Typisch Greven: Friedrich Wilhelm Tümler
Amtssekretär im Hotel Dercken

Greven -

Erst saß er wegen Schmuggel im französischen Knast. Dann wurde er Amtmann in Greven. Tümlers Karriere.

Samstag, 07.12.2019, 19:43 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 19:50 Uhr
Amtmann Friedrich-Wilhelm Tümler.
Amtmann Friedrich-Wilhelm Tümler. Foto: Bez

Friedrich Wilhelm Tümler wurde am 21.08.1794 als Sohn des Gastwirts, Müllers und Posthalters Johann Ernst Tümler, Pächter auf Eltingmühle in Schmedehausen (Grundherr Frh. v. Kerssenbrock gnt. Schmising), und seiner Ehefrau Anna Catharina Elisabeth geb. Fricke geboren. Verheiratet war er seit 1826 mit Maria Magdalena Schmerling, der Tochter des Grevener Tuchhändlers Wilhelm Schmerling.

Nach einer Auseinandersetzung zwischen Schmugglern und französischen Zöllnern (Douaniers) in der Nähe des elterlichen Hauses Ende August 1812 wurden wenige Tage später sein Vater, sein Bruder Johann Ernst und er selbst als mögliche Mittäter gefangen genommen, nach Valenciennes (Frankreich) gebracht und dort verurteilt, sein Vater zum Tode, er selbst zu 3,5 Jahren „Verbesserungshaus“. Durch Vermittlung der französischen Kaiserin wurden sie im Juni 1813 begnadigt und am 11. November 1813 entlassen.

In den Jahren 1814/15 war er der einzige Grevener, der sich freiwillig zur preußischen Landwehr meldete, nämlich am 13.12.1813 bei den Freiwilligen Jägern. Dirk Ziesing schreibt: „Der Vater … rüstete den Sohn auf eigene Kosten aus. Nach drei Jahren Dienstzeit war er zum Feldwebel aufgestiegen und wurde für eine Beförderung zum Sekonde-Leutnant vorgesehen.“

Seit dem 01.02.1819 war Tümler als Amtssekretär des Amtes Greven tätig, seine Amtsstube befand sich im Hotel Dercken am Marktplatz, dem späteren Rathaus.

Am 25. September 1825 wurde Friedrich Wilhelm Tümler als Nachfolger von Anton Joseph Arkenoe zum Grevener Amtmann ernannt. Er war zunächst allein im Amt tätig, musste Aushilfen selbst bezahlen, erst 1855 kam der Amtsgehilfe August Arend, danach kamen 1867 Josef Koberg und 1868 Julius Rehfeld hinzu.

Seine Aufmerksamkeit widmete Tümler neben seinen umfangreichen allgemeinen Aufgaben als Amtmann (s. § 110 der Landgemeindeordnung von 1841) vor allem der ländlichen Bevölkerung und den „kleinen Leuten“, deshalb besonders auch den Grevener Schulen, wohl weniger aktiv der wirtschaftlichen und verkehrlichen Entwicklung des Dorfes Grevens. Das brachte ihm den öffentlichen Vorwurf des Grevener Ortsvorstehers Ludwig Terfloth ein, die ganze Welt sei fortschrittlich, nur in Greven schlafe die Verwaltung.

In seine Amtszeit fielen wichtige örtliche Verwaltungs-Veränderungen. ( > Rückblick auf das Amt Greven, Leo Drost, Greven 1954) Im Jahre 1821 war Gimbte nach Greven eingemeindet worden. Durch die preußische Landgemeindeordnung für Westfalen (31.10.1841) gab es dann drei Gemeinden: Greven-Dorf, Kirchspiel Greven und Gimbte. Sie bildeten nun das Amt Greven. Die 1. Amtsversammlung tagte allerdings erst am 9. April 1844.

Durch Beschluss vom 13. Juli 1850 der Gemeindevertretungen von Greven-Dorf und Kirchspiel Greven wurden beide Gemeinden wieder vereint und bildeten fortan zusammen mit der Gemeinde Gimbte das Amt Greven, bis zum Jahre 1894.

Außerdem fanden in seiner Amtszeit wichtige verkehrliche und wirtschaftliche Veränderungen statt: die Eröffnung der Chaussee Münster-Greven-Ibbenbüren (1843) und der Chaussee („Holländische Straße“) Nordwalde-Greven-Telgte (1856), der Grevener Baumwollspinnerei (1855) und der Eisenbahnlinie Münster-Greven-Emden (1856).

Und er erlebte viele wichtige staatspolitische Ereignisse in seiner Amtszeit: die Revolution in Deutschland (1848/49), den deutsch-dänischen Krieg (1864), den Deutschen Krieg (1866), den deutsch-französischen Krieg (1870/71) und die Gründung des zweiten Deutschen Reiches (1871) mit dem preußischen König Wilhelm I. als Kaiser.

Mit dem 31. Juli 1874, nach 55 Jahren der Verwaltungsarbeit zum Wohle des Amtes Grevens, endete die ereignisreiche Amtszeit des Friedrich Wilhelm Tümler.

Sein Nachfolger wurde der evangelische Heinrich von Pöppinghausen, der bis dahin Amtmann in Tecklenburg gewesen war.

Friedrich Wilhelm Tümler starb am 15. Juli 1877 im Alter von 83 Jahren.

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