Unterwegs mit „Christoph Westfalen“
Ein Tag im ADAC-Rettungshubschrauber

Greven -

Von Greven nach Berlin. Reporter Johannes Kohlen verbringt einen Einsatztag an Bord des gelben Airbus-Helikopters des ADAC am FMO.

Sonntag, 01.12.2019, 11:30 Uhr aktualisiert: 01.12.2019, 11:39 Uhr
Unterwegs mit „Christoph Westfalen“: Ein Tag im ADAC-Rettungshubschrauber
Der Hubschrauber der ADAC-Luftrettung transportiert einen Patienten nach Berlin. Foto: Johannes Kohlen

Früh am Morgen. Gerade geht die Sonne auf, als ich an der Station von „Christoph Westfalen“ im Aiportpark ankomme. Ich darf die Crew des Intensivtransporthubschraubers der ADAC-Luftrettung begleiten. Im 24-Stunden-Betrieb übernehmen sie rund um Greven Notfalleinsätze und mehrstündige Verlegungsflüge.

In Sichtweite des FMO fährt der gelbe Airbus-Helikopter auf einer Plattform aus dem Hangar. „Ab Sonnenaufgang beginnt unsere Primärbereitschaft, und die Ausrückzeit beträgt bei Notfalleinsätzen zwei Minuten. Bis dahin müssen alle Vorbereitungen für den Flugdienst abgeschlossen sein“, hatte Pilot Markus Greve vorab geschrieben.

Alles über Bordfunk

Ich bekomme einen roten Overall, Wetterschutzjacke, Helm und einen „Buff“ – eine Stoffkappe –, die ich unter dem Helm trage. Die wichtigsten Handgriffe für mich: Wie funktioniert das Anschnallsystem? Wie schließe ich die Helmsprechgarnitur an das Bordfunksystem an? Weiter geht es mit einer onlinegestützten Sicherheitsunterweisung. Markus Greve erklärt mir die theoretischen Hinweise und worauf der in der Kabine mitfliegende Arzt und ich bei Start und Landung achten sollen.

Ein Tag im Rettungshubschrauber

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  • Ein Tag unterwegs mit der Crew des Intensivtransporthubschraubers der ADAC-Luftrettung.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Der gelbe Airbus-Helikopter fährt auf einer Plattform aus dem Hangar.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Vor dem Altenheim in Greven. Der Patient wird mit dem Rettungswagen aus Emsdetten ins Maria-Josef-Hospital transportiert.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Nach jedem Flug wird der verbrauchte Kraftstoff wieder aufgetankt. An der Station im Airportpark betankt Pilot Markus Greve den Hubschrauber mit Kerosin.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Am Flughafen in Stadtlohn wird der Patient vom Rettungswagen in den Hubschrauber gebracht.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Pilot Markus Greve (l.) und Notfallsanitäter Andreas Kölb (r.) im Cockpit von Christoph Westfalen. 15 Piloten und sechs Notfallsanitäter arbeiten fest an der Station am Airportpark.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Feierabend am Airportpark. Zu über 1000 Einsätzen starten die Luftretter jedes Jahr von hier aus. Rund um die Uhr sind sie einsatzbereit.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Vorbereitung vor einem langen Flug ist wichtig: Pilot Markus Greve (links) und Notfallsanitäter Andreas Kölb telefonieren vor dem Start.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Andreas Kölb (vorne) und Helge Haberl bereiten auf der Intensivstation alles für den Transport vor.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Anflug auf den Flughafen von Stadtlohn im Kreis Borken.

    Foto: Johannes Kohlen
  • Der Hubschrauber im Landeanflug.

    Foto: Johannes Kohlen
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  • Foto: Johannes Kohlen
  • Foto: Johannes Kohlen
  • Blick aus dem Rettungshubschrauber.

    Foto: Johannes Kohlen
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  • Foto: Johannes Kohlen
  • Foto: Johannes Kohlen
  • Foto: Johannes Kohlen

Greve, 48 Jahre, ist der Stationsleiter und heute über Tag der Pilot. 2005 wechselte er von der Bundeswehr in die zivile Luftrettung. Andreas Kölb ist seit elf Jahren in Hubschraubern der ADAC-Luftrettung im Einsatz. Der 46-jährige ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Notfallsanitäter.

Der 40-jährige Helge Haberl ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Piloten und medizinisches Personal arbeiten im Tag- und Nachtdienst auf „Christoph Westfalen“, die Ärzte meist in 24-Stunden-Schichten.

Beim Briefing besprechen wir alle Themen: Menschen, Maschine, Medizin, Umwelt. An der Maschine wurde eine Kleinigkeit erfolgreich repariert. Greve berichtet von der Wettervorhersage: „Es ist heute recht wechselhaft. Aktuell sind wir am Flughafen Münster am Rand eines Regengebiets.“

In zwei Minuten raus

8.54 Uhr: Andreas Kölb wird beim Reinigen der Ausrüstung durch den Alarm unterbrochen. Ein Primäreinsatz, in zwei Minuten muss „Christoph Westfalen“ in der Luft sein. Wie abgemacht setze ich mich links mit Blick in die Flugrichtung auf den Platz, schnalle mich an.

