Aberglauben im christlichen Kontext
Von Angst und Aberglauben: ein Gespräch mit einem Pfarrer

Greven -

Die Gefahr kommt. Glaubt man zumindest denjenigen, die Freitag, den 13. mit Aberglauben und Unglück definieren. Heute ist es wieder so weit. Inmitten der adventlichen Zeit fällt ein Datum, das für manch einen nichts als Unglück bringt.

Freitag, 13.12.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 11:25 Uhr
Jörn Witthinrich, evangelischer Pfarrer in Greven, hat selber keine Ängste. Dem 50-Jährigen hilft dabei auch sein Glauben an Jesus Christus, der ein angstfreies Leben predigt.
Jörn Witthinrich, evangelischer Pfarrer in Greven, hat selber keine Ängste. Dem 50-Jährigen hilft dabei auch sein Glauben an Jesus Christus, der ein angstfreies Leben predigt. Foto: Luca Pals

Jörn Witthinrich selber ist nicht abergläubisch: Der 50-Jährige ist seit 2004 Pfarrer in Grevens evangelischer Kirchengemeinde und sagt: „Mit Gottvertrauen können wir angstfrei durchs Leben gehen.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung sprach er über die Ängste der Menschen, die Verantwortung der Kirche und Missverständnisse des Aberglaubens.

Mitten in eine „sehr schöne und auch ein wenig stressige Jahreszeit“ (Witthinrich) fällt das Datum, von dem Witthinrich selber gar nichts wusste: „Ach diesen Monat schon wieder?“ Mitten in die Adventszeit.

Die Aussage macht deutlich: Mit Aberglauben hält sich der Pfarrer, der einst durch die Jugendarbeit in Hattingen im Ruhrgebiet in den Glauben richtig eingestiegen ist, nicht lange auf.

„Ich rede ja sehr viel mit den Menschen aus der Gemeinde. Wenn Angst dabei Thema wird, dann kommen verschiedenste Arten davon zur Sprache“, berichtet Witthinrich aus seinem Arbeitsalltag.

Gottvertrauen statt Magie

Besonders bei älteren Menschen steht die Sorge vor dem Tod im Vordergrund: „Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen. Während die einen Angst haben, gehen andere sehr gelassen damit um.“ Bei den letzteren würde er einen starken christlichen Glauben spüren: „Die Bibel und Jesus lehren uns: Wir brauchen keine Angst zu haben.“ Der Geistliche erklärt: „Viel mehr lehrt die heilige Schrift, wie Gott Vertrauen schenkt und der Mensch auf seine Stimme hören kann – Vertrauen führt zur Gelassenheit. Gelassenheit fördert das Selbstbewusstsein und aus diesem kann wieder Stärke gewonnen werden.“

Weil Gott den Menschen verspreche, jederzeit und überall da zu sein, könne er gelassener durchs Leben gehen. Nach dem Motto: Gottvertrauen statt Magie.

Beim Aberglauben sehe das anders aus: „Wenn jemand vor einer Klausur seinen Glücksstein Zuhause lässt, fördert das viel mehr die Angst. Damit machen sich die Menschen von Gegenständen abhängig.“

„Dutzend des Teufels“

Für den Pfarrer habe Aberglauben immer einen Grund: „Wenn man an sowas glaubt, dann ist das erst einmal so hinzunehmen. Das muss man im Gespräch ernst nehmen.“ Während seiner Zeit als Pfarrer habe er ein Beispiel: „Eine Frau, die an die Macht von Sternen glaubte. Das war auch für mich damals neu.“

Nehmen wir den heutigen Tag – woher kommt die Angst vor Freitag, den 13.? Zum einen besteht laut Experten schon lange eine Furcht rund um den Wochentag sowie der Zahl 13 – in der Kombination führe das zum Aberglauben. In der deutschen Sprache galt die 13 als „Dutzend des Teufels“, dazu soll Jesus an einem Freitag gekreuzigt worden sein. Unglücke wie der Börsencrash in Amerika 1929, bekannt als „Schwarzer Freitag“, bestärkten in der Geschichte den Kult.

Auch die Bibel würde Angst und Aberglauben zum Thema machen. Beispiele kennt der studierte Theologe einige: „Jesus nimmt der Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll, die Angst oder den Jüngern vor dem Sturm auf dem See Genezareth.“

Der für ihn zentralste Punkt ist besonders aktuell: „In der Weihnachtszeit feiern wir, das Gott Mensch wird und in unsere Welt kommt.“

Somit lassen sich viele Menschen wie etwa in der Thomasmesse der Gemeinde die Angst nehmen. Dabei, so Witthinrich, könnten die Besucher sich individuell an Angeboten für den Gottesdienst beteiligen: „Die Seelsorgeaktion ist besonders beliebt.“ Witthinrich sieht hierbei auch die Kirche in der Verantwortung: „Wir müssen den Menschen mehr zuhören. Dadurch vermitteln wir, dass sie nicht alleine mit ihren Ängsten sind.“

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