Zeit erweiterte Björns Urgroßvater Fabian Kiefer seine Werkstatt für Elektrogeräte wie etwa Drehstrom-Motoren und verkündete das am 14. März 1925 im Brandenburger Anzeiger mit einer Annonce: „Der geehrten Einwohnerschaft von Brandenburg und Umgebung zur gefl. Kenntnisnahme, daß wir unserem bestehenden Unternehmen eine Automobil-Reparaturwerkstatt angegliedert haben. Wir empfehlen uns zur Ausführung sämtl. Reparaturen und bitten um Zuspruch.“ Die Werkstatt war gegründet, die folgende Geschichte bisweilen kurios.

Buchpräsentation vor einem Chevrolet aus Urgroßvaters Produktion: Björn Kiefer Anfang November in Brandenburg an der Havel.

Buchpräsentation vor einem Chevrolet aus Urgroßvaters Produktion: Björn Kiefer Anfang November in Brandenburg an der Havel. Foto: Privat

Auf die Idee, die Familienchronik aufzuarbeiten, kam Björn Kiefer zufällig. Als im Jahr 2003 seine Oma starb, „haben wir in ihrem Haus 1000 Sachen gefunden“, erinnert er sich. Darunter ein Brief von Flugpionier Charles Lindbergh . Ein Fake – oder was steckt dahinter? Björn Kiefer wurde neugierig und stieg ein in die lange Vorgeschichte der Grevener Renault-Werkstatt.

„Ich möchte eine Komplettbiografie zusammenstellen“

In der spielte Lindbergh, der sich irgendwann mal auf dem Gelände der Brandenburger Firma einmietete, nur eine Nebenrolle – stattdessen stieß Kiefer Junior auf andere überraschende Kapitel. „Ich möchte eine Komplettbiografie zusammenstellen“, erklärt der 43-Jährige, der am Gymnasium Odenthal in Bergisch-Gladbach Biologie, Erdkunde und Deutsch unterrichtet. Sein jetzt erschienenes Buch „Ein Chevrolet aus Brandenburg“ gibt einen Vorgeschmack.

Recherche im Berliner Zeitungsarchiv

Als der weggezogene Grevener, der 1996 sein Abi am Augustinianum gemacht hat, im Berliner Zeitungsarchiv blätterte, lernte er seinen Urgroßvater Fabian Kiefer kennen. Der hatte in Brandenburg an der Havel seine Firma für Elektromotoren gegründet und 1925 zur Automobilwerkstatt erweitert. Eine Boom-Branche, wie Björn in seinem Buch schreibt: „So sollte sich der Automobilbestand im Deutschen Reich von 32 000 Pkw im Jahr 1920 auf 501 000 Pkw im Jahr 1930 verfünfzehnfachen“ – in nur zehn Jahren. Die Firma seines Urgroßvaters schwamm auf der Erfolgswelle.

Der Chevrolet kommt nach Brandenburg

Schon 1927 folgte der buchtitelgebende Coup: US-Autogigant General Motor übertrug der Brandenburger Firma die Vertretung der Chevrolet-Autos. Und weil zeitweise hohe Zölle auf Autos, aber nicht auf Autoteile erhoben wurden, wurden Chevrolet-Pritschenwagen eine Zeit lang in Brandenburg zusammengebaut – gerne mit Aufbauten nach Kundenwunsch.

Zum Thema

Björn Kiefer: „Ein Chevrolet aus Brandenburg. Die Auto- und Elektrogesellschaft Kiefer und Gräben“, Verlag Books on Demand, 124 Seiten, 29,90 Euro.

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Im Grevener Garagenhof

Dass der Sohn des Brandenburger Autobauers auch in der Branche landen würde, war also irgendwie abzusehen. Und so gründete Horst Kiefer 1958 seine eigene Werkstatt – im Grevener Garagenhof.

Das alles beschreibt Björn Kiefer sehr genau und mit vielen Quellen. Illustriert ist das Buch unter anderem mit zeitgenössischen Fotos und vor allem Zeitungsanzeigen, in denen das Unternehmen sich, seine Drehstrom-Motoren und die Autos bewirbt.

Das Thema ist speziell

„Geld verdienen klappt mit dem Buch wohl nicht“, vermutet der Neu-Autor. Zu speziell das Thema. Aber darum ging es ihm ja nicht. Ihn hat die Geschichte ganz einfach selbst interessiert. Die Geschichte um Greven, Brandenburg, Renault Kiefer, Chevrolet, Charles Lindbergh – und Drehstrom-Motoren.

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