Helge Haberl sitzt mir gelassen und angeschnallt gegenüber. Rechts vorn steigt Markus Greve ein und startet die Triebwerke des Hubschraubers. Andreas Kölb bleibt außerhalb der Maschine, schließt die Türen und steigt erst dann vorn links zu.

Greve und Kölb gehen eine Checkliste durch. Zuletzt wird die Kabine gefragt und Helge Haberl antwortet auf „Cabin checklist?“ das geforderte: „Completed!“.

Greve startet. Der Hubschrauber hebt nach hinten ab, dreht sich leicht und schwebt erst mal weg von der Plattform über den Boden hin zum großen weißen H, das auf dem Boden prangt. Erst von dort steigt er auf.

Richtung Holland

Wir fliegen Richtung Niederlande. Im Norden von Enschede sollen zwei Menschen nach einem Sturz schwer verletzt sein. „Christoph Westfalen für Leitstelle Steinfurt“, höre ich über meine Helm-Kopfhörer. „Ihr wurdet abbestellt, wir haben aber einen neuen Einsatz für Euch, direkt in Greven in einer Kurzzeitpflege: bewusstlose Person.“

Markus Greve fliegt eine Rechtskurve, die ich deutlich spüre. Da in der Innenstadt kein Platz ist, landen wir auf dem Vorplatz der Feuerwache. Wir steigen in einen Wagen der Feuerwehr um. Pilot Greve bleibt beim Hubschrauber. Das Pflegeheim erreichen wir vor dem Rettungswagen (RTW) aus Emsdetten. Der fast 90 Jahre alte Patient wird vom Personal des Heimes reanimiert. Haberl und Kölb versorgen den Patienten mit Kreislaufstillstand.

Mann wird intubiert

Der Patient kommt im RTW.

Der Patient kommt im RTW. Foto: Johannes Kohlen

Als das RTW-Team eintrifft, erhält der Mann Medikamente und wird intubiert. Nach der Gabe von Medikamenten hat er wieder einen Spontankreislauf. Während des Transports zum Rettungswagen wird der Patient allerdings wieder reanimationspflichtig. Aufgrund des hohen Alters und der schlechten Prognose entscheiden sich Haberl und Kölb für einen Transport mit dem Rettungswagen ins Maria-Josef-Hospital, statt bis ins weiter entfernte Herzkatheterlabor.

Zurück am Hubschrauber füllen die beiden ihr Material auf. Nach dem Start-Check starten wir zum kurzen Flug zur Station. Dort tankt Greve Treibstoff nach, um eine große Reichweite zu haben.

Patient für Berlin

Kurz darauf kündigt die Leitstelle über das Telefon einen Sekundärtransport an. „Christoph Westfalen“ soll im Kreis Borken einen Patienten abholen und nach Berlin fliegen. Jeder der Drei hat jetzt vordefinierte Aufgaben. Helge Haberl ruft im abgebenden Krankenhaus in Stadtlohn an und bespricht sich mit dem behandelnden Arzt. „Der Patient ist Mitte 50 und wurde vor wenigen Tagen reanimiert. Er hat einen Hirnschaden und soll jetzt heimatnah in der Neurologie der Charité in Berlin weiterversorgt werden“, erklärt Haberl dem Team.

Greve plant auf seinem Tablet die Flugroute und berechnet anhand des Gewichts den Kerosinbedarf. „Alles über zwei Stunden Flugzeit schaffen wir nicht mit einer Tankfüllung.“ Auf der Strecke nach Berlin liegt Wolfenbüttel. Dort ist „Christoph 30“ stationiert. Greve ruft bei den Kollegen an und kündigt Tankstopps auf dem Hin- und Rückflug an.

Rettungswagen hilft

Informationen werden gesammelt.

Informationen werden gesammelt. Foto: Johannes Kohlen

Andreas Kölb sammelt Informationen: Wie sind die Leitstellen in Borken, Braunschweig und in Berlin über Digitalfunk und Telefon erreichbar? „Wir können weder in Stadtlohn noch in Berlin direkt am Krankenhaus landen. Deswegen habe ich jetzt an beiden Orten Rettungswagen angefordert“, erklärt er.

Um kurz nach halb zwölf starten wir. „Leitstelle Borken für Christoph Westfalen“, ruft Kölb über Digitalfunk. „Kommen Sie“, antwortet ein Disponent. „Eintreffen um zirka 12.05 Uhr am Flughafen in Stadtlohn“, übermittelt er.

Wir steigen, können aber nicht so hoch, da wir ins schlechtere Wetter fliegen. „Je weiter wir jetzt nach Westen kommen, desto tiefer sind die Wolken“, erklärt Greve über den Bordfunk. Die Sicht sollte möglichst fünf Kilometer weit sein.

Sicherheitscheck

Im Anflug auf den Flugplatz im Kreis Borken gehen Greve und Kölb die Sicherheitscheckliste durch. Anschließend steuert Greve fast wie ein Flugzeug die Landebahn an und schwebt dann von dieser weg zu einem befestigten Platz neben einer Halle. Der Rettungswagen wartet schon.

Um halb eins stehen wir im Patientenzimmer auf der Intensivstation. Haberl und Kölbl nehmen sich viel Zeit für die Übergabe mit dem Team der Station. Erst danach bereitet Kölb die Trage vor, stellt das Beatmungsgerät ein und wechselt die Überwachung.

Haberl bereitet die Medikamente für den Transport vor, unterstützt von der Besatzung des RTW. Dann sichern sie alle Kabel und Zugänge am Patienten. Der Patient wird in einer Art Sack gelagert, der noch besser als normale Gurtsysteme gegen Verrutschen schützt.

Entspannte Atmosphäre

Nur eine halbe Stunde dauert das; alles findet in entspannter Atmosphäre statt. Helge Haberl: „Das kürzeste am Einsatz ist meist die Transportzeit. Insgesamt dauert ein Intensivtransport fast immer drei Stunden mit Planungen, dem Arzt-zu-Arzt-Gespräch, der Übergabe in der Klinik. Wir müssen uns sehr viele Informationen holen, alle Zugänge testen und einen Plan machen. Wenn wir dabei Fehler machen, können wir diese meist im Flug nicht mehr lösen. Deswegen nehmen wir uns viel Zeit für Planung und Übergabe.“

Auf dem Weg zum Aufzug spricht Helge Haberl mit der Familie des Mannes und erklärt die nächsten Stunden.

„Wir beschleunigen jetzt auf 124 Knoten. Das sind etwa 230 km/h über Grund. Bei Wind von hinten oder vorn sind wir entsprechend schneller oder langsamer“, erklärt Greve. Währenddessen stellt Andreas Kölb eines der Funkgeräte fortlaufend auf die Frequenzen der kleinen Sportflughäfen entlang der Flugstrecke ein. „Wir hören über Funk mit, ob dort gerade Betrieb ist oder Fallschirmspringer unterwegs sind. Auf keinen Fall wollen wir einen Luftraumkonflikt haben.“

Der Hubschrauber H 145 ist wesentlich größer als die häufig als Rettungshubschrauber in Deutschland verwendeten Maschinen. Wir können hinten in der Kabine bequem zu zweit sitzen. Ich sitze entgegen der Flugrichtung damit Helge Haberl besser am Patienten arbeiten kann.

Check für Wolfenbüttel

Seit etwas über einer Stunde fliegen wir, als Markus Greve und Andreas Kölb mit dem Pre-Landing Check für Wolfenbüttel beginnen. In einer weiten und vordefinierten Rechtskurve landen wir wieder über dem großen H und schweben zur leeren Plattform - „Christoph 30“ ist im Einsatz. Zum Tanken an der Station schaltet Pilot Greve die Triebwerke aus.

Um kurz vor drei sind wir wieder unterwegs. Plötzlich zieht Greve den Hubschrauber ohne Vorwarnung nach links. „Ich musste einem Vogel ausweichen.“ Mit über 200 km/h über Grund kommen auch die Vögel plötzlich.

Vor dem Start.

Vor dem Start. Foto: Johannes Kohlen

Am Olympiastadion vorbei fliegen wir über Moabit rein in den Bezirk Mitte. Am Bundeswehrkrankenhaus landen wir bei strahlendem Sonnenschein. Mit einem Rettungswagen der Berliner Feuerwehr fahren wir die wenigen hundert Meter zur Charité. Um 16.14 Uhr übergibt Helge Haberl den Patienten auf der Intensivstation.

Am Landeplatz hat Markus Greve auf uns gewartet. Um kurz nach 17 Uhr starten wir wieder. Am Westhafen entlang mit Blick auf das Charlottenburger Schloss fliegen wir über Spandau zurück Richtung Wolfenbüttel.

Wolken hängen tief

Nach dem Tanken starten wir in Richtung Westen. Die Regenwolken hängen immer tiefer. „Hier gibt es jetzt überall Hügel und Windkraftparks. Die Sicht wird immer schlechter. Wir fliegen durch das Tal“, entscheidet Markus Greve. Wir sinken auf etwas unter 200 Meter Flughöhe, folgen einem Flusslauf über einer Stadt in Niedersachsen. Über 20 Minuten lang ist der Flug sehr unruhig. Dann überfliegen wir die Grenze nach Nordrhein-Westfalen; die Schlechtwetterfront zieht nach Osten.

Es ist 19.30 Uhr als Greve und Kölb das letzte Mal für heute den Pre-Landing Check machen. Wir landen in Greven. Zwei Piloten, ein HEMS-TC und ein Notarzt – warten auf uns: Die Besatzung für die Nacht.

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